Landpartie mit Beethovens Symphony No 6
I. Allegro ma non troppo

Symphony No. 6 in F major, Op. 68 ("Pastoral")

Beethoven präsentiert einen Hörführer zu I. Allegro ma non troppo aus Symphony No 6
Ich bin Ludwig van Beethoven, und ich erkläre dir jetzt den ersten Satz meiner Symphony No 6, das I. Allegro ma non troppo. Du erlebst, wie ein kleines, schlichtes Motiv in F-Dur immer wieder neu aufgegriffen wird und so die heitere Stimmung beim Ankommen auf dem Land ausdrückt, als Empfindung und nicht als Gemälde. Wir Komponisten bringen dir hier auf der Seite bei, unsere Stücke beim Hören zu erkennen, und das kannst du jetzt gleich  im Trainer ausprobieren .
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Erwarte keine Handlung, nur gutes Wanderwetter

Setz dich bequem hin und erwarte bei diesem Satz keine Geschichte mit Helden und Schurken, denn ich wollte Empfindungen ausdrücken und keine Bilder malen. Hör auf die schlichten, fast volksliedhaften Themen, die in immer neuer Gestalt wiederkommen, und lass sie ruhig ein wenig an dir hängen bleiben, so wie eine Melodie, die man nach dem Ausflug noch vor sich hin summt. Du brauchst dafür kein Vorwissen, es genügt, wenn du merkst, wann sich die Musik weitet, wann sie zur Ruhe kommt und wann das ganze Orchester wieder sanft ins Schwingen gerät. Die Instrumente fürs Gewitter bleiben in diesem Satz noch draußen, hier scheint also von Anfang bis Ende die Sonne.

Ein Titel, der ein Gefühl ist und kein Fahrplan

Ich habe diesen Satz „Erwachen heiterer Empfindungen bei der Ankunft auf dem Lande“ genannt, weil genau das in mir geschieht, wenn ich aus der Stadt komme und das Grün vor mir liegt. Das wichtigste Wort darin ist „Empfindungen“, denn ich wollte nicht jeden Baum und jede Wolke abbilden, sondern zeigen, was die Natur mit einem Menschen macht. Deshalb tragen alle fünf Sätze meiner Sechsten solche Überschriften, die dir eine Stimmung mitgeben und keine Anweisung. Wenn du beim Hören also an einen Spaziergang denkst, liegst du richtig, solange du dabei mehr fühlst, als du siehst.

Die Form: ein Sonatensatz mit Landluft

Bei der Form musste ich mich nicht lange quälen, denn ich habe für diesen Satz die Sonatenform gewählt, in F-Dur und im Zweivierteltakt. Eine Sonatenform stellt zuerst ihre Themen vor, spielt dann mit ihnen herum und bringt sie am Ende wieder nach Hause, ganz wie bei einem guten Tagesausflug. Daraus ergeben sich drei große Abschnitte, nämlich die Exposition, die Durchführung und die Reprise, und danach folgt noch der Übergang in den nächsten Satz. Ich nehme dir diese vier Stationen gleich nacheinander vor, damit du unterwegs nicht die Orientierung verlierst.

Abschnitt 1: Die Exposition, in der das Gepäck abgestellt wird

Das Tempo ist Allegro ma non troppo, also lebhaft, aber nicht zu schnell, und genau so fühlt sich der Anfang an: heiter und ohne jede Hast. Ich stelle dir hier die Hauptmelodie in F-Dur vor, schlicht und fast volkstümlich, und sie wird gleich von kleinen Motiven umspielt, die sich zwischen den Instrumenten hin und her reichen. Danach folgt ein weiterer Gedanke, der die Stimmung nicht stört, sondern sie nur ein wenig anders ausleuchtet. Wenn du dir von diesem Abschnitt nur eines merkst, dann die Hauptmelodie, denn sie begleitet dich durch den ganzen Satz.

