Johann Strauss I
Komponist
1804 – 1849

Servus und herzlich willkommen, mein Name ist Johann Strauss I, und es freut mich sehr, dass Sie heute bei mir vorbeischauen. Nehmen Sie sich gerne einen Moment Zeit, denn ich möchte Ihnen hier ganz in Ruhe die Geschichte meines bewegten Lebens erzählen. Außerdem bringen meine Komponistenkollegen und ich Ihnen auf dieser Seite bei, wie Sie meine Werke beim Hören sofort erkennen, also probieren Sie unseren Trainer aus .
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Lieber Geige als Buchdeckel
Ich kam 1804 in der Wiener Leopoldstadt als Sohn eines Gastwirts zur Welt, verlor aber schon mit sieben Jahren meine Mutter und mit zwölf meinen Vater, der in der Donau ertrank. Mein Vormund steckte mich 1817 kurzerhand in eine Lehre zum Buchbinder, obwohl mein Herz längst für die Musik schlug. Es hält sich bis heute das hübsche Gerücht, ich sei aus der Werkstatt weggelaufen, auf einem Hügel eingeschlafen und dort vom Musiker Michael Pamer aufgelesen worden, doch ob das wirklich so war, weiß niemand. Sicher ist aber, dass ich bei Johann Polischansky fleißig Geige lernte und mir bei Ignaz von Seyfried das nötige Rüstzeug in Musiktheorie und Komposition holte.Vom Bratschenspieler zum eigenen Chef
Zuerst spielte ich Bratsche im Tanzorchester von Michael Pamer, bevor ich mich 1819 dem Streichquartett von Joseph Lanner anschloss. Dieses kleine Ensemble wuchs bald zu einem richtigen Orchester heran, in dem ich ab 1824 als stellvertretender Dirigent den Takt angab. Im Jahr 1825 heiratete ich nicht nur meine Frau Maria Anna Streim, sondern trennte mich auch von Lanner, um endlich mein eigenes Orchester zu gründen. Schon ein Jahr später gelang mir mit dem Täuberln-Walzer mein erster großer Wurf, der sich unter den Tanzlustigen verbreitete wie ein Lauffeuer.Tanzfieber vom Sperl bis zur Hofburg
Ab 1829 wurde ich Musikdirektor im berühmten Tanzsaal Sperl in meiner Heimat Leopoldstadt, was mich in ganz Wien bekannt machte. Die Wiener tanzten damals so leidenschaftlich, als hinge ihr Seelenheil vom nächsten Dreivierteltakt ab, und bald wollte man meine Kapelle auch im Ausland hören. Wir reisten quer durch Deutschland, die Niederlande, Belgien, Frankreich und Großbritannien, wo wir 1838 in London sogar bei den Krönungsfeierlichkeiten für Queen Victoria aufspielten. Zu Hause krönte Kaiser Ferdinand I. meine Laufbahn im Jahr 1846, indem er mich offiziell zum k.k. Hofballmusikdirektor ernannte.Musik für unermüdliche Füße
Im Laufe der Jahre schrieb ich über 250 Werke, darunter allein 152 Walzer, aber auch flotte Galoppe, Quadrillen und Polkas. Stücke wie mein Seufzer-Galopp oder der Walzer Loreley-Rhein-Klänge brachten selbst ernste Komponistenkollegen wie Hector Berlioz und Richard Wagner zum Staunen. Am bekanntesten ist heute wohl mein Radetzky March, den du dir auch direkt hier auf dieser Seite anhören kannst. Ich komponierte ihn 1848 zu Ehren von Feldmarschall Joseph Radetzky von Radetz, und sein Rhythmus ist so mitreißend, dass selbst der müdeste Soldat unweigerlich im Takt mitwippt.Krach im eigenen Haus
Privat lief bei mir längst nicht alles so harmonisch wie auf dem Tanzparkett, denn ich verließ meine Frau Maria Anna für die Hutmacherin Emilie Trampusch, mit der ich acht Kinder hatte. Aus meiner Ehe stammten bereits sechs überlebende Kinder, und ich wollte unter keinen Umständen, dass meine Söhne ebenfalls den unsicheren Musikerberuf ergreifen. Ein Vater kann seinen Kindern eben vieles verbieten, nur meistens genau das nicht, was er ihnen jeden Tag selbst vorlebt. Nachdem Maria Anna 1844 die Trennung eingereicht hatte, trat mein ältester Sohn Johann Strauss II noch im selben Jahr in Hietzing mit einem eigenen Orchester an und wurde mein größter Rivale.Ein viel zu früher Schlussakkord
Die ständigen Reisen, die langen Nächte in den Ballsälen und der Wettstreit mit meinem eigenen Sohn zehrten mit der Zeit gewaltig an meinen Kräften. Trotzdem stand ich weiter Abend für Abend mit der Geige in der Hand vor meinen Musikern, weil mich das Publikum einfach nicht gehen lassen wollte. Im Herbst 1849 holte ich mir jedoch das Scharlachfieber, gegen das selbst mein zäher Lebenswille machtlos war. Am 25. September 1849 starb ich mit gerade einmal 45 Jahren in der Wiener Wohnung in der Kumpfgasse, die ich mir mit Emilie Trampusch teilte.Eine Dynastie im Dreivierteltakt
Man begrub mich zunächst auf dem Döblinger Friedhof direkt neben meinem alten Weggefährten Joseph Lanner, als sollten wir uns auch im Jenseits die Bälle zuspielen. Im Jahr 1904 bettete man uns beide schließlich in Ehrengräber auf dem Wiener Zentralfriedhof um. Heute gelte ich als Wegbereiter des Wiener Walzers und als Stammvater einer ganzen Musikerdynastie, auch wenn meine Söhne Johann Strauss II, Josef Strauss und Eduard Strauss mir mit ihrem Erfolg am Ende ordentlich Konkurrenz machten. Dass man mir manchmal den Walzer The Blue Danube oder den Titel als Walzerkönig zuschreibt, ehrt mich zwar, doch diese Lorbeeren gehören eindeutig meinem ältesten Sohn.Ein Rezept gegen graue Tage
Wenn du heute meine Musik hörst, musst du rein gar nichts über Musiktheorie oder kunstvolle Kompositionsregeln wissen. Mir ging es immer nur darum, den Menschen für ein paar Stunden ihre Alltagssorgen von den Schultern zu nehmen. Meine Melodien sollen wirken wie ein gutes Glas Wein in geselliger Runde, das sofort die Stimmung hebt. Lehn dich also einfach zurück, lass den Rhythmus in deine Beine fahren und genieße das bunte Treiben des alten Wiens.---
Hat es Ihnen Freude gemacht, mich auf dieser Reise durch mein Leben zu begleiten? Wenn Sie nun Lust auf meine Musik bekommen haben, können Sie hier auf der Seite meinen Radetzky March entdecken. Klicken Sie einfach unten auf den Link, um direkt in das Werk einzutauchen.
Radetzky March
Radetzky March, Op. 228
