Ja sagen mit Mendelssohns Wedding March
Der Hörführer
Wedding March in C major, Op. 61, No. 9

Ich bin Felix Mendelssohn, und das hier ist der Hörführer zu meinem Wedding March. Du hörst, wie das Stück klingt, wenn nicht eine Kirchenorgel, sondern ein ganzes Orchester mit Becken und Triangel es spielt, und merkst, wie festlich es schon auf der Bühne wirkt. Hier bringen wir Komponisten dir auch bei, unsere Stücke zu erkennen, sobald sie erklingen, also probier es doch gleich im Trainer aus .
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Ohren auf, Sektglas bleibt noch stehen
Wenn du meinen Wedding March zum ersten Mal bewusst hörst, achte zuerst auf die Trompeten, denn sie sind so etwas wie die Türsteher des Stücks. Die Streicher tragen danach den Schwung, sie laufen wie ein gleichmäßiger Schritt unter allem anderen her, und die Pauke setzt dazu die kräftigen Ausrufezeichen. Flöten und Klarinetten steuern helle, flinke Farben bei, die den Klang immer wieder aufhellen. Du musst dir keinen einzigen Instrumentennamen merken, es genügt, wenn du hörst, wer gerade vorne steht und wer begleitet.Warum ein Marsch Hochzeit heißt, ohne Trauschein
Den Titel habe ich gewählt, weil der Marsch im Sommernachtstraum genau dort erklingt, wo im fünften Akt die Hochzeitsfeier beginnt. Der Name beschreibt also eine Szene auf der Bühne und kein Ereignis in der Kirche. Dass man das Stück heute meist auf der Orgel spielt, war nicht mein Plan, denn ich habe es für ein Orchester und für das Theater gedacht. Stell dir beim Hören deshalb lieber Kulissen und Scheinwerfer vor als einen Brautschleier.Ein Marsch mit Seitenausflügen
Die Form zu wählen war ein kleines Abenteuer, denn ein Marsch will gerade vorwärtsgehen und soll trotzdem nicht langweilig werden. Eine Sonate oder ein Rondo im strengen Sinn habe ich nicht gebaut, sondern einen Marsch, der immer wieder zu seinem Hauptthema zurückkehrt und dazwischen Zwischenteile einschiebt. Der Übersicht halber teile ich ihn in vier Abschnitte ein, nämlich die Fanfare, das Hauptthema, den Zwischenteil und die Rückkehr mit dem Schluss. Wir gehen sie gleich nacheinander durch, und zwar mit den Ohren und nicht mit dem Taktstock.Abschnitt 1: Die Fanfare räumt den Weg frei
Der erste Abschnitt ist kurz und besteht fast nur aus Blech, denn die Trompeten rufen ein Signal in den Raum, das keine Antwort erwartet, sondern Aufmerksamkeit. Danach antwortet das ganze Orchester, als würde der Saal einmal kräftig zustimmend nicken. Das Tempo ist hier schon der feste Marschschritt, und die Stimmung ist festlich und hell. Merk dir diesen Klang gut, denn er ist so etwas wie die Eintrittskarte und kommt gegen Ende noch einmal wieder.Abschnitt 2: Das Thema, das alle schon kennen
Dann folgt das Hauptthema in C-Dur, kräftig und geradeaus, und viele erkennen es nach wenigen Tönen, auch wenn sie noch nie ein Konzert besucht haben. Die Melodie schreitet in klaren, fast sprechenden Rhythmen voran, und Streicher und Bläser reichen sie sich gegenseitig weiter. Was das Tempo angeht, steht in manchen Ausgaben Allegro vivace und in anderen nur Allegro, gemeint ist aber in beiden Fällen ein beschwingter Schritt und kein Spurt. Die Stimmung ist ungetrübt strahlend, hier gibt es nichts zu grübeln, sondern nur zu feiern.Abschnitt 3: Abbiegen in den schattigen Garten
Im Zwischenteil nehme ich dem Marsch das Gewicht ab, es wird leiser, die Melodie läuft flüssiger, und die Holzbläser treten mit ihrem helleren Klang weiter nach vorn. Das Schreiten weicht einem leichten Dahingleiten, als würde der Festzug vom Hauptweg in einen kühlen Garten abbiegen. Die Stimmung wechselt von Feierlichkeit zu Beweglichkeit, fast zu einem kleinen Spiel, und das passt gut in die Welt der Elfen, die Shakespeare in seinem Stück auftreten lässt. Wer den Marsch nur von der Orgel in der Kirche kennt, hört hier vielleicht zum ersten Mal etwas, das ihm bisher gefehlt hat.Abschnitt 4: Alle noch einmal, bitte mit Schwung
Zum Schluss kehrt das Hauptthema zurück, und weil du es jetzt kennst, klingt es wie das Wiedersehen mit einem guten Bekannten. Auch die Fanfare meldet sich noch einmal, und damit schließt sich der Kreis, den die Trompeten am Anfang geöffnet haben. Das Tempo bleibt im Marschschritt, doch die Klangfülle wächst, weil Pauke, Blech und Streicher zusammen spielen, bis der Schluss nach einem rundum gelungenen Fest klingt. Der Marsch hat später auch andere Musiker gepackt, denn Liszt hat ihn zu einem Klavierstück für Virtuosen umgearbeitet, bei dem die Finger ordentlich ins Schwitzen kommen.Jetzt bist du dran, der Saal ist frei
Jetzt lade ich dich ein, meinen Wedding March selbst zu erleben. Drück auf Play und lass dich von der Musik einfach mitnehmen. Vielleicht denkst du beim Zuhören an das, was wir besprochen haben, also an die Fanfare, das Thema, den Zwischenteil und die Rückkehr. Ich hoffe, dass dich die Reise durch meinen Wedding March so begeistert, wie sie mich beim Schreiben begeistert hat.---
Hat dir der Hörführer zu meinem Hochzeitsmarsch gefallen? Ich hoffe, du hörst das Stück jetzt mit anderen Ohren, wenn es das nächste Mal durch eine Kirche schallt. Vielleicht denkst du dann an die Trompeten am Anfang, an die kurze Verschnaufpause in der Mitte und daran, dass der Marsch ursprünglich für die Bühne gedacht war. Ein Stück, das so viele Menschen an den schönsten Tag ihres Lebens begleitet, hat eben mehr Geschichten, als man beim ersten Hören vermutet. Und doch habe ich dir längst nicht alles erzählt, denn rund um diesen Marsch gibt es noch vieles zu entdecken. Franz Liszt hat zum Beispiel 1849 und 1850 eine Klavierfassung geschrieben, bei der die Finger der Pianisten ordentlich ins Schwitzen kommen, und auch Vladimir Horowitz hat später sein eigenes Glanzstück daraus gemacht. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, klick einfach auf die Links hier unten. Weitere Aufnahmen und Bearbeitungen des Hochzeitsmarschs Mehr zu meiner Musik zum Sommernachtstraum Nimm dir Zeit, hör dich in Ruhe um, und vielleicht entdeckst du dabei etwas, das ich dir hier noch gar nicht verraten habe.
