Mit Chor und Freudenfunken bei Beethovens Symphony No 9
Die Hintergründe

Symphony No. 9 in D minor, Op. 125 ("Choral")

Beethoven erzählt die Hintergründe zu Symphony No 9
Ich bin Ludwig van Beethoven, und hier erzähle ich dir die Vorgeschichte meiner Symphony No 9. Du erfährst, wie ich es gewagt habe, in einer Symphonie zum ersten Mal Menschenstimmen singen zu lassen, und warum du dieses Wagnis im Finale noch heute spürst. Hier auf der Seite zeigen dir meine Komponistenkollegen und ich, wie du unsere Stücke erkennst, sobald sie erklingen, und  im Trainer  darfst du dich gleich daran versuchen.
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Ein Auftrag aus London

Am 9. Juni 1817 schrieb mir Ferdinand Ries im Namen der Philharmonic Society of London und bat mich um zwei große Symphonien, die Eigentum der Gesellschaft bleiben sollten. Fertig geworden ist am Ende nur eine, nämlich die Neunte. Einiges von dem, was für die zweite gedacht war, ist trotzdem in sie hineingewandert. Und eine Zehnte habe ich wenigstens angefangen zu skizzieren, auch wenn daraus nie etwas wurde.

Gut Ding will Weile haben

Meine ersten Skizzen stammen aus dem Jahr 1815, und danach ließ mich die Sache lange nicht in Ruhe, kam aber auch kaum voran. Krankheit, der Streit um die Vormundschaft für meinen Neffen Karl und Geldsorgen haben mir immer wieder die Zeit und die Nerven geraubt. Erst im Herbst 1822 habe ich die Arbeit wieder richtig aufgenommen. Anfang 1824 war die Symphonie dann fertig, ob im Februar oder im März, darüber streiten sich die Quellen bis heute.

Ein Gedicht, das mich nicht losließ

Das Gedicht „An die Freude“ hatte Friedrich Schiller schon 1785 geschrieben, lange bevor meine Symphonie existierte. Ich habe mehrfach versucht, es zu vertonen, und bin jedes Mal nicht ganz zufrieden gewesen. Erst im Finale der Neunten habe ich die richtige Form dafür gefunden. Und weil mir Schillers Verse als Einstieg nicht genügten, stammen die ersten Worte des Baritons, „O Freunde, nicht diese Töne!“, von mir selbst.

Vier Sätze, vier Stimmungen

Eine Symphonie besteht aus Sätzen, das sind große Abschnitte mit einer kleinen Pause dazwischen, ähnlich wie die Gänge eines Menüs, von denen jeder anders schmeckt. Der erste Satz ist der ernste, gewaltige Auftakt in d-Moll, und der zweite, das Scherzo, ist ein flinker, dunkler Wirbel, der mit einer Fuge beginnt. Im dritten Satz, dem Adagio, wird es ruhig und sehnsüchtig, denn dort variiere ich zwei Melodien nacheinander, und das vierte Horn bekommt ein schönes Solo. Das Finale beginnt mit Chaos, die tiefen Streicher blicken auf die früheren Sätze zurück und weisen sie ab, und dann setzt das Thema der Freude ein, das am Ende vom Chor und den vier Solisten getragen wird.

Stimmen in der Symphonie

Zu meiner Zeit war es ungewöhnlich, dass in einer Symphonie gesungen wird, denn zum ersten Mal überhaupt kam hier eine menschliche Stimme vor. Dazu habe ich das größte Orchester aufgeboten, das ich je verwendet habe, mit Piccolo, Kontrafagott, Triangel, großer Trommel und Becken. Becken und große Trommel erinnern dabei an türkische Musik. Wer das zum ersten Mal hört, merkt schnell, dass hier etwas anderes beginnt als in einer gewöhnlichen Symphonie.

