Frühlingserwachen mit Vivaldis Spring (Four Seasons)
I. Allegro
Le quattro stagioni, Op. 8: Concerto No. 1 in E major, RV 269 ("La primavera")

Ich bin Antonio Vivaldi, und jetzt erkläre ich dir den ersten Satz, das Allegro, aus meinem Frühling. Du hörst, wie ein heiteres Thema den Frühling begrüßt, wie Geigen zwitschern und wie plötzlich ein Gewitter losbricht, und genau dieses Wechselspiel macht den Satz so lebendig. Wie gut du unsere Stücke wiedererkennst, sobald sie erklingen, kannst du gleich selbst im Trainer testen , denn dafür sind meine Kollegen und ich auf dieser Seite da.
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Augen zu, Ohren auf, Frühling an
Wenn du noch nie ein klassisches Stück gehört hast, brauchst du für I. Allegro nur eine Idee: Ich erzähle dir mit Geigen eine Geschichte vom Frühling. Achte zuerst auf das ganze Orchester, das mit einem fröhlichen Thema den Ton angibt, und dann auf die eine Solovioline, die sich immer wieder aus der Gruppe löst und etwas Eigenes zu erzählen hat. Die Streicher und das Continuo, also die Begleitgruppe im Hintergrund, bilden den Boden, auf dem die Geigen Vögel, Bäche und ein Gewitter malen. Du musst nichts wissen und nichts mitzählen, es genügt, wenn du merkst, wann das Anfangsthema zurückkehrt, denn daran findest du dich im Stück immer wieder zurecht.Warum der Satz Allegro heißt und nicht Gemächlich
Allegro ist die Tempoangabe, die ich über den ersten Satz geschrieben habe, und sie sagt den Musikern ganz schlicht: Es geht lebhaft voran. Das passt zum Sonett, in dem die Vögel den Frühling mit festlichem Gesang begrüßen, und dazu steht der Satz in E-Dur, einer hellen, offenen Tonart. Ein Frühling, der im Schneckentempo anreist, wäre ja auch ein merkwürdiger Gast. Das ganze Konzert trägt den Namen „La primavera“, und im ersten Satz kommt der Frühling an, bevor die anderen beiden Sätze von Schlaf und Tanz erzählen.Ein Refrain mit Besuch
Die Form war für mich ein kleines Abenteuer, denn ich wollte eine Geschichte erzählen und trotzdem eine feste Ordnung behalten. Ich habe mich für ein Ritornell entschieden: Ein Refrain kehrt immer wieder, und dazwischen darf die Solovioline mit dem Orchester die Szenen des Sonetts ausmalen. Der Refrain selbst ist nach dem Muster aabb gebaut, er hat also zwei Teile, die jeweils gleich noch einmal erklingen. Ich führe dich gleich durch fünf Abschnitte, einen nach dem anderen, und du wirst sehen, wie die Stimmung dabei mehrmals umschlägt.Abschnitt 1: Der Frühling stellt sich vor
Gleich am Anfang spielt das Orchester den Refrain in E-Dur, munter und im lebhaften Allegro-Tempo. Weil jeder der beiden Teile wiederholt wird, hast du die Melodie nach wenigen Sekunden im Ohr, und das ist Absicht. Die Stimmung ist fröhlich und ungetrübt, so als würde jemand das Fenster aufreißen und die Sonne hereinlassen. Merk dir dieses Thema gut, denn es kommt im Lauf des Satzes mehrmals wieder und zeigt dir jedes Mal, dass eine neue Szene vorbei ist.Abschnitt 2: Morgenrunde im Vogelhaus
Nach dem Refrain melden sich die Vögel, und zwar die Solovioline und zwei Geigen aus dem Orchester gemeinsam. Sie zwitschern und zirpen durcheinander wie bei einer lauten Morgenrunde im Vogelhaus, und am Ende der Szene stehen helle Triller. Das Tempo bleibt flott, aber die Musik wird leichter und verspielter, weil jetzt nicht mehr das ganze Orchester spricht, sondern nur eine kleine Gruppe. Im Sonett heißt es, die Vögel begrüßten den Frühling mit festlichem Gesang, und genau das hörst du hier.Abschnitt 3: Der Bach plaudert, der Wind streichelt
Wenn der Refrain wiedergekehrt ist, wird es ruhiger, denn jetzt kommen die murmelnden Bäche und die Lüfte, die sie sanft streicheln. Die Geigen schwingen weich auf und ab, und die Musik fließt, ohne zu drängeln. Hier ändert sich die Stimmung zum ersten Mal spürbar: Aus dem Jubel wird ein stilles Staunen über die erwachende Natur. Lass dir ruhig Zeit beim Zuhören, denn dieser Abschnitt ist die Atempause, bevor es am Himmel unruhig wird.Abschnitt 4: Gewitter mit Vorankündigung
Jetzt zieht der Himmel zu, und das Sonett spricht davon, dass die Gewitter ihren dunklen Mantel über den Himmel legen. Tiefe Tremolos im Orchester, also schnell wiederholte Töne, grollen wie ferner Donner, und flinke aufsteigende Tonleitern zucken als Blitze dazwischen. Die Solovioline fegt mit rasend schnellen Arpeggien darüber hinweg, das sind aufgefächerte Akkorde, die wie ein Wolkenbruch aus ihr herausprasseln. Das Tempo bleibt gleich, aber die Stimmung kippt von heiter in bedrohlich, und gerade dieser Gegensatz macht die Szene so packend.Abschnitt 5: Nach dem Donner singt es weiter
Der Sturm zieht ab und verklingt bis zur Stille, so wie es auch im Sonett steht. Dann nehmen die Vögel ihre schönen Lieder wieder auf, und die Geigen zwitschern, als wäre nie etwas gewesen. Die Spannung löst sich, die Stimmung wird wieder hell, und mit dem fröhlichen Ton vom Anfang schließt sich der Kreis. Du hast damit den ganzen Weg gehört, vom Ankommen des Frühlings über Gesang, Bach und Gewitter bis zurück zum Vogellied.Jetzt bist du dran
Ich lade dich ein, I. Allegro jetzt selbst zu erleben. Drück auf Play und lass dich von der Musik einfach mitnehmen. Vielleicht denkst du beim Zuhören an unseren Weg zurück: der Refrain, die Vögel, der Bach und das Gewitter. Ich hoffe, dass dich die Reise durch meinen ersten Satz so begeistert, wie sie mich beim Komponieren begeistert hat.---
Hast du Freude daran gehabt, mehr über das erste Allegro aus meinem Frühling zu erfahren? Ich hoffe, du hörst den Satz jetzt mit anderen Ohren, denn aus Vogelgesang, Bächen und Gewitter ist für dich eine kleine Geschichte geworden. Und wenn das Anfangsthema wiederkehrt, erkennst du es hoffentlich wie einen guten alten Bekannten. Dabei ist längst nicht alles erzählt, denn im Frühling und in den anderen Jahreszeiten gibt es noch viel mehr zu entdecken. Da ist zum Beispiel der zweite Satz mit dem schlafenden Hirten, und da ist der tänzerische dritte Satz, in dem ein Dudelsack die Hirten und Nymphen zum Tanz ruft. Wenn du neugierig geworden bist, klick einfach auf die Links hier auf der Seite und entdecke noch mehr über meinen Frühling. Ich wünsche dir viel Freude dabei, und vielleicht hörst du beim nächsten Spaziergang im Frühling schon die ersten Vögel mit einem anderen Gefühl.