Abschnitt 2: Die Durchführung, ein Umweg, den keiner bereut

Jetzt nehme ich die Themen und Motive auseinander und setze sie neu zusammen, und dabei entfernen wir uns hörbar von der Heimat F-Dur. Du erkennst vertraute Bruchstücke wieder, die mal hier, mal dort auftauchen und durch verschiedene Tonarten wandern, als würde jemand denselben Weg bei wechselndem Licht noch einmal gehen. Die Spannung steigt dabei ein wenig, aber es bleibt ein freundliches Erkunden und kein Drama, denn das Wetter ist in diesem Satz ja noch in Ordnung. Achte darauf, wie die Wiederholungen langsam eine kleine Welle bilden, die dich mitnimmt, ohne dass du es richtig merkst.

Abschnitt 3: Die Reprise, das Wiedersehen mit der Wiese

Nach dem Umweg kehren die Themen zurück, und zwar in F-Dur, sodass du das Gefühl hast, wieder auf bekanntem Boden zu stehen. Die Hauptmelodie klingt jetzt vertraut, wie ein Platz, an dem man schon einmal gesessen hat, und doch ist sie ein wenig anders eingefasst als zu Beginn. Auch der zweite Gedanke kommt wieder vorbei, diesmal zu Hause angekommen, und die Stimmung bleibt dabei durchgehend froh und gelassen. Hier kannst du am besten prüfen, wie viel du dir aus der Exposition gemerkt hast, und ich wette, es ist mehr, als du denkst.

Abschnitt 4: Der Ausklang, ohne Pause zum Bach

Der Satz kommt nun zu seinem Ende, und ich lasse ihn nicht mit einem großen Auftritt, sondern mit der gleichen Zufriedenheit abschließen, mit der er begonnen hat. Dann gibt es keine Pause, in der du husten oder klatschen könntest, denn der zweite Satz schließt sich unmittelbar an. Er trägt den Titel „Szene am Bach“ und führt dich vom ersten Eintreffen auf dem Land an ein Gewässer, an dem du dich eine Weile ausruhen darfst. So hängen die beiden Sätze zusammen wie zwei Stationen derselben Wanderung, und du merkst kaum, dass der Weg schon weitergeht.

Jetzt bist du dran, der Rasen wartet

Ich lade dich ein, dieses I. Allegro ma non troppo jetzt selbst zu erleben, und dafür musst du nur auf den Startknopf drücken. Lass dich von der Musik tragen, ohne etwas leisten zu müssen, denn genau dafür habe ich sie geschrieben. Vielleicht denkst du beim Zuhören an die vier Abschnitte, an die Hauptmelodie und an den Titel, der ein Gefühl beschreibt und keine Landschaft. Ich hoffe, dass dich die Reise durch meinen ersten Satz genauso froh macht, wie es mich gemacht hat, als ich ihn geschrieben habe.
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Ich hoffe, dir hat dieser Hörführer zum I. Allegro ma non troppo aus meiner Symphony No 6 gefallen. Vielleicht bleibt von diesem Satz am Ende nur ein ruhiges Gefühl, als hättest du für ein paar Minuten tief durchgeatmet. Genau darum ging es mir: Ich wollte keine Bilder malen, sondern das Gefühl zeigen, das man hat, wenn man aufs Land kommt und die Gedanken endlich zur Ruhe kommen. Und es gibt in meiner Sechsten noch viel mehr zu entdecken. Der Satz, den du jetzt kennst, ist ja erst der Anfang, und danach folgen noch vier weitere Sätze, jeder mit seinem eigenen Titel und seiner eigenen Stimmung. Da ist das Bächlein im zweiten Satz, und da ist das Gewitter, das ganz anders klingt als alles, was du bisher gehört hast. Am Ende wartet ein Hirtengesang, der von Dankbarkeit erzählt. Klick einfach auf die Links hier auf der Seite, um noch tiefer in meine Symphony No 6 einzutauchen. Ich freue mich, wenn du mich dabei weiter begleitest.