Der Dirigent, den ich nicht hörte

Uraufgeführt wurde die Neunte am 7. Mai 1824 im Kärntnertor Theater in Wien. Dirigiert hat Michael Umlauf, ich selbst stand zwar mit auf der Bühne, aber ich habe das Orchester nicht mehr gehört. Mein Gehör hatte schon um 1798 angefangen nachzulassen, und bis zu diesem Abend war davon nicht viel übrig geblieben. Es war also eine der merkwürdigsten Situationen meines Lebens, bei einem Konzert zu stehen, dessen Musik ich nur im Kopf hatte.

Umgedreht zum Applaus

Als Solisten sangen Henriette Sontag, Caroline Unger, Anton Haizinger und Joseph Seipelt, und die beiden Damen waren noch erstaunlich jung, Sontag war 18 und Unger 20. Nach dem Schluss soll Caroline Unger mich zum Publikum umgedreht haben, damit ich sehe, was ich nicht hören konnte. Die Geschichte erzählt, dass die Leute jubelten, Hüte und Taschentücher schwenkten und sich gleich mehrmals zum Beifall erhoben. Ob es genau so war, weiß niemand sicher, aber ein schönes Bild ist es allemal.

Weiter nach London und Berlin

Die Aufführung in London folgte am 21. März 1825 unter George Smart, und damit war der Auftrag von damals immerhin nicht ganz vergessen. Gewidmet habe ich die Symphonie König Friedrich Wilhelm III. von Preußen. Gedruckt hat sie der Verlag Schott, der die Stimmen und die Partitur als Erstausgaben herausbrachte. Wer sie heute spielt, braucht je nach Tempo gut eine Stunde, meistens rechnet man mit etwa 65 Minuten, manche Quellen nennen auch länger.

Eine Melodie für ganz Europa

Am 12. Januar 1972 hat der Europarat die Melodie der Ode an die Freude zu seiner Hymne gemacht, in einer Bearbeitung für Instrumente von Herbert von Karajan. Im Juni 1985 entschieden die Staats- und Regierungschefs beim Europäischen Rat, dass dieselbe Hymne auch für die Europäische Gemeinschaft gelten soll. Offiziell eingeführt wurde sie am 29. Mai 1986 bei einer Feier in Brüssel. Dass meine Melodie heute ohne Worte so vielen Menschen gehört, hätte ich mir 1824 nicht träumen lassen.

Was bleibt

Meine handgeschriebene Partitur der Neunten wurde 2001 in das Register Memory of the World der UNESCO aufgenommen, nachdem Deutschland sie im Jahr 2000 vorgeschlagen hatte. Das ist eine besondere Ehre für ein Stück Papier. Ich selbst starb am 26. März 1827 in Wien, nur wenige Jahre nach der Uraufführung. Die Neunte aber wird noch immer gespielt, und jedes Mal, wenn der Chor einsetzt, scheint sie ein bisschen neu zu beginnen.
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Wenn ich heute auf meine Symphony No 9 zurückblicke, staune ich noch immer, wie lang der Weg von der ersten Skizze bis zum fertigen Werk war. Im Mai 1824 stand ich dann in Wien auf der Bühne und konnte weder das Orchester noch den Beifall hören. Man erzählt sich, dass eine der Sängerinnen, Caroline Unger, mich zum Publikum umgedreht hat, damit ich wenigstens sehen konnte, wie die Menschen jubelten. Ob es genau so war, weiß niemand sicher, aber ich erzähle die Geschichte gern weiter. Hat dir der Blick hinter die Kulissen meiner Symphony No 9 gefallen? Mir bedeutet es viel, dass diese Musik noch heute Menschen zusammenbringt, und die Melodie der Freude ist inzwischen sogar zur Hymne Europas geworden. Es gibt noch vieles an dieser Symphonie zu entdecken, etwa die vier Sätze mit ihren ganz eigenen Stimmungen, die Variationen im langsamen Satz oder die Frage, wie ich im Finale die Stimmen des Chores mit dem Orchester verbunden habe. Wenn du neugierig geworden bist, klick einfach auf die Links, die ich dir hier bereitgestellt habe. Dort kannst du weiterhören, weiterlesen und die Symphony No 9 noch ein Stück besser kennenlernen.