Franz Schubert
Komponist
1797 – 1828

Ich bin Franz Schubert, in Wien geboren, und ich freue mich, dass du bei mir vorbeischaust. Gleich erzähle ich dir die Geschichte meines Lebens, von den ersten Geigenstunden bei meinem Vater bis zu meinen letzten Jahren. Wenn meine Stücke erklingen, sollst du sie erkennen: Das üben meine Komponistenkollegen und ich hier mit dir, und mit einem Blick in den Trainer kannst du gleich damit anfangen.
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Zwölftes von vierzehn, und trotzdem nicht untergegangen
Ich kam 1797 in einem Vorort von Wien zur Welt, als zwölftes von vierzehn Kindern eines Schulmeisters, und nur fünf von uns haben das Erwachsenenalter erreicht. Die Geige lernte ich bei meinem Vater, das Klavier bei meinem Bruder Ignaz, und der Organist Michael Holzer brachte mir Orgel, Gesang und Harmonielehre bei. Mit elf Jahren bekam ich wegen meiner Stimme ein Stipendium für das Stadtkonvikt, wo ich zum ersten Mal Werke von Mozart, Haydn und Beethoven kennenlernte. Außerdem nahm mich Antonio Salieri 1812 als Privatschüler an, und ab 1814 half ich in der Schule meines Vaters aus, was mir ungefähr so viel Freude machte wie einem Vogel der Käfig.Wie ein Waldkönig mich bekannt machte
Der große Durchbruch war bei mir eher ein leises Näherrücken, denn 1818 hatte mich die Gesellschaft der Musikfreunde noch abgelehnt. Dann sang der Bariton Johann Michael Vogl 1821 meinen Erlkönig, ein Lied über einen Vater, der nachts mit seinem kranken Kind durch den Wald reitet, und plötzlich sprach man in Wien über mich. Im selben Jahr nahm mich die Gesellschaft der Musikfreunde als mitwirkendes Mitglied auf, was ich mit stillem Vergnügen zur Kenntnis nahm. Ein Lied, das in wenigen Minuten ein ganzes Drama erzählt, war für das Publikum offenbar etwas Neues.Mein Wien und die Abende mit Freunden
Wien war meine Stadt, ich habe dort fast mein ganzes Leben verbracht, und ich wohnte bei Freunden wie Franz von Schober und später bei Johann Mayrhofer. Im Sommer 1818 und noch einmal 1824 unterrichtete ich die Familie Esterházy in Zselíz, aber das Herz zog mich immer wieder zurück in die Stadt. Dort trafen wir uns Anfang der 1820er Jahre zu Abenden, die man bald Schubertiaden nannte, mit Musik, Gesprächen und viel gutem Beisammensein. 1820 wurden ich und vier Freunde einmal von der Polizei festgenommen und verwarnt, was mich aber nicht davon abhielt, weiter in schlechter Gesellschaft von Dichtern und Malern zu verkehren.Die Stücke, die man von mir kennt
Wenn du nur eines von mir hören willst, dann nimm mein Ave Maria, das du hier auf dieser Seite findest. Die Melodie fließt so ruhig und gleichmäßig dahin, dass man beim Zuhören fast vergisst, wie viel Kunst darin steckt. Bekannt bin ich aber auch für meine Liederzyklen Die schöne Müllerin und Winterreise, für das Forellenquintett und für das Streichquartett Der Tod und das Mädchen. Es freut mich, dass sich Menschen noch heute von einem Lied berühren lassen, das ich im Grunde für ein paar Freunde im Wohnzimmer geschrieben habe.Die Sinfonie, die ich nicht fertig machte
Mein bekanntestes Rätsel ist die Sinfonie Nr. 8, die Unvollendete, die ich 1822 begann und nie zu Ende brachte. Warum, weiß bis heute niemand, und es stimmt nicht, dass mich der Tod unterbrochen hätte, denn ich lebte noch sechs Jahre. Auch mit der Bühne hatte ich wenig Glück, denn von meinen zwanzig Bühnenwerken habe ich nur elf überhaupt fertiggestellt, und die meisten Projekte scheiterten. Die Verleger zeigten sich zurückhaltend und zahlten wenig, sodass ich von meiner Musik nicht gerade reich wurde.Ein später Auftritt und ein viel zu früher Abschied
Am 26. März 1828 gab ich das einzige öffentliche Konzert, das ganz meinen eigenen Werken gewidmet war. Im selben Jahr entstand die Sinfonie Nr. 9, die Große C-Dur-Sinfonie, die zu meinen Lebzeiten wohl geprobt, aber nie öffentlich gespielt wurde. Am 19. November 1828 starb ich mit nur 31 Jahren in der Wohnung meines Bruders Ferdinand, und als offizielle Ursache gilt Typhus. Über andere Erklärungen wird bis heute gestritten, aber sicher ist nur, dass mir viel zu wenig Zeit blieb.Nach dem Ende ging es erst richtig los
Man begrub mich in Währing, in der Nähe von Beethovens Grab, und 1888 zogen wir beide gemeinsam auf den Zentralfriedhof um. Franz Grillparzer schrieb mir den Grabspruch, in dem steht, dass die Musik hier einen reichen Besitz begraben hat. Mendelssohn, Schumann, Liszt und Brahms setzten sich nach meinem Tod für meine Musik ein, und Schumann sprach von der „himmlischen Länge“ meiner Großen C-Dur-Sinfonie. 1867 fanden George Grove und Arthur Sullivan in Wien viele Manuskripte von mir, und Brahms gab später den ersten Teil einer Gesamtausgabe heraus.Was ich dir mitgeben möchte
Ich wünsche mir, dass du beim Zuhören einen Moment lang aus dem Alltag aussteigst. Du musst nichts über Musik wissen, denn eine Melodie, die dich anrührt, braucht keine Erklärung. Wenn du dich dabei ein bisschen getröstet oder verstanden fühlst, dann hat meine Musik ihre Aufgabe erfüllt. Setz dich also bequem hin, mach das Ave Maria an und lass dir Zeit, ich habe es damals auch nicht eilig gehabt.---
Hat es dir gefallen, ein Stück weit durch mein kurzes Leben zu gehen und zu erfahren, wie ich zur Musik gekommen bin? Auf dieser Seite kannst du nun auch ein Werk von mir kennenlernen, nämlich das Ave Maria. Klick einfach auf die Links unten, und lass dich von dieser Musik ein wenig begleiten.
Ave Maria
Ellens Gesang III in B-flat major, D. 839, Op. 52 No. 6
