Vom Sitz gerissen bei Händels Hallelujah
Die Hintergründe
Messiah, HWV 56: Hallelujah Chorus

Ich bin Händel, und hier erzähle ich dir die Vorgeschichte meines Hallelujah. Du erfährst, wie mein Messiah im April 1742 in Dublin zum ersten Mal erklang, bei einem Konzert für einen guten Zweck, und warum der Saal an dem Abend so voll war. Wenn du wissen willst, ob du unsere Stücke schon erkennst, sobald sie erklingen, kannst du das hier mit meinen Kollegen und mir lernen und gleich den Trainer ausprobieren .
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Eine Einladung nach Dublin, und ich sage nicht Nein
Die Geschichte beginnt damit, dass man mich nach Dublin einlud, um dort sechs musikalische Unterhaltungen zu geben. Ich lebte damals in London und freute mich über die Abwechslung. Im Gepäck hatte ich ein neues Werk, das ich gerade erst geschrieben hatte. Es hieß Messiah, und der Hallelujah-Chor ist darin das Stück, das heute fast jeder kennt, auch wenn er den Rest nie gehört hat.Vierundzwanzig Tage und kaum ein Mittagsschlaf
Den ganzen Messiah habe ich im Spätsommer 1741 geschrieben, zwischen dem 22. August und dem 14. September. Das sind vierundzwanzig Tage für ein Werk mit drei Teilen und dreiundfünfzig Nummern. Wenn ich das heute nachrechne, muss ich selbst lachen, denn da blieb wenig Zeit zum Zögern. Ich schrieb eben, bis die Seiten voll waren, und dann wieder von vorn.Der Mann, der die Worte sammelte
Die Texte habe ich mir nicht selbst ausgesucht, das hat Charles Jennens für mich getan. Er stellte sie aus Stellen der Bibel zusammen, und das so geschickt, dass daraus eine durchgehende Erzählung wurde. Die Worte des Hallelujah stammen aus der Offenbarung des Johannes, und zwar aus drei verschiedenen Stellen im 11. und im 19. Kapitel. Ich musste dazu nur noch die Musik finden, und die kam zum Glück schnell.Uraufführung, aber bitte nicht in London
Viele glauben, ich hätte den Messiah in London zum ersten Mal gespielt, aber das stimmt nicht. Die Uraufführung fand am 13. April 1742 in Dublin statt, in Neale's music hall in der Fishamble Street. Der Abend war ein Wohltätigkeitskonzert für Gefangene, die ihre Schulden nicht bezahlen konnten, und für zwei Krankenhäuser der Stadt. Als Solistinnen sangen unter anderem Christina Maria Avoglio und Susannah Cibber.Bitte ohne Reifrock
Für die Uraufführung kam so viel Publikum zusammen, dass der Platz knapp wurde. Deshalb bat man die Damen, ihre Kleider ohne Reifrock anzuziehen. So passten mehr Leute in den Saal, und ich hatte mehr Zuhörer für meinen Jubel. Es ist ein schöner Gedanke, dass der Hallelujah-Chor schon bei seiner ersten Aufführung die Menschen enger zusammenrücken ließ.London zeigt mir die kalte Schulter
In London wurde der Messiah am 23. März 1743 in Covent Garden gespielt, und dort war die Stimmung deutlich kühler als in Dublin. Die Kritiken waren zurückhaltend. Aus der Kirche kamen Einwände, weil man biblische Worte nicht in einem Theater singen sollte. Ich habe mir das angehört und weitergemacht, denn solche Stimmen gehören bei einem neuen Werk irgendwie dazu.Warum alle aufstehen, weiß keiner so genau
Beim Hallelujah stehen die Zuhörer bis heute auf, und die Geschichte dazu geht so: Der König sei so ergriffen gewesen, dass er sich erhob, und alle anderen mussten folgen. Es gibt allerdings keinen Beleg dafür, dass König George II. überhaupt je einen Messiah gehört hat, geschweige denn dabei aufgestanden ist. Auch ob die Sitte schon bei der Londoner Premiere oder erst bei einer späteren Aufführung begann, sagen die Quellen nicht einheitlich. Der älteste Hinweis aufs Aufstehen stammt jedenfalls aus dem Jahr 1756.Ostern statt Weihnachten
Ich hatte den Messiah ursprünglich für die Osterzeit vorgesehen, nicht für Weihnachten. Dass er heute im Advent überall zu hören ist, hätte mich damals sehr überrascht. Auch in Amerika begann es mit einem Weihnachtstag: Am 25. Dezember 1818 führte die Handel and Haydn Society in Boston das Werk dort zum ersten Mal auf. Seitdem hört man mein Hallelujah in der kalten Jahreszeit fast so selbstverständlich wie Glockengeläut.Ein Stoßseufzer am Ende der Noten
Unter das Ende meiner Handschrift habe ich die Buchstaben SDG geschrieben, das steht für Soli Deo Gloria, also Gott allein die Ehre. Von einem Diener erzählt man, ich hätte beim Schreiben gesagt, ich hätte den ganzen Himmel vor mir gesehen. Ob das wirklich so war, ist nicht gesichert, und ich lasse es lieber offen. Ein paar Kenner vermuten außerdem, dass mein Hallelujah-Thema mit dem Choral Wachet auf oder mit einem Fugenthema von Corelli verwandt ist, aber das weiß niemand genau.Mein Messiah begleitet mich bis zuletzt
Ab 1750 wurde der Messiah fast jedes Jahr im Foundling Hospital in London gespielt. Im Jahr 1759, in dem ich starb, war ich zum letzten Mal bei einer Aufführung meiner Musik dabei, und das war wieder ein Messiah in Covent Garden. Zu Hause war ich in der Brook Street in Mayfair, wo heute ein Museum steht. Wenn du dort vorbeikommst, grüß das Haus von mir, und wenn du das Hallelujah hörst, darfst du gern aufstehen.---
Damit sind wir am Ende der Geschichte angekommen, und ich schaue selbst gern noch einmal darauf zurück. Ein Werk, das ich in wenigen Wochen niedergeschrieben habe, begleitet nun schon seit vielen Generationen die Menschen. Dass es 1742 in Dublin zum ersten Mal erklang und dort Menschen in Not helfen sollte, freut mich bis heute. Gedacht war es übrigens für die Osterzeit, auch wenn du den Chor jetzt vor allem zu Weihnachten hörst. Hat dir die Geschichte hinter meinem Hallelujah gefallen? Es gibt noch einiges mehr zu entdecken. Man erzählt sich zum Beispiel, dass der König beim Hallelujah aufgestanden sei, aber niemand kann das belegen. Auch darüber, wie der Chor aufgebaut ist und was in diesen vier Minuten alles passiert, könnte ich dir noch lange erzählen. Klick einfach auf die Links hier in der Nähe, dann kannst du in Ruhe weiterstöbern und noch mehr über mein Hallelujah erfahren. Und wenn du es danach wieder hörst, hörst du vielleicht ein kleines Stück Dublin darin mit.
