Eine Rundreise durchs Sonnensystem mit Holsts The Planets
Die Hintergründe
The Planets, Op. 32

Ich bin Gustav Holst, und das hier ist die Vorgeschichte zu meiner Suite The Planets. Du erfährst, wie ein Gespräch über Sterndeutung auf einer Spanienreise im Jahr 1913 den Anstoß zu dieser Suite gab, die ich dann an Wochenenden und in den Ferien schrieb. Meine Komponistenkollegen und ich zeigen dir auf dieser Seite auch, wie du unsere Werke beim Hören erkennst, und mit einer kleinen Runde im Trainer kannst du das gleich testen.
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Vier Männer, ein Urlaub und die Sterne
Im Frühjahr 1913 fuhr ich mit Balfour Gardiner und den beiden Bax-Brüdern Arnold und Clifford nach Spanien in den Urlaub. Irgendwann kam im Gespräch die Astrologie auf, und sie ließ mich danach nicht mehr los. Mir ging es dabei nie um Astronomie oder um römische Götter, sondern um den Charakter, den man den Planeten in der Sternendeutung zuschreibt. Andere bringen aus dem Urlaub Muscheln mit, ich habe eine ganze Orchestersuite mitgebracht.Ein Titel wie auf einem Aktenordner
Ursprünglich nannte ich das Werk ganz nüchtern "Seven Pieces for Large Orchestra". Heute kennt man es als The Planets, Op. 32, und die Opuszahl ist nur eine Ordnungsnummer, so wie die Nummer an einem Garderobenhaken. Der schlichte erste Titel zeigt aber gut, was ich damals im Kopf hatte. Ich dachte zuerst an sieben Orchesterstücke und gar nicht an ein großes Spektakel über das Weltall.Komponieren, wenn die Schule zu ist
Zwischen 1914 und 1917 habe ich die Suite geschrieben, und zwar fast nur an Wochenenden und in den Ferien. Unter der Woche unterrichtete ich an der St Paul's Girls' School und am Morley College, da blieb für Noten kaum Zeit. Als Erstes entstand Mars Mitte 1914, als Letztes Mercury Anfang 1916. Im Jahr 1917 war schließlich auch die Orchestrierung fertig, also das Verteilen der Stimmen auf die einzelnen Instrumente.Nicht der Reihe nach, bitte
Die Sätze folgen nicht der Reihenfolge der Planeten, wie sie von der Sonne aus gesehen am Himmel stehen. Ich habe sie so geordnet, wie es musikalisch am besten wirkt, ähnlich wie man ein Konzertprogramm zusammenstellt. Die Beinamen "Mercury, the Winged Messenger" und "Neptune, the Mystic" habe ich aus den Astrologiebüchern von Alan Leo übernommen. Ich habe also nicht alles selbst erfunden, sondern bei einem Fachmann nachgeschlagen.Sieben Gänge, und keiner schmeckt wie der andere
Ein Satz ist ein in sich abgeschlossener Abschnitt eines größeren Werks, ungefähr wie ein Gang bei einem Menü: Jeder schmeckt anders, und doch gehören alle zum selben Abend. Mit I. Mars, the Bringer of War beginnt es bedrohlich, II. Venus, the Bringer of Peace bringt Ruhe, und III. Mercury, the Winged Messenger ist mit etwa dreieinhalb bis vier Minuten der kürzeste Satz und huscht in flottem Tempo vorbei. In IV. Jupiter, the Bringer of Jollity feiert das Orchester ausgelassen, bis mitten im Trubel eine breite, feierliche Melodie erklingt, und V. Saturn, the Bringer of Old Age lässt zu Beginn Flöten, Fagotte und Harfen wie eine tickende Uhr klingen. VI. Uranus, the Magician erinnert mit seinem tollpatschigen Tanz an The Sorcerer's Apprentice von Dukas, und VII. Neptune, the Mystic löst am Ende alles in leiser Ferne auf.Ein Orchester, das kaum auf die Bühne passt
