Zwischen Versen und Silberglanz bei Debussys Clair de Lune
Die Hintergründe

Suite bergamasque, L. 75: III. Clair de lune

Debussy erzählt die Hintergründe zu Clair de Lune
Ich bin Claude Debussy, und hier erzähle ich dir die Hintergrundgeschichte von Clair de Lune. Du erfährst, wie aus einer Promenade sentimentale bei der Überarbeitung im Jahr 1905 mein Clair de Lune wurde, benannt nach einem Gedicht von Verlaine. Hier auf der Seite bringen dir meine Kollegen und ich bei, unsere Stücke schon beim ersten Erklingen zu erkennen, und das kannst du jederzeit  im Trainer ausprobieren .
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Der Dritte im Bunde

Clair de Lune steht gar nicht allein auf der Welt, auch wenn man es oft so behandelt. Es ist der dritte von vier Sätzen meiner Suite bergamasque, und die ist ganz für Klavier solo geschrieben. Davor kommen ein Prélude und ein Menuet, danach folgt ein Passepied. Wer Clair de Lune einzeln hört, hört also nur einen Ausschnitt, ein bisschen wie ein Kapitel ohne das Buch.

Ein junger Mann mit Notenpapier

Angefangen habe ich mit dieser Suite um das Jahr 1890. Ich war damals 28 Jahre alt und hatte keine Ahnung, was aus dem dritten Satz einmal werden würde. Fertig war er noch lange nicht, denn bis zur endgültigen Fassung im Jahr 1905 ist viel Zeit vergangen. Das ist eine lange Spanne für ein Stück, das sich beim Zuhören so mühelos anfühlt.

Liegengelassen

Das Manuskript lag jahrelang unveröffentlicht herum. Es war ein bisschen wie ein Brief, den man geschrieben und nie abgeschickt hat. Erst als der Verlag Fromont die Suite erwarb, kam sie unter die Leute. Im Jahr 1905 erschien sie schließlich in Paris im Druck.

Gründlich überarbeitet

Vor der Veröffentlichung habe ich die Suite noch tiefgreifend überarbeitet. Wie viel in der fertigen Fassung noch von 1890 stammt und wie viel erst von 1905, lässt sich nicht Takt für Takt sagen. Das ist nirgends genau festgehalten, und so bleibt es ein kleines Rätsel. Ich stelle mir gern vor, dass im Klang ein junger und ein reiferer Komponist gemeinsam am Tisch sitzen.

Ein Spaziergang mit Gefühl

Der Satz hieß ursprünglich gar nicht Clair de Lune. Mein erster Titel war Promenade sentimentale, und auch das ist der Titel eines Gedichts von Verlaine. Erst bei der Überarbeitung im Jahr 1905 habe ich ihn umbenannt. Ein empfindsamer Spaziergang bei Nacht passt eigentlich erstaunlich gut zu dieser Musik.

Maskierte Tänzer im Mondschein

Der Titel Clair de Lune stammt aus einem Gedicht von Verlaine, das 1869 in seiner Sammlung Fêtes galantes erschien. In der ersten Strophe tauchen Bergamasken auf, das sind maskierte Tänzer, und nach ihnen heißt die ganze Suite. Das Gedicht habe ich allerdings nie vertont, ich habe mir nur seinen Titel geliehen. Ob meine Musik das Gedicht wirklich abbildet, bleibt deshalb offen, und ich finde, das darf auch so sein.

Der Passepied hieß mal anders

Nicht nur mein Clair de Lune hat seinen Namen gewechselt, auch der letzte Satz der Suite. Der Passepied hieß zuerst Pavane. Man sieht also, dass ich meine Titel gern noch einmal überdenke. Die Tonarten der vier Sätze sind der Reihe nach F-Dur, a-Moll, Des-Dur und fis-Moll, und Clair de Lune steht in Des-Dur, einer Tonart, die für mich besonders weich klingt.

Drei Teile und ein leiser Abgang

Gebaut ist das Stück in drei Teilen mit einem kleinen Nachspiel, der Coda. Erst kommt ein nachdenklicher Anfang, dann ein bewegter Mittelteil, und am Ende kehrt die anfängliche Ruhe zurück. Der Takt ist ein 9/8-Takt, in dem sich immer wieder drei mal drei Achtel zu einer Welle runden. Deshalb stolpert die Musik nie, sondern schaukelt wie ein Boot am Steg.

Etwas zu beliebt

Dass Clair de Lune so berühmt wurde, fand ich ehrlich gesagt ein wenig lästig. Ich fürchtete nämlich, es könnte reifere Werke wie La Mer in den Schatten stellen. Es ist, als würde man für den Nachtisch gefeiert, während der Hauptgang kalt wird. Trotzdem kann ich verstehen, dass die Leute es lieben, denn es ist wirklich ein zärtliches Stück.

Der Mond im Orchester

Später haben andere Clair de Lune fürs Orchester bearbeitet, darunter André Caplet, Leopold Stokowski und Lucien Cailliet. Auch Disney wollte es in Fantasia verwenden, dem Film von 1940. Aus Zeitgründen wurde es dort aber gestrichen, weil der Film sonst zu lang geworden wäre. Eine Orchesterfassung von Stokowski wurde später als Bonusmaterial wieder hervorgeholt, sodass der Mond am Ende doch noch aufgehen durfte.
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Wenn ich heute an Clair de Lune denke, muss ich ein wenig schmunzeln. Ein Stück, das als Promenade sentimentale begonnen hat, geht inzwischen um die ganze Welt. Dass es so beliebt geworden ist, fand ich selbst zeitweise sogar etwas lästig, denn ich fürchtete, es könnte Werke wie La Mer in den Schatten stellen. Heute sehe ich das gelassener. Es freut mich, dass so viele Menschen in diesen leisen Klängen etwas für sich finden. Hat dir die Geschichte hinter Clair de Lune gefallen? Vielleicht hörst du das Stück jetzt mit anderen Ohren, so als würdest du einen Raum betreten, den du schon kanntest, in dem dir aber zum ersten Mal die Bilder an den Wänden auffallen. Und es gibt noch viel mehr zu entdecken. Über den Aufbau des Stücks, über die Menschen, die es für Orchester bearbeitet haben, und über den Dichter, dessen Gedicht mir den Titel geschenkt hat, könnte ich dir noch lange erzählen. Wenn du neugierig geworden bist, klick einfach auf die Links unten, und lass dich weiter durch Clair de Lune führen. Ich wünsche dir dabei viel Freude und einen Abend mit schönem Mondlicht.