Vaters Herz erweichen mit Puccinis O mio babbino caro
Der Hörführer

O mio babbino caro

Puccini präsentiert einen Hörführer zu O mio babbino caro
Ich bin Giacomo Puccini, und dies ist mein Hörführer zu meiner Sopranarie O mio babbino caro. Hier zeige ich dir, wie ich Harfe und Streicher zu einem weichen Klangteppich verwebe, damit eine schlaue Tochter ihren Vater mit süßen Tönen weichkocht. Außerdem lernst du hier auf der Seite mit mir und meinen Komponistenkollegen, wie du unsere Musik beim ersten Hören erkennen kannst –  teste gleich mal den Trainer .
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Ein Orchester auf Samtpfoten

Wenn du dir mein O mio babbino caro anhörst, achte mal nicht nur auf den Sopran, sondern auch auf den warmen Klangteppich direkt darunter. Ich lasse die ersten Violinen, die Celli und die Harfe die Singstimme in Oktaven begleiten, damit die Melodie noch ein bisschen runder und schmelzender klingt. Die übrigen Streicher spielen dazu sanft wogende gebrochene Akkorde in Triolen, die dich wie ein ruhiges Boot übers Wasser tragen. Meine Holzbläser und Hörner tupfen im Hintergrund nur zarte Farben hinein, schließlich soll hier nichts das große Bitten meiner Sängerin übertönen.

Wenn Töchter plötzlich ganz lieb werden

Den Titel O mio babbino caro habe ich direkt aus der ersten Textzeile von meinem Librettisten Giovacchino Forzano übernommen, und er bedeutet schlicht „Oh, mein lieber Papa“. Jeder Vater auf der Welt weiß sofort, dass nach so einer zuckersüßen Anrede meistens ein ziemlich teurer Wunsch folgt. In meiner Oper Gianni Schicchi will die junge Lauretta ihren Vater nämlich genau in diesem Moment dazu bringen, ihr bei der Heirat mit ihrem geliebten Rinuccio zu helfen. Der Name des Stücks verrät also schon beim ersten Ton das ganze kleine Schauspiel, mit dem eine Tochter ihren sturen Vater kunstvoll weichklopft.

Kurz, schmerzlos und ohne Umwege

Die passende Form für O mio babbino caro zu finden war ein kleines Abenteuer für sich, denn mitten in einer rasanten Komödie wollte ich den Betrieb nicht mit einer komplizierten Sonate oder einem Rondo aufhalten. Stattdessen habe ich das Stück einfach durchkomponiert und alles aus einem einzigen großen Melodiebogen entwickelt, der sich immer weiter aufschwingt. Nach einer winzigen Einleitung wiederhole und erweitere ich meinen ersten musikalischen Gedanken in drei fließenden Schritten, bis nach gerade einmal 32 Takten schon alles gesagt ist. Ich nehme dich jetzt einfach Schritt für Schritt mit durch diese einzelnen Abschnitte, damit du genau hörst, wie diese kleine musikalische Überredungskunst funktioniert.

Abschnitt 1: Erst mal tief durchatmen

Ich eröffne die Arie mit einem kurzen Orchestervorspiel von nur fünf Takten, das noch in Es-Dur steht und mit Andante sostenuto überschrieben ist. Auf der Bühne ging es kurz davor noch ziemlich hitzig zu, deshalb ziehe ich mit diesen ruhigen Takten erst einmal kräftig die Handbremse an. Mit dem sechsten Takt wechsle ich dann nach As-Dur in einen wiegenden 6/8-Takt und gebe die Anweisung Andantino ingenuo, das Ganze soll also ganz unschuldig und treuherzig klingen. Wenn der Sopran hier mit seinem ersten Bogen einsetzt, schaut man förmlich in zwei riesige Dackelaugen, denen man einfach keinen Wunsch abschlagen kann.

Abschnitt 2: Die Daumenschrauben werden angezogen

Kaum hat meine Sängerin ihren ersten Satz beendet, greife ich dieselbe Melodie sofort wieder auf, schraube sie aber ein gutes Stück höher. Hier geht es nämlich ans Eingemachte, denn Lauretta redet von der Porta Rossa, wo sie endlich ihren Ehering kaufen möchte. Damit ihr Vater den Ernst der Lage begreift, klettert der Sopran bis zum hohen As hinauf und legt plötzlich eine ordentliche Portion großes Drama in die Stimme. Kurz darauf droht sie sogar an, sich vom Ponte Vecchio direkt in den Arno zu stürzen, was bei dieser herrlich schwelgerischen Musik natürlich kein Mensch im Saal wirklich ernst nimmt.

Abschnitt 3: Der letzte Seufzer sitzt

Nach diesem großen Gefühlsausbruch kehre ich noch einmal zur vertrauten Anfangsmelodie zurück, als müsste sich Lauretta erst einmal selbst die Tränen aus dem Gesicht wischen. Die Streicher und die Harfe nehmen das Thema noch einmal ganz warm und innig auf, während die Stimme wieder sanfter wird und um Mitleid bittet. Ganz am Ende lasse ich die Melodie noch ein letztes Mal kurz aufblühen, bevor sie auf einem langen, leisen Ton im reinen As-Dur zur Ruhe kommt. Spätestens bei diesem letzten verklingenden Akkord ist nicht nur der Vater auf der Bühne völlig machtlos, sondern meistens auch das gesamte Publikum im Opernhaus.

Jetzt bist du an der Reihe

Nun lade ich dich herzlich dazu ein, dir mein O mio babbino caro einfach selbst anzuhören. Drück auf den Startknopf, lehn dich zurück und lass dich für knapp drei Minuten voll und ganz in diese Musik fallen. Behalte beim Zuhören ruhig ein wenig im Hinterkopf, worüber wir uns gerade unterhalten haben. Ich hoffe sehr, dass dir dieser kleine Ausflug durch mein O mio babbino caro genauso viel Freude macht wie mir damals, als ich die Noten aufs Papier gebracht habe!
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Hat es dir Freude gemacht, gemeinsam mit mir genau hinzuhören, wie ich O mio babbino caro Note für Note aufgebaut habe? Hinter diesen paar Minuten Musik stecken aber noch einige weitere Geschichten und schöne Details, die du dir zu O mio babbino caro anschauen kannst. Klick dich einfach durch die Links hier auf der Seite, wenn du O mio babbino caro noch ein Stück weiter entdecken möchtest.