Für die Suite brauche ich ein riesiges Orchester mit Orgel, Celesta, zwei Harfen und Röhrenglocken. Dazu kommen sechs Pauken, für die allein zwei Spieler nötig sind. Die Orgel hört man besonders deutlich am Höhepunkt von Uranus, wo sie mit einem Glissando dazwischenfährt. Die Röhrenglocken setze ich in Saturn ein, wo sie neben den Pauken das einzige Schlagwerk sind.Ein Name, der zu deutsch klang
Als der Krieg kam, war ich Musikdirektor an der St Paul's Girls' School und wurde für den Militärdienst als untauglich abgelehnt. Meine Freunde George Butterworth und Cecil Coles kamen im Krieg ums Leben, und das hat mich nicht losgelassen. Mars ist übrigens keine Antwort auf das Kriegsgeschehen, denn ich hatte ihn schon Mitte 1914 geschrieben, bevor die Kämpfe begannen. Im September 1918 strich ich dann das "von" aus meinem Namen, weil der YMCA, für den ich in Salonica arbeitete, ihn zu deutsch fand.Eine Uraufführung für 250 Gäste
Am 29. September 1918 erklang die Suite zum ersten Mal in der Queen's Hall in London, und Adrian Boult stand am Pult. Das Publikum bestand aus rund 250 geladenen Gästen, einen Konzertsaal voller Fremder gab es also noch nicht. Bezahlt hat den Abend mein Freund Balfour Gardiner, dem ich dafür bis heute dankbar bin. Die erste vollständige öffentliche Aufführung folgte am 15. November 1920 mit dem London Symphony Orchestra unter Albert Coates.Ein Erfolg, den ich nicht bestellt hatte
Die Kritiken fielen gemischt aus: Von 37 ausgewerteten Veröffentlichungen urteilten 28 positiv, aber bei The Globe und The Sunday Times war man feindselig. Dass das Publikum die Suite trotzdem so ins Herz schloss, überraschte mich und bereitete mir sogar Unbehagen, und ich war dagegen, einzelne Sätze losgelöst vom Ganzen aufzuführen. Aus der Mitte von Jupiter machte ich 1921 die Hymnenmelodie "Thaxted", die man zu "I Vow to Thee, My Country" singt. Imogen Holst fand, dass diese Verbindung dem Satz eher geschadet hat.Der Planet, den ich nicht kannte
Die Suite hat Rockbands und Filmmusik wie Star Wars beeinflusst und wurde mindestens 80-mal kommerziell aufgenommen. Pluto fehlt bei mir, weil er erst 1930 entdeckt wurde, als meine Suite längst fertig war. Colin Matthews schrieb deshalb im Jahr 2000 Pluto, the Renewer, im Auftrag des Hallé Orchestra. Kent Nagano dirigierte die Uraufführung im Mai 2000 in Manchester.---
Das war sie also, die Geschichte hinter meiner Suite The Planets. Hat es dir Freude gemacht, mehr über die Entstehung zu erfahren? Ich hoffe, du hörst die sieben Sätze jetzt ein wenig anders, vielleicht aufmerksamer für das, was sich hinter den Klängen verbirgt. Ein Werk, das ich zum großen Teil an Wochenenden und in den Ferien geschrieben habe, trägt eben viele kleine Geschichten in sich. Und es gibt noch viel mehr an The Planets zu entdecken: die einzelnen Sätze mit ihren eigenen Stimmungen, die Art, wie das Orchester klingt, und den Weg, den die Musik nach meiner Zeit genommen hat. Wenn du neugierig geworden bist, klick einfach auf die Links hier auf der Seite und hör dich weiter durch meine Planeten. Vielleicht entdeckst du dabei einen Moment, der dich genauso lange begleitet wie mich.
Schönste MomenteHörführer 1: I. Mars, the Bringer of WarHörführer 2: II. Venus, the Bringer of PeaceHörführer 3: III. Mercury, the Winged MessengerHörführer 4: IV. Jupiter, the Bringer of JollityHörführer 5: V. Saturn, the Bringer of Old AgeHörführer 6: VI. Uranus, the MagicianHörführer 7: VII. Neptune, the MysticMehr über HolstLerne es zu erkennen, wenn du es hörst
