Frühlingserwachen mit Vivaldis Spring (Four Seasons)
III. Allegro pastorale

Le quattro stagioni, Op. 8: Concerto No. 1 in E major, RV 269 ("La primavera")

Vivaldi präsentiert einen Hörführer zu III. Allegro pastorale aus Spring (Four Seasons)
Ich bin Antonio Vivaldi, und jetzt erkläre ich dir den dritten Satz meines Frühlings, das Allegro pastorale. Du hörst, wie die tiefen Streicher einen langen Ton halten wie der Dudelsack der Hirten, und darüber tanzen Nymphen und Schäfer unter dem Frühlingshimmel. Ob du solche Stücke beim Hören auch erkennst, kannst du gleich  im Trainer ausprobieren , denn dafür bringen dir meine Kollegen und ich auf dieser Seite bei, sie wiederzuerkennen.
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Ein Dudelsack ohne Dudelsack

Für das III. Allegro pastorale brauchst du kein Vorwissen, nur ein bisschen Lust, mit dem Fuß zu wippen. Hör zuerst auf die tiefen Instrumente, also Bratschen, Celli und Bässe, denn sie halten einen langen, brummenden Ton, der wie ein Dudelsack unter allem liegt. Darüber tanzen die Geigen ihre Melodie, und die Solovioline löst sich immer wieder aus der Gruppe, als wollte sie den anderen den Tanz vormachen. Das Continuo im Hintergrund hält den Schritt zusammen, und wenn du dich einmal verlierst, such einfach das brummende Fundament, dann hast du wieder Boden unter den Füßen.

Warum hier nicht gegrübelt, sondern getanzt wird

Mit dem Titel Allegro pastorale sage ich dir gleich zu Beginn, dass es hier lebhaft und ländlich zugeht, und zwar im Takt eines Hirtentanzes. Zu diesem Satz gehört nämlich ein Sonett, in dem Nymphen und Schäfer unter dem strahlenden Frühlingshimmel tanzen, angeführt vom Klang ländlicher Dudelsäcke. Genau dieses Bild wollte ich in Musik fassen, und deshalb brummt es unten wie ein Dudelsack, während oben die Geigen hüpfen. Nach dem stillen Schlaf des Hirten im zweiten Satz ist das auch die passende Antwort: Jetzt sind alle wieder wach und haben Lust auf Bewegung.

Kein Lehrbuch, aber eine feine Ordnung

Bei der Form habe ich mir nicht lange den Kopf zerbrochen, denn ein Tanz folgt seinem eigenen Gesetz. Am ehesten gleicht der Satz einem Reigen: Die Tanzmelodie kommt immer wieder zurück, und dazwischen unternimmt die Musik kleine Ausflüge. Ich höre darin vier Abschnitte, die ineinander übergehen und alle im Rahmen von E-Dur bleiben, der Tonart des ganzen Satzes. Im Folgenden gehe ich sie einzeln durch, und du wirst merken, dass sich aus ihnen eine kleine Geschichte ergibt.

Abschnitt 1: Der Dudelsack stimmt sich ein

Der Satz beginnt mit dem brummenden Dauerton in den tiefen Streichern, und darüber setzt sofort die schwingende Tanzmelodie ein. Das Tempo ist ein munteres Allegro, aber es hetzt nicht, sondern bewegt sich so, wie Menschen tanzen, die den ganzen Nachmittag Zeit haben. Die Stimmung ist offen und hell, E-Dur fühlt sich hier an wie ein sonniger Dorfplatz. Präge dir diese Melodie gut ein, denn sie ist dein Wegweiser durch den ganzen Satz.

Abschnitt 2: Die Solovioline tritt in den Kreis

Nun löst sich die Solovioline aus dem Orchester und spielt ihre eigene, beweglichere Version des Tanzes. Die Musik wirkt dabei, als gehe sie ein Stück spazieren, ohne den Weg zurück zu vergessen. Das Orchester tritt kurz in den Hintergrund und lässt der Solistin Raum, bleibt aber mit seinem Brummen und seinem Schritt immer in Hörweite. Hier erlebst du am deutlichsten, wie ein einzelner Tänzer die Gruppe herausfordert, ohne sie zu verlassen.

Abschnitt 3: Alle wieder zusammen

Dann kehrt die Tanzmelodie zurück, und diesmal spielt das ganze Orchester sie mit, was sofort kräftiger und runder klingt. Du erkennst sie wieder, auch wenn sie sich ein wenig anders anfühlt, und genau dieses Wiedererkennen ist das Vergnügen an einem Reigen. Der Schwung steigt, und aus dem gemütlichen Nachmittag wird ein ausgelassenes Fest. Achte darauf, wie das Brummen der tiefen Streicher dabei nie ganz verschwindet und wie ein Anker alles am Boden hält.

Abschnitt 4: Der letzte Tanz vor dem Heimweg

Im letzten Abschnitt kommt der Tanz noch einmal in voller Besetzung, und die Solovioline funkelt darüber. Das Tempo bleibt lebhaft, die Stimmung wird eher strahlender als stiller, und der Satz endet in E-Dur, also in der Tonart, in der er begonnen hat. So schließt sich der Kreis: Wir sind dort angekommen, wo wir angefangen haben, nur ein bisschen fröhlicher. Damit endet mein Frühling nicht mit einem Gewitter und nicht mit einem Schlaf, sondern mit einem Fest unter freiem Himmel.

Jetzt bist du dran

Jetzt lade ich dich ein, das III. Allegro pastorale selbst zu erleben. Drück auf Play, lehn dich zurück und lass dich von der Musik mitnehmen. Vielleicht denkst du beim Hören an den brummenden Dudelsack unten, an die Solovioline im Reigen und an die Tanzmelodie, die immer wiederkehrt. Ich hoffe, dass dich diese Reise durch meinen Satz genauso begeistert, wie sie mich beim Schreiben begeistert hat.
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Das war der dritte Satz meines Frühlings, das Allegro pastorale, und damit schließt sich der Kreis, den ich im ersten Satz mit dem Vogelgesang begonnen habe. Hat dir dieser Hörführer zum III. Allegro pastorale aus dem Frühling (Vier Jahreszeiten) gefallen? Wenn du jetzt an den Dudelsack denkst, der unter dem Tanz der Nymphen und Hirten summt, und beim nächsten Hören den langen Ton in den tiefen Streichern wiedererkennst, dann hat sich das Zuhören schon gelohnt. Ich hoffe, du nimmst ein wenig von dieser Freude mit in deinen Tag, vielleicht sogar das nächste Mal, wenn draußen der Frühling anklopft. Mein Frühling hat aber noch viel mehr zu bieten, als in diesem Hörführer Platz hatte. Es gibt noch einiges zu entdecken, zum Beispiel wie die Sonette und die Musik zusammengehören oder wie die anderen drei Jahreszeiten klingen. Klick dich gern durch die Links, die ich dir hier bereitgelegt habe, und entdecke weiter, was in meinem Frühling steckt.