Auf der Couch bei Rachmaninoffs Piano Concerto No 2
III. Allegro scherzando

Piano Concerto No. 2 in C minor, Op. 18

Rachmaninoff präsentiert einen Hörführer zu III. Allegro scherzando aus Piano Concerto No 2
Ich bin Sergei Rachmaninoff, und ich erkläre dir jetzt den Satz III. Allegro scherzando aus meinem Klavierkonzert Nr. 2. Du hörst, wie dieses Finale in c-Moll beginnt und sich über lebhafte Wendungen bis zu einem strahlenden Schluss in C-Dur aufschwingt, und diesen Weg solltest du dir nicht entgehen lassen. Beim Hören unsere Stücke zu erkennen, bringen dir meine Komponistenkollegen und ich hier bei, und am besten  probierst du den Trainer aus .
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So hörst du dieses Finale, ohne je ein Konzert besucht zu haben

Für den III. Allegro scherzando brauchst du kein Vorwissen, nur Lust auf Bewegung. Achte zuerst darauf, wie sich Klavier und Orchester die Musik gegenseitig zuspielen, mal führt der eine, mal das andere. Das Klavier sitzt hier nicht gemütlich in der ersten Reihe, es hat ordentlich zu tun, und Streicher, Bläser und Schlagwerk halten dagegen wie bei einem Ballwechsel, bei dem keiner den Ball fallen lässt. Wenn du merkst, wie die Musik von dunkel nach hell wandert, hast du den Kern dieses Satzes schon gehört.

Warum „scherzando“ nicht heißt, dass ich Witze erzähle

Allegro heißt „lebhaft“, und scherzando bedeutet „scherzend“, also spielerisch und beweglich. Gemeint ist kein Lachen aus vollem Hals, sondern eine federnde Leichtigkeit, die nach dem ruhigen zweiten Satz wieder Schwung in das Konzert bringt. Begonnen habe ich diesen Satz im Juni 1900 in Italien, zusammen mit dem langsamen Satz, und am 15. Dezember 1900 habe ich beide in Moskau gespielt, während mein Cousin Siloti dirigierte. Dass die Musik so unbeschwert klingt, nachdem die Jahre davor so schwer gewesen waren, bedeutet mir bis heute viel.

Sonate, Rondo oder etwas ganz anderes?

Die richtige Form für diesen Satz zu finden, war ein kleines Abenteuer für sich, und am Ende habe ich mich an die Sonatenform gehalten. Das heißt, es gibt eine Exposition mit zwei Themen, einen bewegten Mittelteil, eine Reprise und eine Coda. Ein reines Rondo ist es nicht, weil die Themen nicht einfach im Kreis laufen, sondern unterwegs ihre Tonart und damit ihr Gesicht verändern. Der ganze Satz führt von c-Moll nach C-Dur, und ich nehme dich jetzt Abschnitt für Abschnitt mit.

Abschnitt 1: Erst einmal in Moll losmarschieren

Der Satz beginnt in c-Moll, derselben Tonart wie der erste Satz, und das Tempo ist von Anfang an lebhaft. Das erste Thema klingt energisch und drängend, eher entschlossen als verspielt. Von dem Licht, das später kommt, ist hier noch nichts zu hören, die Musik bleibt zunächst im dunkleren Ton. Merk dir diese Stimmung gut, denn an ihr kannst du später messen, wie weit wir gekommen sind.

Abschnitt 2: Die Musik atmet durch

Jetzt wechselt die Tonart nach B-Dur, und das zweite Thema der Exposition tritt auf. Es ist weicher und singender als das erste, als hätte die Musik kurz die Schultern sinken lassen. Das Tempo bleibt lebhaft, aber der Ausdruck wird warm, und du spürst zum ersten Mal richtig, dass in diesem Satz mehr steckt als Schwung. Genau dieser Gegensatz zwischen dem drängenden ersten und dem singenden zweiten Thema trägt alles, was danach kommt.

Abschnitt 3: Alles in Bewegung, aber mit Plan

Im Mittelteil nehme ich die beiden Themen auseinander und setze sie in immer neuen Tonarten wieder zusammen. Die Stimmung wechselt hier schneller als vorher, mal unruhig, mal fast neckisch, und das Klavier und das Orchester reichen sich die Bruchstücke hin und her. Du musst die Tonarten nicht benennen können, es genügt, wenn du hörst, dass die Musik unterwegs ist und noch nicht weiß, wo sie ankommt. Wie bei einer Reise mit vielen Umstiegen wird das Ziel erst am Ende wirklich klar.

Abschnitt 4: Ein vertrautes Thema in neuem Licht

In der Reprise kehren die Themen zurück, und du erkennst sie sofort wieder. Das zweite Thema erscheint jetzt aber in Des-Dur und nicht mehr in B-Dur, wodurch es noch ein wenig wärmer und tiefer klingt. Es ist dieselbe Melodie, nur in einer anderen Beleuchtung, und genau darin liegt der Reiz dieser Wiederkehr. Aus dem Weg, den du bis hierher gehört hast, ist damit schon fast ein Heimweg geworden.

Abschnitt 5: Der Schlussspurt in Dur

Die Coda bringt die Musik endgültig aus dem Moll heraus und lässt sie in C-Dur enden. Das Tempo bleibt lebhaft, die Energie sammelt sich, und Klavier und Orchester ziehen noch einmal gemeinsam an. Wenn du an den ersten Abschnitt denkst, hörst du, wie weit der Weg von der dunklen Anfangsstimmung bis zu diesem strahlenden Schluss war. Dass der Satz so endet, ist für mich die Antwort auf alles, was dem Konzert vorausging.

Jetzt bist du an der Reihe

Jetzt lade ich dich ein, den III. Allegro scherzando selbst zu erleben. Drück auf Play und lass dich einfach von der Musik mitnehmen. Wenn du magst, denk beim Hören an das, was wir besprochen haben, an den Weg von c-Moll nach C-Dur und an das Wechselspiel von Klavier und Orchester. Ich hoffe, die Reise durch meinen III. Allegro scherzando begeistert dich so sehr, wie sie mich beim Komponieren begeistert hat.
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Ich hoffe, dir hat der Hörführer zum Satz III. Allegro scherzando aus meinem Klavierkonzert Nr. 2 gefallen. Wenn du jetzt noch einmal hinhörst, erkennst du vielleicht, wie der Satz aus dem dunklen c-Moll heraus langsam ins helle C-Dur findet. Genau dieser Weg war mir wichtig, denn nach den schweren Jahren davor wollte ich am Ende Licht und Zuversicht erklingen lassen. Von meinem Klavierkonzert Nr. 2 gibt es aber noch viel mehr zu entdecken, zum Beispiel die Geschichte hinter der Entstehung oder die anderen beiden Sätze. Klick dich gern durch die Links hier auf der Seite und lass dich weiter in dieses Werk hineinführen. Und wenn du es das nächste Mal hörst, wirst du hoffentlich merken, dass dir die Musik schon ein bisschen vertraut ist.