Familienkrach in Verona bei Prokofievs Romeo & Juliet
Death of Tybalt
Romeo and Juliet, Op. 64, ballet in four acts

Ich bin Prokofiev, und jetzt erkläre ich dir den Death of Tybalt aus meinem Ballett Romeo & Juliet. Du hörst, wie Mercutio das Duell zuerst zu einem possenhaften Tanz macht, bevor er erstochen wird, und gerade dieser Kontrast zeigt dir, wie schnell aus Spaß blutiger Ernst werden kann. Falls du Lust hast, selbst zu erleben, wie du Stücke wie dieses erkennen lernst, dann ist ein kurzer Test im Trainer ein guter Anfang, denn dabei helfen dir hier alle meine Komponistenkollegen und ich.
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Pauken, Kornett und ein Hauch von Panik
Bevor du auf Play drückst, verrate ich dir, worauf du bei Death of Tybalt achten kannst. Hör zuerst auf die Pauken, denn sie geben dem Duell sein Gewicht und setzen die Schläge, die man fast im Bauch spürt. Dazu kommt ein Kornett, das sich mit seinem Solo aus dem Orchester löst und über dem Getümmel klingt wie eine einzelne Stimme, die jemand quer über einen Platz ruft. Achte außerdem auf das übrige Orchester, das in diesem Stück kaum Atem holt und die Musik rastlos vor sich hertreibt.Warum der Tote im Titel steht
Den Titel Death of Tybalt habe ich gewählt, weil in dieser Szene am Morgen nach der heimlichen Hochzeit von Romeo und Julia alles auf diesen einen Augenblick zuläuft. Zwar stirbt vorher schon Mercutio, aber erst Tybalts Tod entscheidet, wie es weitergeht, denn danach wird Romeo verbannt. Ich wollte, dass man schon am Titel hört, dass hier keine Rauferei zu Ende geht, sondern etwas geschieht, das sich nicht mehr zurücknehmen lässt. Ein harmloser Titel wie Das Duell hätte der Musik die Schwere genommen, und die braucht sie.Die Form folgt der Handlung
Bei der Form von Death of Tybalt wollte ich keine festen Schablonen, denn für Schablonen ist ein Duell auf Leben und Tod nicht gemacht. Deshalb folge ich dem Geschehen auf der Bühne, und die Musik gliedert sich in vier Abschnitte, die sich wie Kapitel einer Erzählung aneinanderreihen. Zuerst kommt Mercutios Tanz, dann das wilde Duell, danach die wuchtigen Schläge, die Tybalts Ende besiegeln, und zuletzt der Trauermarsch. Auf jeden dieser Abschnitte gehe ich gleich einzeln ein, damit du beim Hören den Faden nicht verlierst.Abschnitt 1: Mercutio macht aus dem Ernst einen Tanz
Die Szene beginnt noch fast übermütig, denn Mercutio verwandelt das Duell in einen possenhaften Tanz. Die Musik hüpft und neckt, als wollte er Tybalt mit jedem Schritt zeigen, wie wenig er ihn ernst nimmt. Gerade diese Leichtigkeit macht den Moment später so schwer zu ertragen, denn Mercutio wird erstochen. Wenn du genau hinhörst, spürst du, wie das Spielerische kippt und etwas Bedrohliches durch die heitere Oberfläche scheint.Abschnitt 2: Das Duell kennt keine Pause
Jetzt wird die Musik schnell und wild, ein Perpetuum mobile, das nicht mehr stehen bleibt. Das Orchester jagt dahin, die Pauken stoßen dazwischen, und das Kornett schickt sein Solo darüber wie einen Schrei. Romeo hat gerade seinen Freund verloren und kämpft nun selbst, und die Musik lässt ihm keine Zeit zum Nachdenken. Ich verzichte hier bewusst auf jede Atempause, damit du hörst, wie Wut den Kopf leer macht.Abschnitt 3: Fünfzehn Mal ist genug
Dann weicht die Raserei, und Romeo besiegt Tybalt unter fünfzehn massiven Orchesterschlägen. Zähl ruhig mit, denn jeder dieser Schläge fällt wie ein schweres Gewicht und lässt keinen Zweifel daran, dass es vorbei ist. Nach dem Tempo des Duells wirkt jeder Abstand zwischen den Schlägen wie ein Innehalten, in dem die Tat erst begreifbar wird. Hier erzähle ich nicht mit einer Melodie, sondern mit Lautstärke und Stille.Abschnitt 4: Der Marsch, der nachhallt
Auf die Schläge folgt ein eindringlicher Trauermarsch, langsam und schwer, ganz anders als alles, was davor erklingt. Das Tempo ist nun gemessen und die Stimmung düster, und es klingt, als ziehe ein langer Zug hinter dem Toten her. Für Romeo ist der Sieg nichts wert, denn er wird verbannt, und diese Folge schwingt in jedem Schritt des Marsches mit. So endet die Szene nicht mit Triumph, sondern mit Trauer, und genau das war meine Absicht.Jetzt bist du dran
Jetzt lade ich dich ein, Death of Tybalt selbst zu erleben. Drück auf Play und lass dich von der Musik mitnehmen, ohne dass du etwas wissen oder mitzählen musst. Behalte beim Hören ruhig im Kopf, was wir besprochen haben: Mercutios Tanz, das Duell, die Schläge und den Marsch. Ich hoffe, dass dich die Reise durch diese Szene so packt, wie sie mich gepackt hat, als ich sie geschrieben habe.---
Nun ist der Kampf zwischen Romeo und Tybalt verklungen, und ich hoffe, die Stille danach klingt bei dir noch ein wenig nach. Hat dir dieser Streifzug durch den Death of Tybalt aus Romeo & Juliet gefallen? Mir liegt gerade dieser Moment am Herzen, weil in ihm alles kippt: Eben noch tanzt Mercutio übermütig, und kurz darauf bleibt Romeo nur noch die Verbannung. Das ganze Ballett dauert etwa 130 Minuten, und dieser Auftritt ist nur ein kleiner Ausschnitt davon. Es gibt also noch viel mehr zu entdecken, zum Beispiel, wie ich das Ende später wieder so tragisch gemacht habe, wie Shakespeare es geschrieben hat. Auch die Orchestersuiten, in die ich die Musik verwandelt habe, haben ihre eigene Geschichte. Wenn du Lust hast, weiterzuhören und weiterzulesen, klick einfach auf die Links hier unten. Ich freue mich, wenn du dich noch ein Stück tiefer in Romeo & Juliet hineinwagst.
