Mit Puderperücke bei Händel Sarabande
Die Hintergründe

Sarabande from Keyboard Suite in D minor, HWV 437

Händel erzählt die Hintergründe zu Sarabande
Ich bin Georg Friedrich Händel, und das hier ist die Vorgeschichte meiner Sarabande. Du erfährst, warum ein Stück aus meinen jungen Jahren erst 1733 gedruckt wurde, als ich schon seit 1712 in London lebte. Wenn du Lust hast,  probier den Trainer aus : Dort bringen dir meine Kollegen und ich bei, unsere Stücke zu erkennen, sobald sie erklingen.
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Der vierte Platz im Fünferpack

Meine Sarabande steht nicht allein in der Welt, sondern ist der vierte von fünf Sätzen in einer Cembalosuite in d-Moll. Davor kommen Prelude, Allemande und Courante, danach folgt als Abschluss die Gigue. Du kannst dir das vorstellen wie ein Menü mit fünf Gängen, bei dem die Sarabande der ruhige Gang kurz vor dem Ende ist. Sie ist also kein Einzelstück, auch wenn sie heute oft so gespielt und gehört wird.

Ein junger Mann in Hamburg

Als ich diese Suite schrieb, war ich noch ziemlich jung und lebte in Hamburg. Dort bin ich 1703 ins Orchester der Oper am Gänsemarkt eingetreten, und zwar als Geiger und als Cembalist. Das war eine ausgezeichnete Schule, denn wer jeden Abend im Orchestergraben sitzt, lernt sehr schnell, wie Musik auf Menschen wirkt. Auch meine Cembalostücke haben von dieser Zeit eine Menge mitbekommen.

Zwei Opern in einem Jahr

Im Jahr 1705 wurden in Hamburg gleich meine ersten beiden Opern aufgeführt, Almira und Nero. Man könnte meinen, dass einer, der so viel für die Bühne schreibt, für das leise Cembalo keine Zeit mehr hat. Aber gerade neben dem großen Theater hat mir die kleine, stille Musik für ein einziges Instrument gefallen. Für die Sarabande bin ich dir übrigens dankbar, dass du sie nicht für ein Opernfinale hältst.

Wo und wann? Fragen wir lieber nicht

Wenn du mich fragst, wann genau ich die Sarabande geschrieben habe, muss ich dir leider ein bisschen ausweichen. Es ist nicht überliefert, an welchem Tag und an welchem Ort sie entstanden ist, man kennt nur den Zeitraum zwischen etwa 1703 und 1706. Auch wer sie als Erster öffentlich gespielt hat, weiß heute niemand mehr. Ich fürchte, ich habe damals schlicht nicht damit gerechnet, dass sich später so viele Leute dafür interessieren würden.

Aufbruch nach Italien

Im Jahr 1706 bin ich nach Italien gereist und habe dort in Florenz und in Rom gearbeitet. Wer mich damals eingeladen hat, wird bis heute unterschiedlich erzählt: Mainwaring nennt Ferdinando de' Medici, andere Quellen sprechen von Gian Gastone de' Medici. Ich lasse die beiden Herren lieber in Ruhe darüber streiten. Wichtig ist nur, dass meine frühe Cembalomusik, zu der die Sarabande gehört, aus der Zeit unmittelbar vor dieser Reise stammt.

Der Satz, der gleich noch einmal kommt

Nach der Sarabande ist noch nicht Schluss, denn es folgen zwei Variationen darüber. Dabei nehme ich dieselbe Grundlage und kleide sie immer wieder neu ein, wie jemand, der ein Lieblingsgericht jedes Mal etwas anders würzt. Die Sarabande selbst dauert ungefähr vier Minuten, es bleibt also genug Zeit, um sie in Ruhe zu hören. Wer nach den vier Minuten noch nicht genug hat, bekommt mit den Variationen sofort Nachschub.

Gedruckt wurde es erst viel später

Veröffentlicht wurde die Suite erst im Jahr 1733, als Suite de pièces, Volume 2, No. 4. In diesem Jahr lebte ich schon seit 1712 in London und hatte gerade zusammen mit John Rich am Covent Garden meine dritte Opernkompanie gegründet. Das Prelude fehlte übrigens in der ersten Ausgabe von John Walsh, später hat man eines aus einer anderen Cembalosuite, HWV 428, hinzugenommen. Du siehst, auch bei mir musste manchmal ein Satz dahin wandern, wo er gerade gebraucht wurde.

Ein Film, der mich überrascht hätte

Für den Film Barry Lyndon von Stanley Kubrick habe ich die Sarabande natürlich nicht geschrieben, das wäre zeitlich auch schwierig gewesen. Leonard Rosenman hat sie für den Film bearbeitet und im Titelthema Streicher, Pauken und Continuo dazugegeben, die in meiner Cembalofassung nicht vorkommen. Der Film hatte im Dezember 1975 in London Premiere, und Rosenman bekam für seine Arbeit einen Oscar. Seitdem gilt die Sarabande als die Musik, die man am stärksten mit diesem Film verbindet.

Immer wieder im Bild

Auch danach hat die Sarabande ihren Weg in Bilder und Geschichten gefunden. Eine Bearbeitung von John Altman lief 2002 in einem Werbespot für Levi's, und 2017 erklang sie in der Serie Victoria, in der Folge Warp and Weft. In Modern Life is Goodish sind die Sarabande und beide Variationen sogar in jeder einzelnen Folge zu hören. Ich schreibe also für das Cembalo und komme am Ende im Fernsehen an, womit ich in Hamburg nun wirklich nicht gerechnet hätte.

Welche Nummer hätten Sie denn gern?

Zum Schluss noch eine kleine Verwirrung, die ich nicht verschuldet habe: Manche Verzeichnisse nennen die Suite Nr. 4 in d-Moll, weil sie die vierte im Band von 1733 ist. Andere sprechen von Nr. 11, aber woher diese Zahl kommt, lässt sich nicht belegen. Wenn du die Noten selbst spielen willst, findest du sie heute zum Beispiel bei Bärenreiter, Henle, im Wiener Urtext und in der Hallischen Händel-Ausgabe. Mit welcher Nummer auch immer: Der Titel lautet Sarabande aus der Keyboard Suite in d-Moll, HWV 437.
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Nun sind wir am Ende meiner kleinen Geschichte angekommen, und ich hoffe, sie hat dir gefallen. Hat es dir Freude gemacht, mehr über die Hintergründe meiner Sarabande zu erfahren? Wenn ich heute daran denke, wie ein stilles Stück für Cembalo so viele Jahre überdauert hat, stimmt mich das ein wenig nachdenklich und sehr dankbar. Es zeigt mir, dass eine einfache Melodie, die ohne jede Eile auskommt, die Menschen noch lange berühren kann. Dabei ist die Sarabande damit noch lange nicht auserzählt. Es gibt noch vieles an ihr zu entdecken, zum Beispiel die beiden Variationen, die auf sie folgen, oder die Frage, wie sie im Film Barry Lyndon zu ihrem ganz eigenen Klang gekommen ist. Wenn du neugierig geworden bist, dann klick doch einfach auf die Links hier auf der Seite und hör dich weiter durch meine Sarabande. Ich würde mich freuen, wenn du dir beim nächsten Mal Zeit nimmst und der Musik einfach einmal in Ruhe zuhörst.