Katz und Maus mit Liszts Hungarian Rhapsody No 2
Die Hintergründe

Hungarian Rhapsody No. 2 in C-sharp minor, S. 244 No. 2

Liszt erzählt die Hintergründe zu Hungarian Rhapsody No 2
Ich bin Franz Liszt, und ich erzähle dir hier die Vorgeschichte meiner Hungarian Rhapsody No 2. Du erfährst, wie aus einem Klavierstück, das 1851 gedruckt wurde, später Orchesterfassungen entstanden und sogar ein Trickfilm mit Tom und Jerry, der 1947 einen Oscar gewann. Welches Stück gerade erklingt, zu erkennen lernst du hier bei mir und meinen Kollegen, und am besten  startest du den Trainer  gleich.
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Ein Star macht Feierabend

Im Jahr 1847 habe ich mit 35 Jahren aufgehört, als reisender Pianist von Stadt zu Stadt zu ziehen. Drei Jahre zuvor hatte Heinrich Heine für die Begeisterung um mich das Wort Lisztomania geprägt, und in den Konzertsälen flatterten damals erstaunlich viele Taschentücher. Mit der Hungarian Rhapsody No 2 hat dieses Wort allerdings nichts zu tun, denn es war schon in der Welt, bevor das Stück entstand. Ab 1848 war ich Kapellmeister in Weimar, und dort hatte ich endlich die Ruhe, in Ruhe zu schreiben, statt ständig in Postkutschen zu sitzen.

Nummer zwei von neunzehn

Ich habe insgesamt 19 Hungarian Rhapsodies für Klavier geschrieben, und die zweite ist die bekannteste von allen. Ihr voller Name klingt wie ein Aktenzeichen auf dem Amt: Hungarian Rhapsody No. 2 in C-sharp minor, S. 244 No. 2. Wann die ganze Reihe entstanden ist, lässt sich nicht so genau sagen, denn manche Quellen nennen die Jahre 1846 bis 1853, andere datieren die letzten Stücke auf 1882 und 1885. Das ist für dich als Zuhörer aber nebensächlich, denn die zweite Rhapsodie wirkt, als hätte es sie schon immer gegeben.

Ich bin nur der Überbringer

In einem Brief von 1864 habe ich geschrieben, meine Rolle als Rhapsode beschränke sich darauf, die Melodien zu Werken zu machen, die ihrem wahren Wesen so nah wie möglich kommen. Ich wollte die Melodien also nicht verbiegen, sondern sie so aufschreiben, dass ihr Charakter erhalten bleibt. Das klingt bescheiden, und ein bisschen ist es das auch, auch wenn jeder, der das Stück spielt, sofort hört, wie viel von mir darin steckt. Ein guter Erzähler gibt eine alte Geschichte weiter und macht sie dabei doch zu seiner eigenen.

Erst Wehmut, dann Tempo

Der Aufbau des Stücks stammt aus der Improvisationskunst der Roma-Musiker: erst ein langsamer, wehmütiger Teil, dann ein schneller und treibender. Dahinter steht der Verbunkos, ein ungarischer Tanz, dessen Abschnitte in unterschiedlichen Tempi verlaufen. Ich habe dieses Muster übernommen und für das Klavier ausgebaut, sodass ein einziger Spieler klingt wie eine ganze Kapelle. Wer die Rhapsodie zum ersten Mal hört, merkt schnell: Man sollte sich nicht zu bequem hinsetzen, denn es geht bald sehr viel flotter weiter.

Der helle Umschwung

Der schnelle Teil, die friska, steht in Fis-Dur, und schon der Wechsel von Moll nach Dur öffnet gewissermaßen ein Fenster. Die Stimmung kippt von nachdenklich zu ausgelassen, und die Hände des Pianisten rasen über die Tasten, als wäre eine Tanzfläche dazugekommen. Ich habe die Steigerung so angelegt, dass sie immer weiter anzieht, bis am Ende kaum noch Luft zum Atmen bleibt. Wer das Stück im Konzert gehört hat, erinnert sich meistens an genau diesen Schluss.

