Eine Rundreise durchs Sonnensystem mit Holsts The Planets
VII. Neptune, the Mystic
The Planets, Op. 32

Hier spricht Gustav Holst, und ich erkläre dir den Satz VII. Neptune, the Mystic aus meiner Suite The Planets. Du hörst, wie dieser Satz ohne Tempoangabe von Anfang bis Ende leise bleibt und in einem unregelmäßigen Wiegen dahintreibt wie ein Boot ohne Anker, und genau das macht ihn so geheimnisvoll. Probier den Trainer doch gleich aus, denn meine Kollegen und ich zeigen dir hier, wie du unsere Stücke beim Hören erkennst.
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Ohren auf, Lautstärke runter
Setz dich bequem hin, denn bei VII. Neptune, the Mystic musst du keine Spannung aushalten, du brauchst nur Geduld und ein offenes Ohr. Der ganze Satz bleibt leise, und eine Tempoangabe habe ich gar nicht erst hineingeschrieben. Achte auf das Blech, das Akkorde in E-Moll und Gis-Moll zugleich erklingen lässt, sodass der Klang schwebt, statt irgendwo anzukommen. Und achte auf den Frauenchor, der ohne Worte aus einem Nebenraum singt, sodass du ihn zwar hörst, aber nie zu Gesicht bekommst.Ein Name aus dem Sternenbuch
Den Beinamen „the Mystic“ habe ich aus den astrologischen Schriften von Alan Leo übernommen. Mein Ausgangspunkt für die ganze Suite war die Astrologie, nicht die Sternkunde und auch nicht die Götterwelt der Antike. Für Neptune hieß das, dass ich keinen Himmelskörper beschreiben wollte, sondern etwas Unfassbares, das man nicht greifen kann. Darum gibt es hier keinen kräftigen Rhythmus zum Mitklopfen, sondern ein Schwanken, das sich nie ganz festlegt.Eine Form, die keine sein will
Bei der Form habe ich mir etwas Eigenes überlegt, denn weder eine Sonate noch ein Rondo hätte zu dieser Musik gepasst. Stattdessen fließt der Satz in einem einzigen Bogen dahin, in dem ein Abschnitt unmerklich in den nächsten übergeht. Ich teile ihn dir in vier Abschnitte ein: das Schwanken am Anfang, die schwebenden Blechakkorde, die Frauenstimmen und das Verschwinden am Ende. Auf jeden dieser Abschnitte gehe ich gleich einzeln ein, damit du dich beim Hören nicht verläufst.Abschnitt 1: Schaukeln ohne Schiff
Zu Beginn wiegt sich die Musik in einem unregelmäßigen Takt, in dem du vergeblich versuchst, gleichmäßig mitzuzählen. Weil ich kein Tempo vorgeschrieben habe, wirkt es, als bliebe die Zeit ein wenig stehen. Leise ist es von der ersten Note an, und diese Zurückhaltung gilt bis zum letzten Ton. Die Stimmung erinnert mich an jemanden, der nachts allein am Fenster steht und in den Himmel schaut.Abschnitt 2: Zwei Tonarten an einem Tisch
Jetzt lasse ich das Blech Akkorde in E-Moll und in Gis-Moll gleichzeitig spielen. Eigentlich passen die beiden nicht zusammen, wie zwei Gäste, die sich nicht kennen und trotzdem friedlich nebeneinandersitzen. Dein Ohr findet dadurch keinen festen Boden, und genau das wollte ich, nämlich das Gefühl, ins Offene zu treten. Du musst das nicht erklären können, es genügt, wenn du dieses Schweben bemerkst.Abschnitt 3: Stimmen hinter der Wand
Nun kommen die beiden dreistimmigen Frauenchöre dazu, die ganz ohne Worte singen. Sie stehen in einem Nebenraum und sind vor dem Publikum abgeschirmt, deshalb klingen sie wie aus weiter Ferne. Ihre Stimmen mischen sich mit dem Orchester, und man weiß bald kaum noch, wo das eine aufhört und das andere beginnt. Wenn du die Augen schließt, scheint der Klang von nirgendwo und überall zugleich zu kommen.Abschnitt 4: Die Tür geht zu
Am Ende wird es pianissimo, und die Tür zum Raum der Sängerinnen wird nach und nach geschlossen. Die Harmonie findet dabei keinen sicheren Schluss, der Klang bleibt bis zuletzt in der Schwebe. So merkst du kaum, in welchem Augenblick die Musik eigentlich aufhört. Die Stille danach gehört für mich noch zum Stück, also steh nicht zu früh auf.Jetzt bist du dran
Jetzt lade ich dich ein, VII. Neptune, the Mystic selbst zu erleben. Drück auf Play und lass dich von der Musik forttragen, am besten ohne Ablenkung und mit guten Kopfhörern. Denk beim Zuhören an das, was wir besprochen haben: das Schwanken, die schwebenden Akkorde und die Stimmen aus dem Nebenraum. Ich hoffe, die Reise durch meinen Satz VII. Neptune, the Mystic nimmt dich so gefangen, wie sie mich beim Komponieren gefangen genommen hat.---
Jetzt hast du Neptune, the Mystic von Anfang bis Ende gehört, bis die Stimmen hinter der geschlossenen Tür in der Stille verschwunden sind. Hat es dir Freude gemacht, mehr über den Hörführer zu VII. Neptune, the Mystic aus meiner Suite The Planets zu erfahren? Ich hoffe, dass du beim nächsten Hören manches wiedererkennst: die leisen Blechakkorde, das schwebende, ungleichmäßige Wiegen und den fernen Frauenchor, der kaum noch zu greifen ist. Gerade dieser Schluss lässt mich bis heute nicht los, weil die Musik nicht einfach aufhört, sondern sich langsam ins Nichts auflöst. Und doch ist das nur ein Satz von sieben, denn in The Planets gibt es noch vieles mehr zu entdecken. Da ist der unruhige Puls des Mars, die Ruhe der Venus, das flinke Huschen des Mercury, die breite Melodie im Jupiter, das Ticken im Saturn und der ungelenke Tanz im Uranus. Wenn du neugierig geworden bist, dann klick auf die Links, die du hier auf der Seite findest, und geh weiter auf Entdeckungsreise durch The Planets. Ich wünsche dir dabei viele stille und viele laute Augenblicke, und vielleicht hörst du mit jedem Mal ein bisschen mehr.
Schönste MomenteHintergründeHörführer 1: I. Mars, the Bringer of WarHörführer 2: II. Venus, the Bringer of PeaceHörführer 3: III. Mercury, the Winged MessengerHörführer 4: IV. Jupiter, the Bringer of JollityHörführer 5: V. Saturn, the Bringer of Old AgeHörführer 6: VI. Uranus, the MagicianMehr über HolstLerne es zu erkennen, wenn du es hörst
