Anklopfen beim Schicksal mit Beethovens Symphony No 5
Die Hintergründe
Symphony No. 5 in C minor, Op. 67

Ich bin Beethoven, und hier erzähle ich dir die Vorgeschichte meiner Symphony No 5. Du erfährst, wie aus ersten Skizzen vom Herbst 1803 ein Werk wurde, das erst im Dezember 1808 in Wien zum ersten Mal erklang. Auf dieser Seite bringen dir meine Komponistenkollegen und ich auch bei, unsere Stücke beim Hören zu erkennen, und das kannst du gleich im Trainer ausprobieren .
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Erste Skizzen und ein langer Atem
Im Herbst 1803 schreibe ich die ersten Gedanken zu dieser Symphonie auf, und ich ahne noch nicht, wie lange mich das Stück begleiten wird. Von Anfang 1804 bis zum März 1808 arbeite ich daran, und zwischendurch ruht die Arbeit auch einmal eine Weile. Dazu kommt, dass mein Gehör schon um 1798 nachzulassen begann, und das Komponieren dadurch gewiss nicht einfacher wird. Wer ein Stück so lange mit sich herumträgt, kennt es am Ende wie einen alten Mantel, bei dem jede Naht sitzt.Paris fällt ins Wasser
Für die Pause gibt es einen ganz handfesten Grund: Ich hatte eine Reise nach Paris geplant, und dort wollte ich die Symphonie selbst aufführen. Diese Reise wird abgesagt, und damit verliert das Stück erst einmal sein Ziel. Die Arbeit bleibt liegen, so wie ein halb gepackter Koffer im Flur stehen bleibt, wenn der Urlaub ausfällt. Zum Glück ist eine Idee nicht so schnell verdorben wie ein Butterbrot, und ich komme darauf zurück.Der große Endspurt
Zwischen dem Frühling 1807 und dem Beginn des Jahres 1808 schreibe ich den größten Teil der Symphonie nieder. Im März 1808 ist die Originalpartitur fertig, und ich widme das Werk zwei Herren: Fürst Franz Joseph Maximilian Lobkowitz und Graf Andrey Kyrillovich Razumovsky. Im September 1808 besucht mich in Wien der Verlag Breitkopf & Härtel und bekommt Exemplare in die Hand. Dort erscheint später auch die erste gedruckte Ausgabe, und so wandert das Stück Stück für Stück aus meinem Arbeitszimmer hinaus in die Welt.Ein Abend mit Überlänge
Am 22. Dezember 1808 erklingt die Symphonie zum ersten Mal, und zwar im Theater an der Wien. Das Konzert besteht nur aus meinen eigenen Werken, und ich stehe selbst am Dirigentenpult. Meine Sechste Symphonie kommt zuerst an die Reihe, die Fünfte erst im zweiten Teil des Abends. Außerdem stehen mein Viertes Klavierkonzert und die Chorfantasie auf dem Programm, da sollte man schon etwas Sitzfleisch mitbringen.Ein Start ohne großen Wirbel
Ich muss ehrlich sagen: Ein Erfolg ist diese Uraufführung nicht. Das Orchester hatte nur wenig Zeit zum Proben, und das hört man dem Abend an. Das Publikum ist von der Länge des Konzerts ohnehin erschöpft, als meine Fünfte endlich drankommt. Entsprechend leise fällt das Echo in den Kritiken aus, und niemand ahnt, dass dieses Stück einmal zu den bekanntesten überhaupt gehören wird.Vier Sätze wie vier Gänge
Die Symphonie besteht aus vier Sätzen, und ein Satz ist nichts anderes als ein eigener Gang in einem Menü: Er hat seinen eigenen Charakter, beginnt für sich und hört für sich auf. Der erste Satz, das Allegro con brio, ist der stürmische Auftakt in c-Moll, und danach darf man beim Andante con moto in Ruhe durchatmen. Der dritte Satz ist ein Scherzo, ebenfalls ein Allegro, mit einem Mittelteil, und am Ende kehrt es leise gezupft zurück und führt ohne Pause in den vierten Satz. Dieser vierte Satz ist wieder ein Allegro, steht in strahlendem C-Dur und bildet den festlichen Abschluss, und alles zusammen ist nach etwa 33 Minuten aufgetischt.Verstärkung für den Schluss
Nicht alle Instrumente sitzen von Anfang an mit im Boot. Erst im Finale spielen Piccolo, drei Posaunen und Kontrafagott zum ersten Mal gemeinsam in einer Symphonie. Wer den Abend bis dahin durchgehalten hat, bekommt also noch einmal einen ganz neuen Klang geboten. Am Ende steht eine lange Coda im Presto, und die lässt dem Publikum kaum Zeit, ruhig sitzen zu bleiben.Ein Kritiker mit Weitblick
Dass die Symphonie nicht in Vergessenheit gerät, liegt auch an E.T.A. Hoffmann, der sie besprochen hat. Er nennt sie unbeschreiblich tief und prachtvoll, und solche Worte lese ich gern. Nach dem kühlen Abend im Theater tun sie mir gut. Manche Stücke brauchen eben jemanden, der in Ruhe zuhört, und wenn es nur ein einziger Kritiker ist.Das Schicksal klopft an, angeblich
Den Beinamen Schicksalssymphonie kennt heute fast jeder, und er geht auf den Satz „So pocht das Schicksal an die Pforte“ zurück. Den Satz überliefert Anton Schindler in seinen Berichten, die erst nach meinem Tod entstanden sind. Ob ich das wirklich so gesagt habe, weiß niemand sicher, denn Schindler gilt nicht als der zuverlässigste Zeuge. Auch ich hätte das Schicksal angeblich an der Kehle packen wollen, aber das gehört in dieselbe Geschichte, und ich erzähle sie nur mit einem Fragezeichen weiter.---
Am 22. Dezember 1808 stand ich im Theater an der Wien am Pult, und die Symphony No 5 erklang zum ersten Mal. Ein Triumph wurde der Abend nicht, denn das Orchester hatte kaum Zeit zum Proben, und das Publikum war von dem langen Konzert schon müde. E.T.A. Hoffmann hörte trotzdem genau hin und nannte das Werk in seiner Besprechung unbeschreiblich tief und prächtig. Wenn ich daran denke, wie holprig dieser Anfang war, freue ich mich umso mehr, dass die vier Noten bis heute Menschen in ihren Bann ziehen. Hat dir der Blick hinter die Entstehung meiner Symphony No 5 gefallen? Es gibt an diesem Stück noch einiges zu entdecken, zum Beispiel wie die vier Sätze ineinandergreifen und welche Instrumente erst im Finale dazukommen. Klick einfach auf die Links hier auf der Seite, dann kannst du weiter in die Symphony No 5 eintauchen. Ich wünsche dir, dass du beim nächsten Hören wieder etwas findest, das dir vorher nicht aufgefallen ist.
