Auf den letzten Drücker mit Beethovens Violin Concerto in D Major
Die Hintergründe

Violin Concerto in D major, Op. 61

Beethoven erzählt die Hintergründe zu Violin Concerto in D Major
Ich bin Ludwig van Beethoven, und das hier ist die Vorgeschichte zu meinem Violin Concerto in D Major. Du erfährst, warum die erste Aufführung kühl aufgenommen wurde und wie das Konzert erst 1844 durch den jungen Joseph Joachim in London doch noch seinen Platz im Repertoire fand. Auf dieser Seite zeige ich dir zusammen mit meinen Kollegen, wie du unsere Stücke erkennst, sobald sie erklingen, und das kannst du gleich  im Trainer ausprobieren .
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Ein Konzert mit Hintergedanken

Ich habe das Konzert 1806 für den Geiger Franz Clement geschrieben, der damals als erster Geiger am Theater an der Wien spielte. Er war erst 26 Jahre alt und leitete dort das Orchester von seinem Geigenplatz aus. Auf die Handschrift habe ich ein kleines Wortspiel mit seinem Namen gesetzt: "Concerto par Clemenza pour Clement". Clemenza bedeutet Nachsicht, und ein wenig davon hat er bei dem, was auf ihn zukam, tatsächlich gebraucht.

Zwei Tage zum Üben

Clement bekam die fertigen Noten erst kurz vor der Uraufführung am 23. Dezember 1806 im Theater an der Wien. Für den Solopart blieben ihm etwa zwei Tage, als bekäme man am Mittwoch ein dickes Buch in die Hand und müsste es am Freitag vor Publikum vorlesen. Er hat sich trotzdem darauf eingelassen. Das sagt einiges über seinen Mut und über sein Können.

Vom Blatt gespielt?

Man erzählt sich, Clement habe Teile des Solos bei der Uraufführung direkt vom Blatt gespielt. Belegt ist das nicht, es wird nur vermutet. Die Geschichte, die Tinte sei dabei noch nass gewesen, ist wahrscheinlich eine spätere Ausschmückung. Sicher ist nur, dass es sehr knapp zuging.

Mein Notenpapier sieht aus wie eine Baustelle

Meine Handschrift der Partitur ist voller Streichungen, Korrekturen und alternativer Fassungen, ich habe sie ganz offensichtlich in großer Eile geschrieben. Heute liegt sie in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien. Vom Solopart gibt es sogar zwei Fassungen in meiner Hand, und beide unterscheiden sich von dem, was später gedruckt wurde. Welche Version ich am Ende am liebsten gehabt hätte, darüber streiten sich die Fachleute bis heute.

Die Kritik war nicht begeistert

Die erste Aufführung kam beim Publikum und bei den Kritikern nicht gut an. Einer schrieb, ich könnte meine zweifellos großen Talente besser nutzen. Er sprach mir also nicht die Begabung ab, er wollte sie nur woanders sehen. Das Konzert verschwand danach für lange Zeit weitgehend aus den Konzertsälen.

Ein Junge holt es zurück

Bis in die 1840er Jahre blieb das Konzert vernachlässigt. Dann spielte es 1844 in London der sehr junge Joseph Joachim mit der Philharmonic Society, am Pult stand Felix Mendelssohn. Die Noten waren die ganze Zeit in Wien erhalten geblieben, es fehlte nur jemand, der sie wirklich zum Klingen brachte. Seit diesem Abend gehört das Stück fest zum Repertoire der Geiger.

Drei Gänge für die Ohren

Ein Konzert ist in Sätze gegliedert, das sind große Abschnitte, ähnlich wie die Gänge eines Menüs. Der erste Satz, Allegro ma non troppo, ist für ein Konzert seiner Zeit ungewöhnlich lang und eher ein Hauptgericht als eine Vorspeise. Das Larghetto danach lässt die Geige ruhig und verziert über einem sanften Thema schweben, so wie man nach dem Essen in Ruhe nachschmeckt. Das abschließende Rondo, ein Allegro, bringt sein munteres Hauptthema immer wieder zurück, und am Ende steht eine ausgesprochen fröhliche Stimmung.

Eine leere Bühne für den Solisten

Eine Kadenz ist eine Stelle, an der das Orchester schweigt und der Solist ganz allein zeigen darf, was er kann. Für die Violinfassung habe ich keine einzige geschrieben. Deshalb denken sich Geiger eigene aus oder greifen zu den bekannten von Joseph Joachim und Fritz Kreisler. Jede Aufführung klingt an dieser Stelle dadurch ein bisschen anders.

Das Konzert für Klavier

Auf Bitten von Muzio Clementi habe ich das Konzert selbst für Klavier und Orchester umgearbeitet, es trägt die Nummer Op. 61a. In dieser Fassung habe ich für den ersten Satz eine lange Kadenz geschrieben. Darin mischt sich die Pauke kurz zum Klavier, und das klingt wie ein zweiter Solist, der nur einen Satz sagen will. Für die Geige gibt es von mir keine solche Kadenz, und so ist diese Fassung die einzige, in der ich selbst das Wort ergreife.

Fanfaren und gezupfte Töne

Das Orchester besteht aus Flöte, je zwei Oboen, Klarinetten, Fagotten, Hörnern und Trompeten, dazu Pauken und Streicher, aber keine Posaunen. Das Hauptthema des Finales klingt wie ein Jagdhornruf, und zwischendurch schmettern kleine Fanfaren dazwischen. Die Solovioline bekommt dort rasche Läufe, Doppelgriffe und ein Paar gezupfter Töne, mit denen sie dem Orchester freundlich antwortet. Das alles klingt so heiter, dass man dem Stück die hektische Entstehung kaum noch anhört.
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Ich hoffe, die Geschichte hinter meinem Violin Concerto in D Major hat dir gefallen. Hast du Lust bekommen, noch tiefer in dieses Stück einzutauchen? Am Ende ist aus einem Werk, das in großer Eile entstand und zunächst kühl aufgenommen wurde, eines der beliebtesten Konzerte für die Violine geworden. Das tröstet mich, wenn ich daran denke, wie wenig man damals mit diesem Konzert anfangen konnte. Es gibt noch vieles an diesem Konzert zu entdecken, zum Beispiel, wie es nach Jahrzehnten der Vergessenheit durch den jungen Joseph Joachim wieder zum Leben erwachte. Auch die Kadenzen, die andere Geiger für mein Konzert geschrieben haben, erzählen eine eigene Geschichte. Wenn du neugierig geworden bist, klick einfach auf die Links hier in der Nähe und hör dich weiter durch das Stück. Vielleicht entdeckst du dabei beim nächsten Mal die fünf leisen Paukenschläge ganz neu.