Im Sturmschritt der Janitscharen mit Mozarts Rondo Alla Turca
Der Hörführer
Piano Sonata No. 11 in A major, K. 331: III. Rondo alla turca

Ich bin Wolfgang Amadeus Mozart, und dies ist der Hörführer zu meinem Rondo Alla Turca. Du lernst, den Wechsel zwischen der flinken Melodie in a-Moll und dem lauten Marsch in A-Dur so zu verfolgen, dass du jederzeit weißt, wo im Stück du gerade bist. Ob du ein Stück schon beim Hören erkennst, kannst du im Trainer ausprobieren , denn genau das bringen dir meine Kollegen und ich hier auf der Seite bei.
---
Ein Klavier, das mehr sein will als ein Klavier
Hör beim Rondo Alla Turca nicht nur auf ein Klavier, sondern auf eine ganze Kapelle, die ich mit zehn Fingern spielen lasse. Die linke Hand übernimmt die Trommeln und das Gepolter im Hintergrund, die rechte singt die Melodie und blitzt hier und da wie ein Becken oder eine Schelle auf. Achte darauf, wie gleichmäßig der Takt bleibt, denn ein Marsch will, dass man mitgehen kann, ohne zu stolpern. Wenn du beim ersten Hören nur den Schritt und die Melodie verfolgst, hast du schon das Wichtigste verstanden.Warum ein Wiener plötzlich türkisch spricht
Alla turca heißt auf Deutsch so viel wie nach türkischer Art, und genau das wollte ich mit dem Titel sagen. Gemeint ist die Musik der Janitscharen, jener Soldaten, die mit Trommeln, Becken, Trompeten und Glöckchen marschierten und die man in Wien noch gut im Gedächtnis hatte, seit die Stadt 1683 beinahe von den Osmanen erobert worden war. Echte türkische Musik ist mein Stück aber nicht, ich habe den Klang nach europäischem Geschmack zurechtgemacht, und schon in meiner Oper Die Entführung aus dem Serail hatte ich dasselbe getan. Man könnte sagen, ich habe den Klang aus dem Reisekatalog genommen und nicht aus dem Reisetagebuch.Ein Rondo mit eigenen Regeln
Bei der Form habe ich mir die Freiheit genommen, ein Rondo zu bauen, das es mit den Regeln nicht allzu genau nimmt. Die Abfolge lautet A-B-C-B-A-B, dazu kommt am Ende noch eine Coda, also ein kleiner Anhang, der den Schlusspunkt setzt. Ein richtiges Rondo kehrt immer wieder zu seinem Refrain zurück, und das ist hier der marschierende Teil B, den du bald wie einen alten Bekannten begrüßen wirst. Ich führe dich nun Abschnitt für Abschnitt durch das Stück, damit du genau weißt, wo wir gerade sind.Abschnitt 1: Der Auftakt mit den flinken Fingern
Der Teil A steht in a-Moll, und seine Melodie besteht aus lauter schnellen Sechzehnteln, die leise und beweglich dahinhuschen. Die Spielanweisung lautet Allegretto, das ist also zügig, aber nicht hastig, und die Stimmung bleibt ein wenig geheimnisvoll. Die Moll-Tonart gibt dem Anfang etwas Gespanntes, als käme die Kapelle noch aus der Ferne näher. Genau dieses Gefühl der Erwartung brauche ich, damit der nächste Abschnitt richtig wirken kann.Abschnitt 2: Jetzt wird marschiert
Dann wechsle ich nach A-Dur, und der Refrain B setzt ein, laut und kräftig und in Oktaven gespielt. Plötzlich ist aus dem Huschen ein Schreiten geworden, und die Stimmung hellt sich spürbar auf. Hier klingt das Klavier am meisten nach Blech und Trommel, weil beide Hände mit vollem Gewicht auftreten. Diesen Teil wirst du nach einmaligem Hören mitsummen können, und das ist von mir ausdrücklich so gewollt.Abschnitt 3: Ein Ausflug in eine andere Tonart
Im Teil C führe ich die Musik nach fis-Moll, und damit bekommt das Stück einen ganz anderen Farbton. Der gerade noch so stolze Marsch wird nachdenklicher und lässt die Strahlkraft des Refrains für eine Weile hinter sich. Das ist der Moment, in dem ich dir zeigen möchte, dass auch eine Militärkapelle ihre stilleren Augenblicke hat. Gerade weil dieser Teil so anders klingt, freust du dich anschließend umso mehr auf die Rückkehr des Bekannten.Abschnitt 4: Alte Bekannte kommen zurück
Nun kehrt der Refrain B in A-Dur zurück, und ich hoffe, du erkennst ihn sofort. Danach lasse ich die flinke Melodie aus Teil A in a-Moll noch einmal auftreten, als wolle sie sich vor dem Schluss ein letztes Mal zeigen. Zum Abschluss dieser Runde marschiert der Refrain ein weiteres Mal an, und die Wiederholung gibt dem Ganzen Halt, so wie ein Kehrreim in einem Lied. Wer bis hierher mitgezählt hat, merkt, dass sich die Abschnitte wie Perlen auf einer Schnur aneinanderreihen.Abschnitt 5: Der Schlussakkord lässt grüßen
Die Coda ist der Anhang, mit dem ich das Stück zum Ende bringe. Sie knüpft an das an, was du schon gehört hast, und führt es entschlossen auf den Schluss zu. Damit endet nicht nur dieses Rondo, sondern auch meine Sonate in A-Dur, denn der Satz ist ja das Finale des Ganzen. Und ehe man sich versieht, steht man wieder mitten im Alltag, wahrscheinlich mit einem Marsch im Kopf.Jetzt bist du dran
Nun lade ich dich ein, das Rondo Alla Turca selbst zu erleben. Drück auf Wiedergabe und lass dich einfach von der Musik mitnehmen. Vielleicht denkst du beim Hören an das, was wir besprochen haben, an die Trommeln im Klavier, an die Wiederkehr des Refrains und an den Ausflug nach fis-Moll. Ich wünsche dir, dass du diese Reise durch mein Stück mit ebenso viel Freude erlebst, wie ich sie beim Komponieren hatte.---
Nun sind wir am Ende dieses Hörführers angekommen, und ich hoffe, du gehst mit etwas anderen Ohren aus ihm hinaus, als du hineingekommen bist. Das Rondo Alla Turca dauert nur wenige Minuten, aber wenn man genauer hinhört, steckt in ihm eine ganze Kapelle, die ich auf dem Klavier versammelt habe. Ich finde es schön, dass ein so kleiner Marsch am Ende einer Sonate so viele Menschen begleitet hat. Hat dir dieser Hörführer zum Rondo Alla Turca gefallen? Vielleicht hörst du den Marsch beim nächsten Mal ganz anders, weil du nun weißt, worauf du achten kannst. Es gibt noch vieles mehr, das sich an diesem Stück entdecken lässt. Du kannst zum Beispiel erkunden, wie die ganze Sonate klingt, zu der der Marsch gehört, oder wie unterschiedlich verschiedene Pianistinnen und Pianisten ihn spielen. Klick dafür gern auf die Links, die ich dir hier bereitgelegt habe, und folge dem Marsch noch ein Stück weiter. Ich wünsche dir viel Freude dabei.
