Tagträumen mit offenen Augen bei Schumanns Träumerei
Der Hörführer

Kinderszenen, Op. 15, No. 7

Schumann präsentiert einen Hörführer zu Träumerei
Schön, dass du da bist: Ich bin Robert Schumann, und dies ist mein Hörführer zu meiner Träumerei. Hier zeige ich dir, worauf du beim Zuhören achten kannst, damit dir auffällt, wie drei schlichte Abschnitte in F-Dur am Klavier eine so tiefe Ruhe ausstrahlen. Auf dieser Seite bringen andere Komponisten und ich dir außerdem bei, unsere Stücke beim Hören sicher zu erkennen –  teste gleich den Trainer , wenn du Lust hast.
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Zehn Finger ersetzen das ganze Orchester

Für meine Träumerei brauche ich kein großes Orchester, sondern nur ein einziges Klavier, das hier die ganze Arbeit allein übernimmt. Wenn du zuhörst, achte einfach darauf, wie die rechte Hand die singende Hauptmelodie trägt, während die linke Hand darunter einen weichen Teppich aus warmen Klängen ausrollt. Später haben Kollegen das Stück zwar oft für Streichorchester, Cello oder Violine bearbeitet, aber am Klavier bist du meinen ursprünglichen Gedanken am nächsten. Du musst beim Hören auch gar nicht nach komplizierten Regeln suchen, sondern kannst dich einfach zurücklehnen wie in einen bequemen Ohrensessel.

Erst die Töne, dann das Namensschild

Viele Leute glauben ja, ich hätte mir zuerst ein hübsches Bild ausgedacht und danach passend zur Überschrift komponiert, wie es der Berliner Kritiker Ludwig Rellstab damals prompt missverstanden hat. In Wahrheit habe ich im Februar 1838 in Leipzig erst die Musik komplett fertiggeschrieben und ihr erst ganz zum Schluss den Namen Träumerei gegeben. Der Titel ist also kein strenges Programm, sondern eher ein kleiner Fingerzeig für dich, damit du beim Hören gleich in die richtige Stimmung findest. Genau in die Mitte meiner dreizehnteiligen Reihe Kinderszenen, Op. 15, gesetzt, lädt dieser siebte Teil uns Erwachsene dazu ein, uns wehmütig an die eigene Kindheit zurückzuerinnern.

Drei Zimmer auf kleinstem Raum

Bei der Form habe ich mich weder für eine verwickelte Sonate noch für ein Rondo entschieden, sondern für einen schlichten dreiteiligen Aufbau nach dem Muster A-B-A'. Das gesamte Stück kommt mit gerade einmal vierundzwanzig Takten aus, die sich ordentlich in drei Abschnitte zu je acht Takten gliedern. Das ist im Grunde wie ein kurzer Spaziergang, bei dem man von zu Hause aufbricht, kurz um den Block biegt und gleich wieder vor der eigenen Haustür steht. Schauen wir uns diese drei kleinen Stationen jetzt einfach nacheinander an, damit du unterwegs jede feine Wendung wiedererkennst.

Abschnitt 1: Gemütlicher Start in F-Dur

Im ersten Abschnitt von acht Takten legen wir in einem freundlichen F-Dur und im ruhigen Viervierteltakt los, wobei ich diese Passage direkt noch einmal wiederholen lasse. Ich habe damals übrigens gar keine wörtliche Tempobezeichnung in die Noten geschrieben, sondern nur den Metronomwert von hundert Viertelschlägen pro Minute notiert. Bis heute rätseln die Leute, ob mein Metronom vielleicht kaputt war, weil fast alle Pianisten meine Musik viel langsamer spielen, als diese Zahl eigentlich vorgibt. Die Melodie schraubt sich hier in einem weiten Bogen sanft nach oben und bringt sofort eine tiefe, friedliche Ruhe in den Raum.

Abschnitt 2: Wenn die Gedanken kurz abschweifen

In den nächsten acht Takten behalten wir zwar das ruhige Grundtempo bei, aber harmonisch verlassen wir das vertraute F-Dur für einen kleinen Ausflug. Die Melodie klettert noch einmal nach oben, biegt dann aber in schattigere Tonarten ab, wodurch die Stimmung auf einmal etwas fragend und sehnsüchtig wirkt. Das fühlt sich ein bisschen an wie eine kleine Wolke, die an einem warmen Nachmittag kurz vor die Sonne zieht. Kaum hat sich diese leise Unruhe aufgebaut, leiten die Harmonien auch schon wieder behutsam zurück in Richtung Heimat.

Abschnitt 3: Ein Seufzer zum Abschied

Der letzte acht-taktige Abschnitt greift den Anfang wieder auf, kehrt zurück nach F-Dur und schenkt uns das vertraute Gefühl von Sicherheit. Kurz vor dem Schluss klettert die Melodie aber noch zu einem besonders innigen, weiten Akkord hinauf, bei dem die Musik für einen Moment den Atem anzuhalten scheint. Das ist der emotionale Höhepunkt des ganzen Stücks, als würde man kurz vor dem Aufwachen noch einmal versuchen, den schönen Traum festzuhalten. Danach sinkt die Linie leise herab, und die letzten Takte verströmen eine milde Wärme, bis der letzte Ton ganz still verklingt.

Jetzt bist du an der Reihe

Jetzt lade ich dich herzlich dazu ein, dir meine Träumerei selbst anzuhören. Drück einfach auf Start und lass dich ganz in Ruhe auf die Musik ein. Vielleicht behältst du beim Zuhören ja ein wenig von dem im Hinterkopf, worüber wir gerade gesprochen haben. Ich hoffe sehr, dass dich diese kleine Reise durch mein Stück genauso berührt wie mich damals, als ich es zu Papier gebracht habe.
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Hat es dir Freude gemacht, gemeinsam mit mir etwas genauer in meine Träumerei hineinzuhören? Hinter diesem kurzen Stück steckt noch einiges mehr, das wir bis jetzt noch gar nicht besprochen haben. Klick dich einfach durch die Links hier auf der Seite, wenn du noch tiefer in meine Träumerei eintauchen möchtest.