Vom Sitz gerissen bei Händels Hallelujah
Der Hörführer

Messiah, HWV 56: Hallelujah Chorus

Händel präsentiert einen Hörführer zu Hallelujah
Ich bin Händel, und das hier ist der Hörführer zu meinem Hallelujah. Du erfährst, wie ich bei „And He shall reign for ever and ever“ die Trompeten zurückkehren lasse, und warum der Chor von da an noch einmal heller und feierlicher klingt. Wie du unsere Stücke schon beim Hören erkennst, zeigen dir auf dieser Seite auch meine Kollegen und ich, und  im Trainer  kannst du es gleich einmal versuchen.
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So hörst du mich richtig, ohne ein Wort Musiktheorie

Ich sage dir gleich, worauf du achten kannst: Hör am Anfang auf die Streicher, denn sie legen den Boden, auf dem alles andere steht. Die Trompeten sind das Glänzende obendrauf, und die Pauken geben dem Ganzen Gewicht, ungefähr wie ein Herzschlag, der plötzlich laut wird. Der Chor ist die Hauptperson, und du wirst bald merken, dass er nicht immer dasselbe tut: Mal singen alle gemeinsam, mal setzen die Stimmen nacheinander ein und rufen sich fast zu. Wenn du dir nur eine Sache vornimmst, dann folge den Trompeten und den Pauken, denn sie verraten dir, wann es besonders festlich wird.

Warum das Ganze ausgerechnet Hallelujah heißt

Der Titel kommt von dem Wort, das der Chor am häufigsten und am lautesten singt, und mir ist nie ein besserer Name eingefallen. Der Text stammt aus der Offenbarung, und dort wird gejubelt, dass Gott regiert, was ich unmöglich flüstern konnte. Ans Ende des Manuskripts habe ich die Buchstaben SDG geschrieben, das steht für Soli Deo Gloria, also allein Gott die Ehre. Ob ich beim Schreiben tatsächlich den ganzen Himmel vor mir sah, wie ein Diener es erzählt haben soll, weiß niemand sicher, aber den Jubel hörst du auch ohne Beweis.

Ein Chor mit Fahrplan

Die Form war ein kleines Abenteuer für sich, denn ich habe einen Chor gebaut, der ein Teil meines Messiah ist. Er gliedert sich nach dem Text, und jeder neue Gedanke bekommt seine eigene Art von Musik. Ich zähle vier Abschnitte, und weil das Ganze nur ungefähr vier Minuten dauert, ziehen sie ziemlich zügig an dir vorbei. Deshalb nehme ich sie dir gleich einzeln vor, damit du jeden wiedererkennst, wenn er kommt.

Abschnitt 1: Ein Wort, vier Silben und kein Halten

Am Anfang steht der Ruf „Halleluja“, kurz und hell, und das Orchester antwortet ihm sofort, als wollte es ihm nicht das letzte Wort überlassen. Der Chor ruft es immer wieder, sodass der Klang von Takt zu Takt voller wird. Die Stimmung ist von der ersten Sekunde an strahlend, und ich lasse dir keine Zeit, dich erst einmal einzuhören. Merk dir diesen Ruf gut, denn er kommt später noch oft wieder und dient dir als Wegweiser.

Abschnitt 2: Plötzlich sagen alle denselben Satz

Bei den Worten „For the Lord God omnipotent reigneth“ singen die Stimmen auf einmal einstimmig, und das klingt, als hätte sich eine ganze Menschenmenge auf einen einzigen Satz geeinigt. Nach der bunten Fülle davor wirkt diese Schlichtheit fast wie ein Schlag auf den Tisch, nur viel freundlicher. Dieser Text stammt aus dem Buch der Offenbarung, und ich wollte, dass man ihn auch im hintersten Winkel des Saals versteht. Danach fängt sich das Halleluja wieder und läuft den Stimmen quer durch den Chor hinterher.

Abschnitt 3: Kurz durchatmen, aber nur im Stehen

Jetzt wird es ernster und breiter, denn der Text spricht davon, dass das Reich dieser Welt zum Reich des Herrn geworden ist. Die Stimmen bewegen sich in großen, ruhigen Bögen, und der Glanz vom Anfang tritt für einen Moment zurück. Ich wollte dir hier Raum geben, die Größe dieser Worte wirklich zu spüren, bevor es weitergeht. Bleib aufmerksam, denn diese Ruhe ist keine Pause, sondern die Luft, die ich hole, bevor es noch einmal richtig losgeht.

Abschnitt 4: Die Trompeten kommen zurück und bleiben

Bei „And He shall reign for ever and ever“ kehren die Trompeten zurück, und du merkst sofort, dass jetzt der Höhepunkt naht. Zum Schluss steigert sich alles, bis der Chor den Titel „König der Könige und Herr der Herren“ ruft, wie ihn die Offenbarung nennt. Die Geschichte erzählt, dass König George II. bei diesem Chor aufgestanden sei, und seitdem erheben sich viele Zuhörer von ihren Plätzen. Belegt ist das nicht, und der erste sichere Hinweis aufs Aufstehen stammt erst aus dem Jahr 1756.

Jetzt bist du dran, der Knopf wartet schon

Jetzt lade ich dich ein, mein Hallelujah selbst zu erleben, und du musst dafür nur auf Play drücken. Lass dich einfach von der Musik mitnehmen und denk beim Hören ruhig an das, was ich dir erzählt habe. Achte auf die Trompeten, auf den Moment, in dem alle gemeinsam singen, und auf das Halleluja, das immer wieder zurückkommt. Ich würde mich freuen, wenn dich diese Reise so begeistert, wie sie mich beim Schreiben begeistert hat.
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Jetzt kennst du meinen Hallelujah-Chor ein Stück besser, und ich hoffe, du hörst ihn beim nächsten Mal mit anderen Ohren. Hat dir der Streifzug durch den Hörführer zu meinem Hallelujah gefallen? Mir macht es jedes Mal Freude, wenn jemand bei diesem Chor plötzlich merkt, wie viel darin passiert, obwohl er nur etwa vier Minuten dauert. Vielleicht ertappst du dich dabei, wie du auf die Trompeten wartest, wenn sie bei „And He shall reign for ever and ever“ zurückkehren. Das wäre für mich das schönste Zeichen, dass du mitgehört hast. Und doch haben wir längst nicht alles angeschaut, denn an diesem Chor gibt es noch viel zu entdecken. Da ist zum Beispiel die Geschichte vom Aufstehen, das bis heute viele im Saal tun, wenn das Hallelujah beginnt. Die älteste Erwähnung dafür stammt aus dem Jahr 1756, und die Erzählung vom stehenden König bleibt eine hübsche Überlieferung, für die es keinen Beleg gibt. Auch über die Melodie selbst wird gerätselt, denn manche vermuten, dass dahinter ein älteres Lied oder ein fremdes Fugenthema steckt. Ich lasse das gern offen, weil man es nicht sicher weiß und weil ein kleines Rätsel einem Stück meistens guttut. Wenn du neugierig geworden bist, klick dich einfach durch die Links, die ich dir hier bereitgelegt habe: weitere Seiten zum Hallelujah. Dort findest du neue Blickwinkel und kannst den Chor noch einmal ganz anders erleben. Danach setz dich am besten wieder hin, oder steh auf, wenn dir danach ist, und lass das Hallelujah einfach noch einmal ganz durchlaufen.