Landpartie mit Beethovens Symphony No 6
II. Andante molto moto

Symphony No. 6 in F major, Op. 68 ("Pastoral")

Beethoven präsentiert einen Hörführer zu II. Andante molto moto aus Symphony No 6
Ich bin Ludwig van Beethoven, und ich erkläre dir jetzt den zweiten Satz meiner Symphony No 6, das II. Andante molto moto. Du hörst, wie der sanft wiegende 12/8-Takt in B-Dur den ganzen Satz dahinströmen lässt wie einen Bach, der sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt. Auf dieser Seite lernst du mit mir und meinen Komponistenkollegen, unsere Stücke beim Hören zu erkennen, und ob dir das schon gelingt, kannst du gleich  im Trainer testen .
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Zurücklehnen und dem Wasser zuhören

Ich bitte dich, beim II. Andante molto moto nicht auf eine Handlung zu warten, sondern einfach dem gleichmäßigen Fließen zu folgen. Die Celli sind dafür in mehrere Stimmen geteilt: Mit Dämpfern spielen sie die plätschernde Figur, an anderen Stellen zupfen sie ihre Töne. Darüber ziehen die übrigen Streicher und die Holzbläser ihre Melodien, die auf diesem Untergrund treiben wie Blätter auf der Wasseroberfläche. Hör außerdem gegen Ende genau hin, denn dort wartet eine kleine Überraschung, die ich dir noch nicht verrate.

Warum mein Bach einen Namen bekam

Ich habe diesen Satz „Szene am Bach“ genannt, weil ein Bach für mich das passende Bild für diese Stimmung ist: gleichmäßig, beständig und ohne jede Eile. Ein Gemälde wollte ich dir aber nicht liefern, denn mir ging es um die Empfindungen, die die Natur in mir weckt. Der Titel ist deshalb wie ein Wegweiser am Wanderweg: Er zeigt dir die Richtung und lässt dir den Rest selbst. Das Tempo Andante molto moto, also gehend und dabei sehr bewegt, passt gut dazu, denn ein Bach bleibt nie stehen und rennt doch auch nicht davon.

Eine Form mit Plan, aber ohne Strenge

Bei der Form musste ich mich entscheiden, und ich habe mich für die Sonatenform entschieden. Das bedeutet: Zuerst stelle ich die Themen vor, dann arbeite ich sie durch und verwandle sie, und am Schluss kehren sie zurück. Du hörst darum vier Abschnitte, nämlich die Exposition, die Durchführung, die Reprise und zuletzt die Kadenz mit den Vögeln. Der Satz steht in B-Dur und im 12/8-Takt, und ich gehe die Abschnitte gleich einzeln mit dir durch.

Abschnitt 1: Das Bächlein stellt sich vor

In der Exposition legt sich das Grundgefühl des Satzes fest: Die geteilten Celli beginnen mit ihrer sanften Fließbewegung, und der 12/8-Takt wiegt alles in ruhigen Wellen. Die Melodien setzen sich behutsam darauf, ohne zu drängen, und das Tempo bleibt gelassen. Die Stimmung ist warm und zufrieden, es gibt hier keinen Streit und keinen Schreck. Merk dir diese Themen ruhig gut, denn sie sind die Bekannten, denen du gleich wieder begegnest.

Abschnitt 2: Das Wasser nimmt einen Seitenarm

In der Durchführung nehme ich die Themen auseinander und setze sie anders zusammen, sodass die Musik durch andere Tonarten wandert. Dabei wechseln die Klangfarben, mal führen die Holzbläser, mal die Streicher, und die vertraute Bewegung darunter läuft weiter. Es wird dadurch etwas abwechslungsreicher, aber die Grundstimmung bleibt friedlich und das Tempo gleichmäßig. Du kannst dir das vorstellen wie einen Spaziergang, bei dem derselbe Bach plötzlich um eine Biegung verschwindet und dahinter in neuem Licht wieder auftaucht.

Abschnitt 3: Alte Bekannte am selben Ufer

Mit der Reprise kommen die Themen aus dem ersten Abschnitt zurück, und diesmal erkennst du sie wieder. Wir sind wieder in B-Dur zu Hause, und das fühlt sich an wie das Ankommen an einem Lieblingsplatz. Die Celli plätschern weiter, die Melodien klingen vertraut, aber sie haben durch den Weg dazwischen ein wenig mehr Ruhe gewonnen. Hier spürst du am deutlichsten, wie sich eine Geschichte auch ohne Handlung rundet.

Abschnitt 4: Das gefiederte Publikum meldet sich

Kurz vor Schluss folgt die Kadenz, in der die Flöte eine Nachtigall, die Oboe eine Wachtel und die Klarinetten einen Kuckuck nachahmen. Ich habe die drei Vögel in der Partitur sogar beim Namen genannt, damit niemand im Orchester sie überhört. Es heißt, ich hätte diese Vogelrufe selbst „nichts als einen Scherz“ genannt, aber das steht nur in einem einzigen Programmheft, und so sicher ist es deshalb nicht. Danach klingt der Satz sanft aus und geht ohne Pause in den dritten Satz über, also lass die Musik einfach weiterfließen.

Jetzt bist du dran

Jetzt lade ich dich ein, das II. Andante molto moto selbst zu erleben, und du musst dafür nur auf die Starttaste drücken. Lass dich ruhig von der Musik tragen und denk beim Hören an das, was wir besprochen haben: an die Celli, an die vier Abschnitte und an die Vögel am Ende. Du brauchst dafür kein Vorwissen, es genügt, wenn du neugierig bleibst und dir Zeit nimmst. Ich hoffe, dass dich die Reise durch dieses Andante molto moto so erfreut, wie sie mich beim Komponieren erfreut hat.
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Damit sind wir am Ende des Hörführers zum II. Andante molto moto angekommen, und ich hoffe, du hörst diesen Satz jetzt ein bisschen anders als vorher. Hat dir dieser Hörführer zum II. Andante molto moto aus meiner Symphony No 6 gefallen? Vielleicht achtest du beim nächsten Mal zuerst auf das gleichmäßige Plätschern der Celli, spürst, wie der 12/8-Takt alles sanft wiegt, und wartest am Ende auf Nachtigall, Wachtel und Kuckuck. Das Schöne an diesem Satz ist, dass er dich nie drängt, sondern geduldig darauf wartet, dass du dir Zeit für ihn nimmst. Meine Sechste hat aber noch viel mehr zu bieten als diesen einen Satz. Es gibt noch vier weitere Sätze zu entdecken, und der zweite geht ohne Pause in den dritten über, sodass du von der Szene am Bach direkt zu den fröhlichen Landleuten weitergetragen wirst. Auch das Gewitter, das später hereinbricht, und der Dank nach dem Sturm verdienen es, dass du ihnen in Ruhe zuhörst. Und wenn du wissen möchtest, wie diese Symphonie entstanden ist und wie ihre Uraufführung im Dezember 1808 in Wien ablief, findest du auch dazu Antworten. Klick dich also gern durch die Links hier auf der Seite, um weitere Seiten meiner Symphony No 6 zu erkunden. Ich freue mich darauf, dich dort wiederzusehen.