Mit Chor und Freudenfunken bei Beethovens Symphony No 9
III. Adagio Molto e Cantabile

Symphony No. 9 in D minor, Op. 125 ("Choral")

Beethoven präsentiert einen Hörführer zu III. Adagio Molto e Cantabile aus Symphony No 9
Ich bin Ludwig van Beethoven, und ich erkläre dir jetzt den Satz III. Adagio Molto e Cantabile aus meiner Symphony No 9. Du hörst einen ruhigen, sehnsuchtsvollen Satz in B-Dur, in dem ich zwei Themen immer wieder verwandle, und dazwischen singt das vierte Horn ein ganz besonderes Solo. Wie du unsere Stücke erkennst, sobald sie erklingen, lernst du hier bei meinen Komponistenkollegen und mir, und  im Trainer  kannst du es gleich einmal wagen.
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Zuerst die Ohren spitzen, dann zurücklehnen

Wenn du diesen dritten Satz hörst, achte zuerst auf die Streicher, denn sie singen die Melodie, als hätten sie alle Zeit der Welt. Dazwischen melden sich immer wieder die Holzbläser und die Hörner, und du kannst sie leicht auseinanderhalten: Die Streicher klingen warm und gleitend, die Bläser klarer und runder. Besonders spannend wird es, wenn ein einzelnes Horn, nämlich das vierte, ein eigenes Solo bekommt und für ein paar Takte allein im Rampenlicht steht. Mehr musst du nicht tun, als der Melodie zu folgen und zu merken, wann sie ein neues Kleid anzieht.

Warum dieser Satz so heißt, wie er heißt

Adagio molto e cantabile bedeutet ungefähr „sehr langsam und singend“, und genau das wollte ich hier von den Instrumenten. Nach dem wilden Scherzo, das als zweiter Satz vorausgeht, braucht man nämlich etwas, bei dem man wieder zu Atem kommt. Mein Gehör ließ schon um 1798 nach, und trotzdem steht das Wort „cantabile“ so groß über dieser Musik.

Eine Melodie, die sich ständig umzieht

Die Form dieses Satzes hat mir lange Kopfzerbrechen bereitet. Am Ende habe ich Variationen über zwei Themen geschrieben, man nennt das auch Doppelvariationen: Zwei Melodien wechseln sich ab und kommen jedes Mal ein wenig verändert zurück. Das ist ungefähr so, als würdest du zwei gute Freunde immer wieder treffen und jedes Mal in anderer Kleidung erkennen. Ich gehe jetzt die einzelnen Abschnitte nacheinander mit dir durch, damit du bei jedem Wiedersehen weißt, wer da gerade vor dir steht.

Abschnitt 1: Tief durchatmen, bitte

Der Satz beginnt im Adagio, in B-Dur und im Viervierteltakt, und das klingt nach einem langen, ruhigen Ausatmen. Die erste Melodie ist schlicht und getragen, und du merkst sofort, dass hier niemand etwas beweisen muss. Sie wirkt friedlich, trägt aber auch eine leise Sehnsucht in sich, als würde sie nach etwas Fernem Ausschau halten. Präge dir diese Melodie gut ein, denn sie ist der Ausgangspunkt für alles, was danach passiert.

Abschnitt 2: Das zweite Gesicht

Dann tritt die zweite Melodie auf, und sie klingt merklich anders als die erste. Sie fließt etwas bewegter dahin und hat einen warmen, wiegenden Zug, als würde jemand sanft ein paar Schritte weitergehen. Die Stimmung bleibt dabei zärtlich, nur schaut die Musik jetzt nicht mehr in die Ferne, sondern ein Stück nach innen. Mit diesen beiden Themen habe ich nun meine zwei Hauptfiguren beisammen, und das Spiel kann beginnen.

Abschnitt 3: Dieselbe Melodie im Festtagsgewand

Jetzt kommt die erste Melodie wieder, aber du erkennst sie fast nur noch am Umriss. Die Violinen umspielen sie mit feinen, beweglichen Verzierungen, und es ist, als würde jemand um ein schlichtes Lied einen Kranz aus kleinen Noten winden. Die Ruhe bleibt dabei erhalten, nur wird der Klang reicher und lebendiger. Wenn du also die erste Melodie nur noch ahnst, hör einfach auf den gleichen sanften Gang darunter, dann findest du sie wieder.

Abschnitt 4: Das zweite Thema kommt zurück

Danach kehrt auch die zweite Melodie zurück, und auch sie bleibt nicht, wie sie war. Sie bekommt neue Farben von den Bläsern, und die Stimmung wird noch ein wenig wärmer und inniger. So wandert der Satz zwischen den beiden Themen hin und her, und jedes Mal zeigt sich eine neue Seite von ihnen. Das ist die eigentliche Geschichte dieses Satzes: Nichts bleibt gleich, und trotzdem fühlt sich alles vertraut an.

Abschnitt 5: Das vierte Horn bekommt seinen Auftritt

Im weiteren Verlauf des Satzes tritt das vierte Horn mit seinem großen Solo hervor. Es singt mit weichem, vollem Ton über den anderen Instrumenten, und für einen Augenblick scheint die ganze Musik den Atem anzuhalten. Hier verdichtet sich die Sehnsucht, die schon die erste Melodie in sich trug, zu etwas, das man fast mit den Händen greifen kann. Danach beruhigt sich alles wieder, und der Satz gleitet in sein sanftes Ende, als würde jemand leise die Tür hinter sich schließen.

Jetzt bist du dran

Und nun lade ich dich ein, diesen Satz selbst zu erleben, den III. Adagio Molto e Cantabile aus meiner Symphony No 9. Drück auf Play, lass dich einfach in die Musik fallen und nimm dir die Zeit, die sie braucht. Vielleicht denkst du beim Zuhören an das, was wir gerade besprochen haben, an die beiden Melodien, ihre Verwandlungen und das Solo des vierten Horns. Ich hoffe, dass dich diese Reise durch meinen Satz so bewegt, wie sie mich beim Schreiben bewegt hat.
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Ich hoffe, es hat dir Freude gemacht, mit mir den Satz III. Adagio Molto e Cantabile aus meiner Symphony No 9 zu entdecken. Wenn du jetzt an das Ende dieses ruhigen Satzes denkst, bleibt vielleicht noch ein wenig von seiner Sehnsucht in dir zurück. Das ist mir lieb, denn dieser Satz wirkt am stärksten, wenn man ihm einfach Zeit lässt. Du kannst ihn jederzeit noch einmal hören und dabei darauf achten, wie die beiden Themen wiederkehren und sich dabei jedes Mal ein wenig verändern. Vielleicht fällt dir dann auch das Solo des vierten Horns auf, das mitten im Satz hervortritt. Aber meine Symphony No 9 hat noch viel mehr zu bieten als diesen Satz. Da ist der Beginn mit den leeren Quinten, da ist das Scherzo mit seiner Fuge, und da ist das Finale, in dem zum ersten Mal in einer Symphonie menschliche Stimmen erklingen. Und auch die Geschichte dahinter, vom Auftrag aus London bis zur Uraufführung im Mai 1824 in Wien, ist eine Entdeckung wert. Klick dich deshalb gern durch die Links, die du hier findest, und erkunde weiter, was meine Symphony No 9 noch für dich bereithält.