Familienkrach in Verona bei Prokofievs Romeo & Juliet
Dance of the Knights

Romeo and Juliet, Op. 64, ballet in four acts

Prokofiev präsentiert einen Hörführer zu Dance of the Knights aus Romeo & Juliet
Ich bin Prokofiev, und jetzt erkläre ich dir den Dance of the Knights aus meinem Ballett Romeo & Juliet. Du erfährst, dass dieser schwere Marsch der Capulets heute als Hymne bei den Heimspielen des Fußballclubs Sunderland erklingt, und danach hörst du ihn bestimmt ganz neu. Hier auf der Seite bringen dir meine Komponistenkollegen und ich bei, Stücke beim Hören zu erkennen, und wie gut das schon klappt, zeigt dir  ein Versuch im Trainer .
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Ohren auf, Marsch voraus

Bevor es losgeht, verrate ich dir, worauf du beim Dance of the Knights achten kannst: Ganz unten arbeiten die tiefen Blechbläser, und sie tragen den ganzen Marsch auf ihren Schultern. Darüber hörst du Töne, die wie gebrochene Akkorde in großen Schritten voranschreiten, und das Schlagwerk setzt dazu seine Akzente. Mitten im Stück wird es plötzlich leiser, und dann klingt eine Celesta, die aussieht wie ein kleines Klavier und klingt wie eine Spieluhr, der man nicht ganz über den Weg traut. Die Melodie kennst du vielleicht sogar schon, denn sie ist die Titelmusik der Fernsehsendung The Apprentice, und wer die Sendung einmal eingeschaltet hat, hat mich also längst gehört.

Warum Ritter, und warum so schwer?

Den Titel Dance of the Knights habe ich gewählt, weil in dieser Szene die Männer der beiden verfeindeten Familien feierlich und mit stolz erhobenem Kopf durch den Saal schreiten. Es ist der Ball im ersten Akt, auf dem Romeo und Julia sich zum ersten Mal begegnen, und dieser Marsch ist gewissermaßen der Rahmen, in dem das geschieht. In der Partitur des ganzen Balletts steht der Tanz unter dem Namen „Montagues and Capulets“ und trägt die Nummer 13, was auf dem Papier freundlicher aussieht, als die Musik klingt. Die Ritter im Titel sollen dir zeigen, dass hier nicht einfach Gäste tanzen, sondern zwei Familien, die einander nichts schenken.

Die Form: ein Marsch

Bei der Form habe ich mir keine Mühe gegeben, einem Lehrbuch zu gefallen, denn dieser Tanz ist vor allem ein Marsch. Er ist ein Marsch mit der Vortragsbezeichnung Allegro pesante, also ein zügiges, aber wuchtiges Tempo, das eher wie ein schwerer Schritt als wie ein Hüpfen wirkt. Der Aufbau ist leicht zu verfolgen: erst ein harter Auftakt, dann der Marsch, dann ein unruhiger Mittelteil und zuletzt die Rückkehr zur schweren Gangart. Ich gehe diese Abschnitte gleich einzeln mit dir durch, und du wirst merken, dass sie zusammen eine kleine Geschichte erzählen.

Abschnitt 1: Wenn schon der erste Ton Ärger bedeutet

Der Anfang ist ein schroffer, dissonanter Akkord, der für den Zorn des Fürsten steht, der die Streitereien in Verona satt hat. Er klingt nicht nach Auflösung, sondern nach einer Warnung, und deshalb gibt es hier nichts, worauf du dich beruhigt zurücklehnen könntest. Das Tempo ist von Anfang an schwer und gewichtig, so wie es die Bezeichnung Allegro pesante verlangt. Die Stimmung ist angespannt und streng, und genau so soll die Geschichte beginnen, bevor überhaupt jemand getanzt hat.

Abschnitt 2: Der Marsch hält nichts von Zehenspitzen

Nun beginnt der eigentliche Marsch, in dem die tiefen Blechbläser den Takt vorgeben und die Musik in großen, weit ausholenden Schritten vorwärtsgeht. Etwas Stolzes liegt darin, aber auch etwas Drohendes, denn man hat diesen Marsch schon als schwer und ächzend beschrieben, und das trifft es ziemlich gut. Das Tempo bleibt gleichmäßig und unnachgiebig, damit du das Gefühl bekommst, dass hier jemand seinen Platz behaupten will. Wenn du in diesem Teil den Fuß mitwippen lässt, tust du das bitte mit Respekt vor den Rittern.

Abschnitt 3: Die Spieluhr, die zu leise lächelt

In der Mitte des Stücks ändert sich die Stimmung deutlich, denn jetzt kommt die Celesta und mit ihr ein Klang, der zart wirkt und trotzdem beunruhigt. Das Tempo des Marsches bleibt im Hintergrund spürbar, aber die Wucht tritt zurück, und es entsteht der Eindruck, dass hinter der festlichen Fassade etwas lauert. Mir kam es hier darauf an, dass man dem Ball nicht ganz traut, obwohl er glänzt, denn die Feindschaft der Familien ist ja nicht verschwunden, nur weil Musik spielt. Dass genau auf diesem Ball die beiden Liebenden zueinanderfinden, macht diese ungemütliche Stelle im Rückblick noch ein wenig bedeutungsvoller.

Abschnitt 4: Der Marsch kommt zurück und bleibt, wie er ist

Zum Schluss kehrt die schwere Marschmusik zurück, und die Spieluhr verstummt, als hätte man ihr den Deckel zugeklappt. Die Wucht ist wieder da, und mit ihr der Stolz der beiden Familien, die sich auch in diesem Moment kein Stück näherkommen. Nichts in diesem Ende deutet auf Versöhnung hin, und das ist Absicht, denn die Geschichte endet im vierten Akt ja bekanntlich tragisch. Danach folgt im ersten Akt die Balcony Scene, die so zart beginnt, dass dir der Kontrast sicher auffällt.

Jetzt bist du dran

Nun lade ich dich ein, den Dance of the Knights selbst zu erleben, also drück auf Play und lass dich von der Musik mitnehmen. Vielleicht denkst du beim Hören an das, was wir besprochen haben: an den schroffen Akkord, den schweren Marsch und die Celesta, der man nicht ganz traut. Ich hoffe, dass dich die Reise durch meinen Dance of the Knights ebenso packt, wie sie mich beim Komponieren gepackt hat. Und wenn du danach noch nicht genug hast, kannst du ruhig noch einmal von vorn beginnen, denn der Marsch wartet geduldig auf dich.
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Wenn der Marsch des Dance of the Knights verklingt, bleibt für mich das Bild eines Ballsaals zurück, in dem zwei Familien nebeneinander stehen und sich nicht aus den Augen lassen. Genau dort, mitten im Prunk dieses Festes, begegnen sich Romeo und Julia zum ersten Mal, und niemand ahnt, wie viel Not aus diesem Moment entstehen wird. Hat dir dieser kleine Rundgang durch den Dance of the Knights gefallen? Ich hoffe es sehr, denn in Romeo & Juliet gibt es noch viel mehr zu entdecken. Die Balcony Scene, in der die Nacht ganz still wird, klingt zum Beispiel völlig anders als der Ball, und im Death of Tybalt tobt ein Duell, das keinen Atem lässt. Auch die Geschichte, warum meine Musik zuerst als untanzbar galt, lohnt sich, wenn du wissen möchtest, wie ein Ballett zum Konzertstück werden kann. Klick einfach auf die Links unten, dann kannst du dich weiter durch Romeo & Juliet hören und lesen. Ich freue mich, wenn du bald wiederkommst.