Teufelswerk auf vier Saiten mit Paganinis Caprice No 24
Der Hörführer
Caprice No. 24 in A minor, Op. 1, No. 24, MS 25

Hallo, ich bin Niccolò Paganini, und das hier ist mein Hörführer zu meiner Caprice No 24. Hier zeige ich dir, worauf du bei den elf Variationen achten kannst, damit du hörst, wie mein kurzes Thema auf der Sologeige jedes Mal ein völlig neues Gesicht bekommt. Außerdem helfen meine Komponistenkollegen und ich dir auf dieser Seite dabei, unsere Musik beim Hören sicher zu erkennen – schau doch mal im Trainer vorbei .
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Ein Ein-Mann-Orchester auf vier Saiten
Wenn du dir meine Caprice No 24 anhörst, wartest du vergeblich auf ein großes Orchester oder wenigstens ein begleitendes Klavier. Ich habe dieses Stück nämlich ganz allein für eine einzige unbegleitete Geige geschrieben, die hier völlig auf sich gestellt die ganze Arbeit erledigt. Achte beim Hören einfach mal darauf, wie dieses eine Instrument gleichzeitig die Hauptmelodie singt und sich selbst mit tiefen Tönen und vollen Griffen begleitet. Das ist ein bisschen so, als würde ein einzelner Kellner in einem vollbesetzten Gasthaus gleichzeitig kochen, zapfen und sämtliche Tische bedienen, ohne auch nur einen Tropfen zu verschütten.Nummer vierundzwanzig hat keinen Spitznamen nötig
Einen blumigen Titel habe ich meiner Caprice No 24 gar nicht erst gegeben, sondern sie schlicht als den letzten Streich meiner Sammlung Op. 1 durchnummeriert. Ein Capriccio ist in der Musik eigentlich eine kleine Laune oder ein freies Spiel mit den Möglichkeiten des Instruments, mit dem ich die Technik auf der Geige bis an ihre Grenzen ausreizen wollte. Im Verzeichnis von Maria Rosa Moretti und Anna Sorrento trägt das Werk zwar noch das nüchterne Kürzel MS 25, aber unter Musikern kennt man es einfach als das berühmte Thema mit Variationen aus meiner ersten Veröffentlichung. Während mir die Leute wegen meines Spiels rasch den Spitznamen The Devil's Violinist verpassten, kam mein bekanntestes Stück also ganz wunderbar mit einer schlichten Hausnummer aus.Elfmal umgezogen und doch derselbe Kerl
Für den Aufbau von Caprice No 24 habe ich weder eine strenge Sonate noch ein Rondo gewählt, sondern die Form von Thema und Variationen. Ich stelle dir am Anfang eine kurze, einprägsame Melodie vor und schicke sie danach durch elf völlig verschiedene Verwandlungen, bevor ein durchgehendes Finale den Deckel draufmacht. So bleibt der musikalische Grundgedanke immer derselbe, zeigt sich aber alle paar Sekunden in einem komplett neuen Gewand. In den nächsten Absätzen gehen wir diese Stationen gemeinsam durch, damit du genau weißt, worauf du bei diesem Ritt achten kannst.Abschnitt 1: Ein unscheinbarer Funke in a-Moll
Los geht es mit dem Thema im Zweivierteltakt, für das ich die Spielanweisung Quasi presto notiert habe, also beinahe so rasch wie irgend möglich. In der Tonart a-Moll klingt diese Eröffnung zwar leichtfüßig und scharf umrissen, hat aber auch einen leicht ernsten, drängenden Unterton. Die Melodie besteht aus kurzen, rhythmisch klaren Figuren, die sich sofort im Ohr festsetzen, ohne dass man dafür ein Musikstudium bräuchte. Ich halte diesen ersten Auftritt absichtlich ganz schlicht, wie ein Zauberer, der seinem Publikum erst einmal ausführlich seinen leeren Zylinder zeigt.Abschnitt 2: Aufwärmrunde mit Hindernissen
In den ersten Variationen bleibt das Stück weiterhin in a-Moll, doch die eben noch so übersichtliche Melodie wird sofort in rasende Tonleitern und gebrochene Akkorde, sogenannte Arpeggien, aufgelöst. Der Grundpuls bleibt derselbe, aber weil ich plötzlich viel mehr Noten in dieselbe Zeit packe, wirkt die Stimmung gleich deutlich atemloser und aufgeregter. Kurz darauf lasse ich die Geige in Oktaven und sogar in weiten Zehntelabständen parallel klettern, sodass es klingt, als würden zwei Spieler im perfekten Gleichschritt nebeneinander herlaufen. Spätestens bei den gebrochenen Oktaven merkt man, dass die gemütliche Vorstellungsrunde endgültig vorbei ist.Abschnitt 3: Wenn die linke Hand fremdgeht
Mitten im Stück wechselt der Charakter in den weiteren Variationen immer wieder zwischen wuchtigen Doppel- und Dreifachgriffen und schwindelerregend hohen Lagen. Besonders stolz bin ich auf die neunte Variation, in der ich gestrichene Bogentöne blitzschnell mit Tönen abwechsle, die ich direkt mit den Fingern der linken Hand anreißend zupfe. Für deine Ohren entsteht dadurch ein ganz eigener, fast schelmischer Klang, als würden sich eine Geige und eine kleine Gitarre ein Wortgefecht liefern. Kurz darauf beruhigt sich das Tempo scheinbar ein wenig, wenn die Melodie in extrem hoher Lage fast schwebend über dem Griffbrett singt, bevor der Sturm von neuem losbricht.Abschnitt 4: Sonnenschein auf der Zielgeraden
Nach der elften Variation mündet das Stück ohne Pause direkt in das Finale, und hier gönne ich uns endlich einen leuchtenden Stimmungswechsel. Ich wende die Tonart nämlich vom dunkleren a-Moll ins helle, strahlende A-Dur, was sich anfühlt, als würde man nach einer langen Nachtfahrt plötzlich die Fensterläden weit aufreißen. Noch einmal jagen schnelle Läufe und weit gespannte Akkorde über alle vier Saiten, aber jetzt klingt alles nicht mehr grüblerisch, sondern offen und triumphierend. Mit ein paar kräftigen, entschlossenen Schlussakkorden bringe ich meine Geige schließlich sicher ins Ziel.Jetzt bist du an der Reihe
Nun lade ich dich herzlich ein, meine Caprice No 24 einfach selbst auf dich wirken zu lassen. Drück auf den Startknopf und tauch ganz entspannt in dieses kleine Abenteuer für vier Saiten ein. Vielleicht behältst du beim Zuhören ja ein paar der Kniffe im Hinterkopf, über die wir gerade gesprochen haben. Ich hoffe sehr, dass dir diese Reise durch meine Caprice No 24 genauso viel Freude macht wie mir damals, als ich sie mir ausgedacht habe!---
Hat es dir Freude gemacht, gemeinsam mit mir genau hinzuhören, wie meine Caprice No 24 aufgebaut ist? Hinter den elf Variationen und diesem letzten Ritt auf den vier Saiten steckt aber noch so manche Geschichte, die wir hier noch gar nicht gestreift haben. Klick dich einfach durch die Links hier auf der Seite, wenn du noch mehr über meine Caprice No 24 herausfinden möchtest.
