Kaiserwetter bei Beethovens Piano Concerto No 5
Die Hintergründe

Piano Concerto No. 5 in E-flat major, Op. 73

Beethoven erzählt die Hintergründe zu Piano Concerto No 5
Ich bin Ludwig van Beethoven, und das hier ist die Vorgeschichte meines Piano Concerto No 5. Du erfährst, wie mir 1808 ein Posten in Cassel angeboten wurde und warum ich am Ende doch in Wien blieb und dieses Konzert dort schreiben konnte. Auf dieser Seite bringen dir meine Komponistenkollegen und ich bei, unsere Stücke schon beim Hören zu erkennen, also  probier es im Trainer aus .
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Ein Konzert unter Kanonendonner

Ich habe mein Klavierkonzert 1809 in Wien geschrieben, und das war für die Stadt alles andere als ein ruhiges Jahr. Napoleons Armeen belagerten Wien, und an gemütliches Komponieren am Schreibtisch war eigentlich nicht zu denken. Trotzdem klingt das Stück kein bisschen verängstigt, sondern stolz und selbstbewusst. Von dem Lärm draußen hörst du in der Musik jedenfalls nichts, nur eine Menge Haltung.

Kissen auf den Ohren

Im Mai 1809 wurde Wien beschossen, und ich soll mich damals im Keller meines Bruders verkrochen haben. So erzählt man es sich zumindest, denn ganz sicher belegt ist die Geschichte nicht. Angeblich saß ich dort mit Kissen über den Ohren, was bei einem Mann, dessen Gehör ohnehin nachließ, eine traurige Pointe hat. Ein Komponist mit Kissen auf dem Kopf gehört wohl zu den ungewöhnlicheren Anblicken dieser Belagerung.

Ein Angebot aus Cassel

Schon 1808 hatte mir Jérôme Bonaparte die Stelle des Kapellmeisters in Cassel angeboten. Das hätte bedeutet, Wien zu verlassen, und genau das wollten einige meiner Gönner verhindern. Erzherzog Rudolf, Fürst Kinsky und Fürst Lobkowitz sagten mir deshalb eine jährliche Pension von 4.000 Gulden zu. Man könnte also sagen, dass ich fürs Bleiben bezahlt wurde, und mein Klavierkonzert gehört zu den Früchten dieser Entscheidung.

Wenn das Geld ausbleibt

Leider erwies sich die versprochene Pension später als ziemlich wackelig. Lobkowitz ging 1811 bankrott, und Kinsky starb 1812. Ich musste schließlich klagen, um zu meinem Geld zu kommen, und bekam es erst 1815. Ein Versprechen auf Papier ist eben nur so gut wie der Geldbeutel, der dahintersteht.

Ein Dankeschön in Noten

Gewidmet habe ich das Konzert Erzherzog Rudolf, der zugleich mein Gönner, mein Freund und mein Schüler war. Er gehörte außerdem zu den Männern, die mir die Pension zugesagt hatten. Ich bedankte mich also auf die Art, die ich am besten beherrsche, nämlich mit Musik. Andere schicken Blumen, ich schicke fast vierzig Minuten Klavier und Orchester.

Ein Titel, den ich nie wollte

Den Beinamen „Emperor“ habe ich meinem Konzert nicht gegeben, und wer ihn erfunden hat, ist bis heute umstritten. Manche nennen den Verleger Johann Baptist Cramer, andere den Briten George Grove im Jahr 1879. Mit Napoleon oder irgendeinem anderen Kaiser hat das Stück nichts zu tun, und Donald Francis Tovey fand den Namen sogar vulgär. Die hübsche Geschichte von dem französischen Offizier, der in Wien „C'est l'Empereur!“ gerufen haben soll, ist nicht belegt und wohl eher erfunden.

Der Komponist bleibt zu Hause

Die erste Aufführung fand am 28. November 1811 in Leipzig statt, und gespielt hat sie nicht ich, sondern Friedrich Schneider. Mein Gehör war so schlecht geworden, dass ich das Klavier nicht mehr selbst übernehmen konnte. Die erste Aufführung in Wien folgte am 12. Februar 1812, und dort saß mein Schüler Carl Czerny am Flügel. Wer sein eigenes Konzert anderen überlassen muss, lernt auf die harte Tour, wie viel Vertrauen zum Komponieren gehört.

Drei Gänge für einen Abend

Ein Konzert ist in Sätze eingeteilt, und die kannst du dir wie die Gänge eines Menüs vorstellen: Jeder hat seinen eigenen Charakter, aber alle gehören zu einem Abend. Der erste Satz, das Allegro, ist heldenhaft und fast militärisch und länger als der Anfang jedes meiner früheren Konzerte. Der zweite, das Adagio un poco mosso, ist ein nächtliches, ruhiges Stück zum Durchatmen, das ohne Pause in den dritten übergeht. Dieser dritte Satz, das Rondo, kehrt immer wieder zu seinem Hauptthema zurück, unterbrochen von anderen Gedanken, bis alles seinen Abschluss findet.

Das Solo schreibe ich selbst

In einem Konzert gibt es eine Stelle, die Kadenz heißt, und dort durfte der Solist früher frei drauflosspielen. Ich habe sie in diesem Konzert ausgeschrieben und nichts dem Zufall überlassen. Die Kritiken der Zeit lobten die Originalität und die Schönheit des Werks, bemängelten aber seine Länge. Einer fand die Abschweifungen für Laien schwer zu verfolgen, und wer je einem Freund zugehört hat, der vom Hundertsten ins Tausendste kommt, versteht den Einwand.

Vom Konzertsaal in die Welt

Franz Liszt setzte sich für das Werk ein und spielte es sein ganzes Leben lang. Auch Mendelssohn brachte es 1829 in England zu Gehör. Die erste vollständige Aufnahme machte 1922 Frederic Lamond, und dass man mein Konzert einmal festhalten und beliebig oft hören könnte, hätte ich mir nie vorgestellt. Bis 2021 war es mit 215 Aufführungen das meistgespielte Klavierkonzert in der Carnegie Hall, offenbar kann man es dort nicht oft genug hören.
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Ich hoffe, du hattest Freude daran, die Geschichte hinter meinem Piano Concerto No 5 kennenzulernen. Wenn ich heute zurückschaue, wundert es mich selbst ein wenig, dass ein Stück, das in so unruhigen Zeiten in Wien entstanden ist, so viel Ruhe und Zuversicht ausstrahlt. Vielleicht hörst du es jetzt mit anderen Ohren, wenn der Klavierspieler dem Orchester ins Wort fällt oder der zweite Satz langsam in die Nacht hineinträumt. Ich habe das Klavierkonzert übrigens meinem Gönner, Freund und Schüler Erzherzog Rudolf gewidmet, und ich finde, man hört in der Musik auch ein wenig von dieser Verbundenheit. Den Beinamen „Emperor“ habe ich dem Stück allerdings nie gegeben, und er hat mit Napoleon nichts zu tun. Zu diesem Konzert gibt es noch viel mehr zu entdecken, zum Beispiel, wie es nach meiner Zeit seinen Weg in die Konzertsäle der Welt gefunden hat. Klick dich gern durch die Links, die du hier findest, und geh weiter auf Entdeckungsreise durch mein Piano Concerto No 5. Ich bin gespannt, welcher Moment dir beim nächsten Hören zuerst auffällt.