Auf der Couch bei Rachmaninoffs Piano Concerto No 2
II. Adagio sostenuto

Piano Concerto No. 2 in C minor, Op. 18

Rachmaninoff präsentiert einen Hörführer zu II. Adagio sostenuto aus Piano Concerto No 2
Ich bin Sergei Rachmaninoff, und jetzt erkläre ich dir den Satz II. Adagio sostenuto aus meinem Klavierkonzert Nr. 2. Du hörst, wie die Musik aus c-Moll sanft nach E-Dur hinübergleitet und eine Klarinette lange allein singen darf, und diese Ruhe ist eine kleine Pause wert. Wenn du unsere Stücke künftig schon beim Erklingen erkennen willst, bringen meine Komponistenkollegen und ich dir das hier bei, also  starte den Trainer .
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Zwei Ohren, ein Sessel und keine Eile

Für diesen Satz brauchst du kein Vorwissen, nur ein wenig Ruhe und am besten einen bequemen Sessel. Achte zuerst darauf, wie das Orchester den Boden bereitet, und warte dann auf die Klarinette, die ziemlich lange allein erzählen darf. Das Klavier hält sich anfangs zurück, und wenn es sich dann meldet, klingt es wie ein Freund, der nach langem Schweigen endlich sagt, was ihn beschäftigt. Du musst nichts analysieren, denn wenn dir eine Melodie zu Herzen geht, hast du diesen Satz schon verstanden.

Ein Name wie ein tiefer Atemzug

Adagio sostenuto heißt „langsam und getragen“, und genau so wollte ich diesen Satz haben. Die Töne sollen nicht eilen, sondern sich aneinanderhängen wie ein langer Atemzug, den man erst am Ende wieder ausströmen lässt. Nach den Jahren, in denen ich kaum etwas schrieb, und nach der Behandlung bei Nikolai Dahl brauchte ich selbst diese Ruhe am dringendsten. Begonnen habe ich den Satz im Juni 1900 in Italien, wo ich bei Feodor Chaliapin zu Gast war, und ein bisschen von dieser Gelassenheit hört man ihm vielleicht an.

Keine Schublade, aber ein klarer Weg

Bei der Form habe ich mich bewusst gegen ein strenges Schema entschieden, denn ich wollte, dass sich dieser Satz wie ein Weg entwickelt. Er beginnt mit einem Übergang, es folgen ein langes Klarinettensolo und eine Kadenz des Klaviers, und am Ende löst sich alles langsam auf. Daraus ergeben sich für mich vier Abschnitte, die ich dir gleich der Reihe nach vorstelle. Stell dir eine kleine Wanderung vor: erst der Einstieg, dann die Aussicht, dann der höchste Punkt und zum Schluss die Stille.

Abschnitt 1: Das Fenster geht auf

Der Satz beginnt mit einer Modulation von c-Moll nach E-Dur, und das fühlt sich an, als würde jemand in einem dunklen Zimmer langsam ein Fenster öffnen. Das Tempo ist von der ersten Note an Adagio sostenuto, also ruhig und getragen. Die Stimmung wandelt sich von Anspannung zu Wärme, ohne dass du irgendwo einen Bruch hörst. Sobald E-Dur erreicht ist, hat die Musik ihr Zuhause für diesen Satz gefunden.

Abschnitt 2: Die Klarinette hat das Wort

Nun übernimmt die Klarinette ein ausgedehntes Solo, und ich lasse ihr erstaunlich viel Zeit dafür. Das Tempo bleibt gelassen, und das Klavier überlässt ihr den Vortritt und hört gewissermaßen zu. Die Stimmung ist schlicht, zärtlich und voller Sehnsucht, ganz ohne große Gesten. Dass Eric Carmen 1975 sein Lied „All by Myself“ auf diesen Satz gestützt hat, wundert mich deshalb nicht.

Abschnitt 3: Jetzt darf das Klavier sprechen

Jetzt folgt die Kadenz des Klaviers, und der Solist steht für einen Moment ganz im Mittelpunkt. Er darf hier freier atmen und die Zeit ein wenig dehnen, auch wenn der ruhige Grundcharakter des Satzes spürbar bleibt. Aus dem stillen Gesang wird nun ein Aufblühen, das etwas Leidenschaftliches bekommt. Die Wärme von E-Dur trägt dabei alles, sodass die Steigerung nie hart oder laut wirkt.

Abschnitt 4: Das Licht wird gedimmt

Zum Schluss blendet die Musik allmählich aus, bis der Solist ganz allein übrig bleibt. Das Orchester zieht sich Stück für Stück zurück, so wie Gäste nach einem langen Abend leise nach Hause gehen. Das Tempo bleibt ruhig, und über allem liegt ein Frieden, in den sich ein wenig Wehmut mischt. Vor Publikum erklang dieser Satz erstmals am 15. Dezember 1900 in Moskau, gemeinsam mit dem dritten Satz, wobei ich selbst am Klavier saß und Alexander Siloti dirigierte.

Jetzt bist du dran: Schuhe aus und zuhören

Jetzt lade ich dich ein, den Satz II. Adagio sostenuto selbst zu erleben. Drück auf Play, lehn dich zurück und lass dich von der Musik tragen. Denk beim Hören ruhig an das, was wir besprochen haben: an das sich öffnende Fenster, die Klarinette, die Kadenz und das langsame Verlöschen. Ich hoffe, du erlebst diese Reise durch meinen II. Adagio sostenuto so bewegend, wie ich sie beim Komponieren erlebt habe.
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Ich hoffe, die Reise durch den Satz II. Adagio sostenuto aus meinem Klavierkonzert Nr. 2 hat dir gefallen. Vielleicht hörst du ihn jetzt mit anderen Ohren: die Klarinette, die lange allein erzählen darf, das Klavier, das sich erst spät und leise dazugesellt, und am Ende der Pianist, der ganz allein zurückbleibt. Mein Klavierkonzert Nr. 2 hat noch viel mehr zu bieten als diesen einen Satz. Da gibt es die läutenden Akkorde am Anfang, den Schwung des letzten Satzes und manche Geschichte darum herum, die ich dir noch gar nicht erzählt habe. Wenn du neugierig geworden bist, klick einfach auf die Links hier auf der Seite und entdecke weiter, was in diesem Konzert steckt.