Ein Jäger mit Herz bei Elgars Enigma Variations: Variation IX "Nimrod"
Der Hörführer

Variations on an Original Theme, Op. 36

Elgar präsentiert einen Hörführer zu Enigma Variations: Variation IX "Nimrod"
Ich bin Edward Elgar, und das hier ist der Hörführer zu den Enigma Variations: Variation IX "Nimrod". Ich zeige dir, worauf du in dieser Variation achten kannst, die als das emotionale Zentrum meines Werks gilt, damit sie dich beim Hören noch tiefer berührt. Wenn du wissen willst, ob du unsere Stücke beim Hören erkennst, wartet hier  der Trainer auf dich , in dem meine Kollegen und ich dir dabei helfen.
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So hörst du zu, auch ohne Notenkenntnisse

Ich sage dir gleich, worauf du achten kannst: Lass dich nicht von Fachwörtern ablenken, sondern horche darauf, wie nach und nach immer mehr Stimmen dazukommen. Am Anfang tragen die Streicher alles allein, und sie klingen dabei wie ein einziger, sehr ruhiger Atem. Später gesellen sich Holzbläser und Hörner dazu, und sie geben der Musik Wärme und Gewicht, so wie ein Kaminfeuer einen Raum erst richtig gemütlich macht. Wenn du nur auf eines achten willst, dann verfolge die Lautstärke, denn sie erzählt hier fast die ganze Geschichte.

Ein Jäger, der gar keiner ist

Den Titel "Nimrod" habe ich als Wortspiel gewählt, denn Nimrod ist im Alten Testament der gewaltige Jäger, und mein Freund August Jaeger trug den Namen, der auf Deutsch eben Jäger heißt. Er arbeitete als Musiklektor beim Verlag Novello & Co., und ich habe ihn einen strengen Kritiker genannt, was durchaus liebevoll gemeint war. Wer hier das Porträt seines Charakters erwartet, liegt daneben, denn die Variation erzählt von etwas, das wirklich geschehen ist, nämlich von unserem Gespräch über die langsamen Sätze Beethovens. Mit dem Jagen hat die Musik also nichts zu tun, und der Name bleibt ein Scherz unter Freunden.

Weder Sonate noch Rondo, sondern ein Freundesbild

Bei der Form musste ich nicht lange grübeln, denn "Nimrod" ist weder eine Sonate noch ein Rondo, sondern die neunte Variation in einem Werk, in dem jede Variation einen Freund oder einen Freundeskreis zeichnet. Ein einziger langsamer Bogen genügt hier: ein leiser Anfang, ein Aufstieg und ein sanftes Ausklingen. Deshalb teile ich dir das Stück in drei Abschnitte ein, und jeden davon nehmen wir uns gleich einzeln vor. Das ganze Werk erklang zum ersten Mal am 19. Juni 1899 in der St James's Hall in London unter Hans Richter, und seither halten viele gerade diese Variation für sein Herz.

Abschnitt 1: Ein Flüstern, das keiner überhören soll

Der erste Abschnitt ist der leiseste und langsamste, im Zeitmaß Adagio, und die Streicher lassen jeden Ton ausklingen, bevor der nächste kommt. Die Melodie steigt in kleinen Schritten und scheint sich erst zu trauen, wie jemand, der nach langem Schweigen wieder zu sprechen beginnt. Die Stimmung ist ernst, aber nicht düster, eher wie ein Gespräch unter vier Augen, bei dem man dem anderen wirklich zuhört. Die Anspielung auf Beethoven hörst du nur, wenn du nach ihr suchst, denn ich habe sie bewusst klein gehalten.

Abschnitt 2: Der Berg wächst, und niemand drängelt

Im zweiten Abschnitt wird die Musik Welle um Welle lauter, weil immer mehr Instrumente einstimmen und die Streicher nicht mehr allein sind. Das Tempo bleibt dabei breit und würdevoll, denn ich wollte Zuversicht zeigen und keine Hast. In meiner Skizze und in der Klavierfassung von 1899 steht dazu die Anweisung nobilmente, also edel und erhaben, in der gedruckten Orchesterpartitur dagegen fehlt sie. Der Höhepunkt ist der Moment, in dem aus Trost Kraft wird, und beim ersten Hören merkt man oft erst danach, dass man den Atem angehalten hat.

Abschnitt 3: Abschied auf Zehenspitzen

Im dritten Abschnitt sinkt die Musik wieder in die Stille zurück, die Instrumente ziehen sich eins nach dem anderen zurück, und am Ende tragen wieder die Streicher fast allein. Darum passt sie so gut zu Trauerfeiern, und am Cenotaph in Whitehall wird sie bei der jährlichen Gedenkfeier immer gespielt. August Jaeger starb 1909, und ich schrieb später, sein Platz sei besetzt, aber nie wieder ausgefüllt worden. Dass ich 1912 in meinem Chorwerk The Music Makers selbst noch einmal auf diese Melodie zurückgegriffen habe, zeigt dir, wie sehr sie mir ans Herz gewachsen ist.

Jetzt bist du dran

Jetzt lade ich dich ein, "Nimrod" selbst zu erleben, und zwar ganz in Ruhe. Drück auf Play, lehn dich zurück und lass dich von der Musik tragen. Denk beim Hören an das, was wir besprochen haben: an das leise Beginnen, das Wachsen und das Ausklingen. Ich hoffe, dass dich die Reise durch meine Enigma Variations: Variation IX "Nimrod" so bewegt, wie sie mich beim Schreiben bewegt hat.
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Ich hoffe, es hat dir Freude gemacht, mehr über den Hörführer zu den Enigma Variations: Variation IX "Nimrod" zu erfahren. Wenn du die Musik jetzt noch einmal hörst, wirst du vielleicht merken, dass sie dir ein wenig anders begegnet als zuvor. Sie erzählt von einem Gespräch zwischen zwei Freunden, und ich glaube, genau deshalb berührt sie so viele Menschen, auch ohne dass sie die Geschichte kennen. Es gibt an den Enigma Variations: Variation IX "Nimrod" noch vieles mehr zu entdecken. Manches davon ist bis heute offen, denn das Rätsel hinter dem Thema des ganzen Werkes hat nie jemand endgültig gelöst, und ich selbst habe in meinem Leben keine der vorgeschlagenen Lösungen gelten lassen. Lass dir also Zeit, höre das Stück immer wieder an, und achte jedes Mal auf etwas anderes. Wenn du weiterstöbern möchtest, klicke einfach auf die Links hier auf der Seite und entdecke noch mehr zu den Enigma Variations: Variation IX "Nimrod".