Königliche Bootsfahrt auf der Themse mit Handels Water Music
Hornpipe

Water Music, HWV 348–350

Händel präsentiert einen Hörführer zu Hornpipe aus Water Music
Schön, Sie hier zu sehen, ich bin Handel und nehme Sie heute mit in den schwungvollen Satz Hornpipe aus meiner Water Music. Dabei hören Sie gleich, wie die Streicher ein munteres englisches Tanzthema anstimmen und die Blechbläser ihnen mit kräftigen Fanfaren antworten, was sofort für festliche Stimmung sorgt. Falls Sie unsere Musik künftig schon nach wenigen Takten erkennen wollen, lade ich Sie im Namen meiner Komponistenkollegen und mir herzlich dazu ein:  Versuchen Sie sich am Trainer .
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Ein festliches Ruf-und-Antwort-Spiel an Deck

Wenn Sie gleich in meine Hornpipe aus der Water Music hineinhören, achten Sie besonders darauf, wie sich die verschiedenen Instrumentengruppen munter die Bälle zuspielen. Zuerst stellen Ihnen die Streicher zusammen mit den Holzbläsern ein schwungvolles Thema vor, bevor meine Blechbläser mit kräftigen Fanfaren darauf antworten. Das klingt fast so, als würden sich zwei gut gelaunte Gesellschaften von einem Boot zum anderen freundlich zurufen. Für meinen berühmten Satz Alla Hornpipe in D-Dur sorgen dabei strahlende Trompeten für den festlichen Glanz, während in der verwandten Hornpipe in F-Dur die Hörner diese klangvolle Aufgabe übernehmen.

Englischer Tanzschwung auf königlichen Planken

Den Namen Hornpipe habe ich gewählt, weil ich mich hier von dem gleichnamigen, überaus lebendigen englischen Tanz habe inspirieren lassen. Obwohl auf dem Boot im Jahr 1717 bestimmt kaum Platz für große Tanzsprünge war, bringt dieser Dreiertakt sofort eine ansteckende Bewegung in die Musik. Typisch für eine solche Hornpipe sind die flinken Läufe und die kleinen rhythmischen Verschiebungen am Ende der musikalischen Phrasen, die dem Ganzen einen herrlich kecken Schwung geben. In meiner Water Music war mir diese Idee sogar so lieb, dass ich gleich zwei eng verwandte Sätze dieser Art geschrieben habe.

Ein musikalisches Sandwich in drei Teilen

Bei der Form für meine Hornpipe habe ich mich gegen eine Sonate oder ein Rondo entschieden und stattdessen eine dreiteilige Da-capo-Form gewählt. Man kann sich diesen Aufbau vorstellen wie einen abendlichen Spaziergang, bei dem man von einem lebhaften Marktplatz kurz in eine ruhige Seitenstraße abbiegt und am Ende wieder ins bunte Treiben zurückkehrt. Ich gliedere das Stück also in drei klare Abschnitte, bei denen der dritte Teil einfach die komplette Wiederholung des ersten ist. Schauen wir uns nun gemeinsam der Reihe nach an, was in diesen drei Teilen musikalisch alles passiert.

Abschnitt 1: Wenn das Blech das letzte Wort haben will

Im ersten Abschnitt legen die Streicher sofort im flotten Dreiertakt los und präsentieren das gut gelaunte Hauptthema in strahlendem Dur. Kaum haben sie ihren Gedanken ausgesprochen, schalten sich die Blechbläser ein und wiederholen die Melodie mit so viel stolzer Kraft, dass man sie über die gesamte Breite des Flusses hört. Dieses wechselvolle Hin und Her zwischen den sanfteren Streichern und dem kräftigen Blech treibt die Musik voller Energie voran. Gegen Ende des Abschnitts spielen dann alle gemeinsam und schließen diesen ersten Teil mit jenen leicht verschobenen Rhythmen ab, die für diesen Tanz so typisch sind.

Abschnitt 2: Kurze Verschnaufpause für die Bläserbacken

Im zweiten Abschnitt schicke ich meine Blechbläser in eine wohlverdiente Pause, damit nur noch die Streicher und die Holzbläser das Wort führen. Gleichzeitig wechsle ich in die parallele Moll-Tonart, was der Musik sofort eine etwas sanftere, fast schon nachdenkliche Färbung verleiht. Die flinken, laufenden Figuren in den Melodien bleiben zwar erhalten, wirken in dieser leichteren Besetzung aber viel zarter als zuvor. So entsteht ein reizvoller Kontrast zum prachtvollen Beginn, als wäre das Boot für einen Moment in einen stilleren, schattigen Flussarm eingebogen.

Abschnitt 3: Alle Mann zurück an Deck

Für den dritten Abschnitt schreibe ich in den Noten ein sogenanntes Da capo vor, was meine Musiker einfach anweist, noch einmal ganz von vorn zu beginnen. Nach dem leiseren Mittelteil in Moll wirkt die Rückkehr zur hellen Ausgangstonart und zum vollen Orchesterklang gleich doppelt so festlich. Die Streicher und die frisch ausgeruhten Blechbläser werfen sich nun wieder mit voller Begeisterung ihre musikalischen Fanfaren zu. Damit schließt sich der Kreis, und der Satz endet genauso schwungvoll und ausgelassen, wie er begonnen hat.

Jetzt sind Ihre Ohren an der Reihe

Nun lade ich Sie herzlich dazu ein, meine Hornpipe selbst anzuhören. Drücken Sie einfach auf den Startknopf und lassen Sie sich von den festlichen Klängen mitreißen. Vielleicht achten Sie beim Zuhören ja ein wenig auf das Wechselspiel der Instrumente und den sanfteren Mittelteil, über den wir gerade gesprochen haben. Ich wünsche Ihnen bei dieser musikalischen Reise genauso viel Vergnügen, wie ich es damals beim Komponieren hatte!
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