Glockenläuten und Fingerakrobatik bei Liszts La campanella
Die schönsten Momente
Grandes études de Paganini, S. 141: No. 3 in G-sharp minor

Willkommen, ich bin Franz Liszt, und ich habe hier für dich die schönsten Momente aus meinem Klavierstück La campanella zusammengestellt. Du hörst gleich selbst, wie ich einen einzigen feinen Glockenton von den höchsten Tasten aus durch ein ganzes Feuerwerk auf dem Klavier tanzen lasse. Falls du unsere Werke beim nächsten Hören sofort wiedererkennen möchtest, zeigen meine Komponistenkollegen und ich dir das hier auf der Seite – starte einfach unseren Trainer .
---
Wenn das Glöckchen zum Dienst ruft
Ich lasse La campanella ganz vorsichtig im Allegretto beginnen, während die rechte Hand immer wieder bis zu zwei Oktaven weit nach oben springt, um dieses eine helle Glöckchen anzuschlagen, das ich mir von Niccolò Paganini geborgt habe. Wer mir dabei auf die Finger schaut, denkt wahrscheinlich eher an jemanden, der im Halbdunkeln nach einem hartnäckigen Floh schnappt, als an einen ernsthaften Pianisten am Klavier.
Gymnastik für den kleinen Finger
Im Mittelteil schicke ich dieses schlichte Thema dann durch eine Reihe von Variationen, bei denen dieselben Töne blitzschnell hintereinander wiederholt werden und sogar der vierte und fünfte Finger unentwegt trillern müssen. Die beiden schwächsten Finger der Hand müssen da plötzlich schuften wie zwei winzige Uhrmacher auf der Flucht, während die Melodie trotzdem ganz leicht und verspielt klingen soll.
Ein versöhnlicher Schlussspurt
Ich treibe das Tempo und die Sprünge zum Schluss in einer schwungvollen Coda noch einmal ordentlich auf die Spitze, damit aus dem braven Klingeln vom Anfang ein ganzes Feuerwerk auf den Tasten wird. Als ich diese Fassung 1851 in Weimar fertigstellte, habe ich sie im Vergleich zu meinem fast unspielbaren Entwurf von 1838 zwar etwas entschärft, aber am Ende hat der Pianist seinen Feierabend trotzdem redlich verdient.
---
Hat es dir Freude gemacht, gemeinsam mit mir in die schönsten Momente von La campanella hineinzuhören? Hinter diesem Werk steckt aber noch so manches mehr als nur flinke Finger am Klavier, etwa wie ein Abend in Paris im Jahr 1832 mich überhaupt erst auf diese Melodie brachte und warum ich fast zwanzig Jahre später in Weimar noch einmal gründlich den Rotstift angesetzt habe. Wenn du Lust hast, klick dich einfach durch die Links hier auf der Seite und entdecke die ganze Geschichte rund um La campanella.
Aufnahme: Greiss, Public domain