Woher die Melodien stammen

Hier muss ich ehrlich sein: Welche Quellen ich für die Themen genutzt habe, lässt sich nicht sicher sagen. Ein Bericht behauptet sogar, das einleitende Thema sei rumänischen Ursprungs und gar nicht ungarisch. Ob das stimmt, weiß niemand genau, und deshalb halte ich mich lieber an das, was man hören kann. Eine Melodie wandert eben leicht über Grenzen, und sie fragt dabei nicht nach dem Pass.

Gedruckt bei Senff, gewidmet einem Grafen

Veröffentlicht wurde die Rhapsodie 1851 als Klaviersolo bei Bartholf Senff. Gewidmet habe ich sie Graf László Teleki. Eine Widmung ist so etwas wie eine Visitenkarte, die man einem Stück mitgibt, und diese hat es bis heute getragen. Die Noten sind also seit dem Jahr 1851 für jeden zu haben, der sich an sie heranwagt.

Nichts für schwache Finger

Die Hungarian Rhapsodies gelten als schwierig, und ich gebe zu, dass ich dabei selten an die Hände der Spieler gedacht habe. Schnelle Läufe, weite Sprünge und kräftige Akkorde verlangen Ausdauer, und das Stück macht dabei keine Zugeständnisse. Wer lieber gemeinsam leidet, kann die Rhapsodie auch als Klavierduett zu vier Händen spielen. Zu zweit auf einer Bank wird es allerdings eng, und man sollte sich vorher gut verstehen.

Das Orchester kommt später

Das Original ist ein reines Solostück für Klavier, ein Orchester kam erst bei den späteren Bearbeitungen dazu. Franz Doppler hat eine Orchesterfassung erstellt, bei der ich beteiligt war, und sie steht in d-Moll. Wie groß mein Anteil und wie groß seiner war, ist nicht mehr zu klären. Später haben auch Karl Müller-Berghaus eine zweite Fassung in c-Moll und Franz Schreker 1933 eine weitere Orchestrierung geschrieben.

Ein Kater, ein Hase und ein Klaviervirtuose

Die Rhapsodie hat es sogar ins Zeichentrickkino geschafft: 1946 spielte Bugs Bunny in Rhapsody Rabbit auf dem Flügel. Ein Jahr später folgte der Tom-und-Jerry-Film The Cat Concerto, der den Academy Award für den besten animierten Kurzfilm gewann. Dass mein Stück eine Katze und eine Maus zum Kämpfen bringt, hätte ich mir nie träumen lassen, aber es passt erstaunlich gut zur Musik. Und 1953 hat Vladimir Horowitz sie für Klavier so kräftig umgearbeitet, dass sie noch einmal ein ganz neues Gesicht bekam.
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Wenn ich auf die Geschichte der Hungarian Rhapsody No 2 zurückblicke, staune ich selbst ein wenig, wie weit ein Stück für ein einzelnes Klavier gekommen ist. Später haben sich Orchester der Rhapsodie angenommen, Franz Doppler hat sie mit mir zusammen für Orchester eingerichtet, und Vladimir Horowitz hat 1953 daraus eine eigene, kühne Klavierfassung gemacht. Sogar im Zeichentrickfilm hat sie ihren Platz gefunden, denn 1947 gewann The Cat Concerto mit Tom und Jerry einen Oscar, und das Stück spielt darin die Hauptrolle. Hat dir diese Geschichte über die Hungarian Rhapsody No 2 gefallen? Ich hoffe es sehr, denn es gibt noch vieles an diesem Stück zu entdecken. Man kann zum Beispiel darauf achten, wie sich die friska aus der lassú herausschält, oder vergleichen, wie verschieden die Pianisten die Kadenz gestalten. Klick einfach auf die Links hier unten, wenn du tiefer in die Hungarian Rhapsody No 2 eintauchen möchtest. Ich wünsche dir viel Freude beim Hören und freue mich, wenn du bald wiederkommst.