Säbelrasseln bei Khachaturians Gayane
Die schönsten Momente
Gayane, ballet in four acts (1942)

Ich bin Aram Khachaturian, und hier erlebst du die schönsten Momente aus meinem Ballett Gayane. Du hörst die Tänze, die ich 1943 selbst zu Orchestersuiten zusammengestellt habe, denn das ganze Ballett hatte nur mäßigen Erfolg, aber gerade diese Stücke sind überall beliebt geworden. Auf dieser Seite bringen dir meine Komponistenkollegen und ich bei, unsere Stücke beim Hören zu erkennen, und wenn du Lust hast, probier es im Trainer aus .
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Eile mit Weile? Nicht bei mir
Wenn ich jemandem den Anfang vom Sabre Dance erkläre, sage ich immer: Stell dir vor, du hast die letzte Straßenbahn verpasst und rennst trotzdem hinterher, und zwar im Presto, also so schnell wie möglich. Das Xylophon und die Perkussion hetzen los, als gäbe es kein Morgen, während das Saxophon darüber eine schlängelnde Melodie legt, die ein bisschen lauernd klingt.
Blumen mit guten Manieren
Beim Anfang vom Dance of the Rose Maidens gönne ich meinem Freund erst einmal eine Verschnaufpause, denn nach dem Sabre Dance darf er endlich wieder durchatmen. Der Tanz gehört zu den sanfteren Stücken aus den Suiten, er klingt keck und leichtfüßig, so als würden die Mädchen auf Zehenspitzen durch einen Garten laufen und dabei heimlich kichern.
Säbel raus, Schuhe fest zugebunden
Zur Lezginka erzähle ich gern, dass ich dafür einen echten Volkstanz aus dem Nordkaukasus genommen habe, den ich 1942 für Gayane bearbeitet habe. Er steht in einem flotten 6/8-Takt und wird traditionell oft als Männersolo mit Säbel getanzt, deshalb stampft und wirbelt die Musik von der ersten Sekunde an, als müsste jemand das Parkett auf Haltbarkeit prüfen.
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Wenn ich auf diese Auswahl zurückschaue, merke ich, wie weit der Weg von der wilden Hetzjagd des Sabre Dance bis zu den leichten Schritten der Rose Maidens reicht. Genau diese Gegensätze liebe ich an Gayane: Ein Stück kann mitreißen und im nächsten Moment ganz zart werden. Dabei war die Musik nie als Konzertereignis allein gedacht, sondern für die Bühne, und sie wurde im Dezember 1942 in Perm uraufgeführt, mitten im Krieg, als das Kirov-Ballett dorthin ausgewichen war. Hat dir dieser Streifzug durch die schönsten Momente von Gayane genauso gut gefallen wie mir beim Erzählen? Ich hoffe, du hast beim Lesen die eine oder andere Stelle entdeckt, die du gleich noch einmal hören möchtest. Dabei haben wir längst nicht alles gesehen, was in diesem Ballett steckt. Das Adagio, das nur für Streicher geschrieben ist, klingt ganz anders als die lauten Tänze und taucht sogar in Stanley Kubricks Film 2001: A Space Odyssey auf. Auch die Geschichte auf der Kolchose, von der Baumwollernte bis zur großen Hochzeit am Ende, erzählt noch einiges, was die Suiten nur andeuten. Und über den Sabre Dance habe ich selbst einmal gesagt, er sei ein ungezogenes, lautes Kind in meiner musikalischen Familie, und ich hätte ihn vielleicht gar nicht geschrieben, wenn ich geahnt hätte, wie berühmt er wird. Wenn du neugierig geworden bist, dann klick einfach auf die Links, die ich dir dazugelegt habe. Dort findest du weitere Aufnahmen und Hintergründe, mit denen du Gayane in aller Ruhe weiter erkunden kannst.
