Léo Delibes
Komponist
1836 – 1891

Ich bin Léo Delibes, Komponist des Balletts Coppélia und der Oper Lakmé, und ich freue mich, dass du bei mir vorbeischaust. Auf dieser Seite erzähle ich dir nun die Geschichte meines Lebens, von meiner Kindheit bei Paris bis zu meinen letzten Jahren. Auf dieser Seite bringen meine Kollegen und ich dir übrigens bei, meine Stücke zu erkennen, wenn du sie hörst, und mit dem Trainer kannst du es gleich ausprobieren.
---
Der Sohn des Briefträgers
Ich kam am 21. Februar 1836 in Saint-Germain-du-Val zur Welt, und mein Vater arbeitete bei der Post. Er starb früh, und so wuchs ich vor allem unter dem Einfluss meiner Mutter auf, die eine begabte Amateurmusikerin und die Tochter eines Opernsängers war. Bei uns lag die Musik also gewissermaßen im Briefkasten, nur dass sie von der Mutterseite kam. Ab 1847 studierte ich am Pariser Conservatoire Komposition, und mein Lehrer war Adolphe Adam.Wie man aus einem Sandmann ein Ballett macht
Bis zu meinem Durchbruch musste ich mich ein bisschen gedulden, aber 1866 bekam ich den Auftrag, zwei Akte des Balletts La Source zu schreiben. Die anderen beiden Akte übernahm Ludwig Minkus, wir haben das Stück also brüderlich geteilt. Richtig bekannt wurde ich dann am 25. Mai 1870 mit Coppélia an der Pariser Opéra, choreografiert von Arthur Saint-Léon. Die Geschichte geht auf E. T. A. Hoffmanns Erzählung Der Sandmann zurück, nur hat sie bei mir deutlich mehr Charme und viel weniger Gruselstimmung.Mein Paris, mein Theater
Paris war mein Arbeitsplatz, und ich kannte seine Theater von der Probebühne bis zum Chorpodium. Am Théâtre Lyrique war ich Korrepetitor und Chorleiter, später wurde ich zweiter Chorleiter an der Pariser Opéra. Dazu spielte ich von 1865 bis 1871 die Orgel in Saint-Pierre-de-Chaillot und schrieb in den 1850er und 1860er Jahren heitere kleine Opern für Offenbachs Bouffes-Parisiens. Wer so viele Stunden hinter den Kulissen verbringt, lernt, wie man Musik schreibt, bei der Tänzer und Sänger gut aussehen.Eine Sylvia für die Ohren
Mein Ballett Sylvia wurde am 14. Juni 1876 im Palais Garnier in Paris uraufgeführt, die Choreografie stammte von Louis Mérante. Auf dieser Seite findest du dieses Werk, und ich freue mich besonders darüber, denn es liegt mir sehr am Herzen. Die Musik erzählt die Geschichte beinahe von allein: Sie ist mal zart und verspielt, mal festlich und schwungvoll, und immer so, dass man gleich mitsummen möchte. Tchaikovsky schrieb später an Tanejew, Sylvia sei das erste Ballett, in dem die Musik nicht nur das Hauptinteresse, sondern das einzige Interesse ausmache, und von einem Kollegen ist das ein ziemlich schönes Kompliment.Lehrer, Ritter und Akademiemitglied
1877 wurde ich zum Chevalier der Légion d'honneur ernannt, was im Französischen ungefähr so feierlich klingt, wie es ist. 1881 folgte ich Napoléon Henri Reber als Professor für Komposition am Pariser Conservatoire nach, an dem ich selbst einmal gelernt hatte. Am 14. April 1883 erlebte meine Oper Lakmé ihre Uraufführung an der Opéra-Comique, und 1884 wurde ich in das Institut de France gewählt. Ich starb am 16. Januar 1891 in Paris im Alter von 54 Jahren und wurde auf dem Cimetière de Montmartre beigesetzt.Ein Duett im Flugzeug
Aus Lakmé ist vor allem das Blumenduett geblieben, das im ersten Akt die Titelfigur Lakmé und ihre Dienerin Mallika singen. Seine große Bekanntheit verdankt es später allerdings der Werbung der British Airways in den 1980er Jahren, womit ich bestimmt nicht gerechnet hatte. Mein Ballett Sylvia zeigt dagegen, dass Tanzmusik auch für sich allein ein Genuss sein kann. So lebe ich bis heute auf der Bühne und im Konzertsaal fort, und ab und zu sogar in der Reisewerbung.Was ich dir mitgeben möchte
Ich wünsche mir, dass du bei meiner Musik einfach zuhörst und dich ein bisschen treiben lässt. Du brauchst dafür kein Vorwissen, denn meine Melodien wollen dich nicht belehren, sondern erfreuen. Wenn du bei Sylvia irgendwann merkst, dass dein Fuß im Takt wippt, habe ich schon alles erreicht, was ich wollte. Dann haben wir beide einen guten Abend, auch wenn ich ihn nur aus der Ferne und durch die Noten miterlebe.---
Hat es dir Freude gemacht, etwas über mein Leben zu erfahren, und ist dir dabei vielleicht ein wenig vom Paris meiner Zeit lebendig geworden? Auf dieser Seite kannst du nun auch meine Musik kennenlernen, nämlich mein Ballett Sylvia. Klick einfach auf die Links unten und tauch in dieses Werk ein.
Sylvia
Sylvia, ou La nymphe de Diane, ballet in three acts (1876)
