Aufgeschreckt von einem Paukenschlag bei Haydns Symphony No 94 in G major, Hob. I:94 "Surprise"
IV. Finale: Allegro di molto
Symphony No. 94 in G major, Hob. I:94

Ich bin Joseph Haydn, und jetzt erkläre ich Ihnen den vierten Satz meiner Sinfonie Nr. 94, das Finale: Allegro di molto. Sie hören ein Finale in Sonatenrondoform, in dem die Anfangstakte mitten in der Durchführung wiederkehren und die Pauken am Ende die Musik überraschend nach Es-Dur treiben. Wer meine Stücke und die meiner Kollegen schon beim Hören erkennen möchte, kann das auf dieser Seite lernen, und der beste Einstieg ist ein Besuch im Trainer .
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Ohren auf, das Tempo zieht an
Hören Sie im Finale zuerst auf die Streicher, denn sie laufen mit dem munteren Hauptthema los und geben das Tempo vor. Flöten und Oboen setzen helle Tupfer darüber, und Hörner und Trompeten sorgen für Glanz und Schwung. Die Pauken halte ich lange im Hintergrund, aber merken Sie sich, dass sie da sind, denn am Ende haben sie noch etwas vor. Achten Sie außerdem darauf, wie oft Ihnen der Anfang wieder begegnet, denn wer dieses Thema einmal erkannt hat, findet sich im ganzen Satz zurecht.Warum ein Schluss so flott sein muss
„Finale“ heißt schlicht „Schluss“, und nach drei Sätzen soll der Schluss die Zuhörer noch einmal frisch und fröhlich entlassen. „Allegro di molto“ bedeutet etwa „lebhaft, und zwar sehr“, und genau so soll sich der Satz anfühlen. Den Beinamen „Surprise“ trägt die Sinfonie zwar wegen des Andante, aber auch im Finale halte ich noch eine Überraschung bereit. Es heißt, ich wollte das Publikum in London überraschen, und dazu gehört ein Ende, an das man sich gern erinnert.Ein Rondo mit dem Ehrgeiz einer Sonate
Für dieses Finale habe ich die Sonatenrondoform gewählt, eine Mischung aus zwei Bauweisen. Vom Rondo stammt der Gedanke, dass ein Thema immer wieder zurückkehrt, und von der Sonate kommt der Teil, in dem das Material auseinandergenommen und neu zusammengesetzt wird. Ich erzähle Ihnen den Satz in fünf Abschnitten: Hauptthema, Gegenstück, Verarbeitung, Rückkehr und Schluss. Wir gehen sie nacheinander durch, und Sie werden merken, dass die Geschichte trotz der Fachwörter ganz einfach zu erzählen ist.Abschnitt 1: Das Thema, das sofort losmarschiert
Der Satz beginnt in G-Dur mit einem leichtfüßigen Hauptthema, das keine Zeit mit Vorreden verliert. Es ist so gebaut, dass man es nach wenigen Takten mitsummen könnte, und genau darauf kommt es an, denn es soll Ihnen im Ohr bleiben. Das Tempo ist von der ersten Note an hoch, und die Streicher halten es mit gleichmäßiger Energie. Merken Sie sich diese Melodie gut, denn sie ist der rote Faden für alles, was danach kommt.Abschnitt 2: Ein kurzer Ausflug mit Rückfahrkarte
Nach dem Hauptthema lasse ich die Musik einen Seitenweg einschlagen, auf dem sich Farbe und Stimmung ein wenig ändern. Hier haben die Bläser mehr Gelegenheit, sich zu zeigen, und das Ganze klingt etwas verspielter als der stürmische Anfang. Das Tempo bleibt dabei zügig, nur der Ton wird abwechslungsreicher, so wie eine Landstraße nach einer langen Geraden plötzlich ein paar Kurven bekommt. Sie ahnen es schon: Dieser Ausflug ist nicht für immer gedacht, und das Hauptthema wartet bereits auf seinen nächsten Auftritt.Abschnitt 3: Mitten im Durcheinander steht plötzlich der Anfang da
Jetzt wird es spannend, denn in der Durchführung nehme ich meine Themen auseinander und schaue, was sich alles mit ihnen anstellen lässt. Die Musik wandert dabei durch verschiedene Tonarten und klingt mal unruhig, mal geheimnisvoll. Mitten in dieser Verarbeitung kehren die Anfangstakte des Satzes zurück, als wäre ich nach einem Spaziergang unversehens wieder vor der eigenen Haustür angekommen. Wer das bemerkt, hat einen der Kunstgriffe dieses Satzes entdeckt und darf sich zu Recht ein wenig schlau fühlen.Abschnitt 4: Alte Bekannte kommen wieder
Nach der Verarbeitung kehrt das Hauptthema zurück, und diesmal fühlt es sich an wie die Heimkehr nach einer langen Reise. Auch das Gegenstück zeigt sich noch einmal, jetzt aber ganz vertraut und ohne den Charakter eines Gastes, der nur kurz vorbeischaut. Die Stimmung ist hier gelöst und heiter, weil Sie das Material nun schon kennen und nicht mehr rätseln müssen. Gerade darin liegt der Reiz, denn Sie hören das Bekannte jetzt mit ganz anderen Ohren als zu Beginn.Abschnitt 5: Die Pauken haben das letzte Wort
In der Coda ziehe ich noch einmal alle Register, und dabei treten die Pauken endlich aus dem Hintergrund hervor. Ein Paukenwirbel schiebt die Musik plötzlich nach Es-Dur, und das ist meine zweite Überraschung in dieser Sinfonie. Eben noch war alles im vertrauten G-Dur, und nun landet man auf einem ganz anderen Boden, den kaum jemand erwartet hat. Danach findet die Musik wieder zurück und beendet das Finale mit Schwung, so dass das Publikum mit einem Lächeln nach Hause geht.Jetzt sind Sie an der Reihe
Nun lade ich Sie ein, mein Finale selbst zu erleben, und dazu müssen Sie nur auf den Wiedergabeknopf drücken. Lassen Sie sich von der Musik forttragen und denken Sie beim Zuhören ruhig an das, was wir besprochen haben. Achten Sie auf das Thema, das immer wiederkehrt, und auf den Moment, in dem die Pauken das Ruder übernehmen. Ich hoffe, die Reise durch mein Finale macht Ihnen so viel Freude, wie sie mir beim Komponieren gemacht hat.---
Ich hoffe, es hat Ihnen gefallen, den Finalsatz meiner Sinfonie Nr. 94 in G-Dur, Hob. I:94 „Surprise“ auf diese Weise kennenzulernen. Wenn Sie jetzt an den Schluss denken, wo die Pauken den Satz vorantreiben und ein Wirbel die Musik überraschend nach Es-Dur lenkt, merken Sie vielleicht, dass ich mein Publikum auch am Ende noch einmal überraschen wollte. Ein Stück wie dieses wird beim Hören nie ganz ausgelesen, denn jedes Mal fällt einem eine andere Wendung auf, die man vorher überhört hat. Zu meiner Sinfonie Nr. 94 in G-Dur, Hob. I:94 „Surprise“ gibt es noch viel mehr zu entdecken, zum Beispiel, wie ich das Thema des Andante später in den „Jahreszeiten“ wieder aufgegriffen habe. Wenn Sie neugierig geworden sind, klicken Sie einfach auf die Links unten und entdecken Sie weitere Seiten zu meiner Sinfonie Nr. 94 in G-Dur, Hob. I:94 „Surprise“. Ich wünsche Ihnen viel Freude dabei und hoffe, dass Sie beim nächsten Hören noch mehr in dieser Musik finden.
