Voll in die Tasten bei Tchaikovskys Piano Concerto No 1
I. Allegro non troppo e molto maestoso
Piano Concerto No. 1 in B-flat minor, Op. 23

Hier spricht Tchaikovsky, und ich erkläre dir jetzt den ersten Satz meines Piano Concerto No 1, das Allegro non troppo e molto maestoso. Du hörst, wie aus einer wuchtigen Einleitung heraus ein ukrainisches Volkslied zum Hauptthema wird, das ich einst von einem Straßensänger aufgeschnappt habe, und genau dieses schlichte Lied trägt den ganzen Satz. Hier auf der Seite bringen wir Komponisten dir bei, unsere Stücke zu erkennen, sobald sie erklingen, und ob dir das schon gelingt, zeigt dir ein Versuch im Trainer .
---
Zuhören ohne Konservatorium
Du brauchst kein Vorwissen, nur ein Ohr für zwei Gegenspieler: das Orchester auf der einen Seite und das Klavier auf der anderen. Achte am Anfang auf die Hörner, denn sie rufen vier Noten in den Raum, und danach tragen die Streicher die breiten, singenden Melodien. Die Holzbläser bringen die zarteren Farben dazu, und das Klavier ist der Solist, der mal perlt, mal donnert. Wenn du dir bei jedem Einsatz kurz merkst, wer gerade das Wort hat, hörst du kein Durcheinander mehr, sondern ein Gespräch.Ein Titel mit Krawatte
Allegro bedeutet schnell, aber ich habe "non troppo" dazugeschrieben, also nicht übertrieben schnell. "Molto maestoso" heißt sehr majestätisch, und genau diese Würde wollte ich schon in der Überschrift versprechen. Der Satz sollte also Tempo haben, aber nie hetzen, wie jemand im Festgewand, der zügig die Treppe hinaufschreitet und trotzdem nicht aus der Puste kommt. Später geht es dann in ein "Allegro con spirito" über, und damit verrät dir der Titel schon, dass erst die Feierlichkeit kommt und dann der Schwung.Vorhang auf, Hauptteil, Soloauftritt
Die Form für diesen Satz zu wählen war für mich ein kleines Abenteuer, denn ich wollte etwas Großes bauen, ohne mich in Regeln einzusperren. Am Ende steht eine feierliche Einleitung am Anfang, gefolgt von einem schnellen Hauptteil, in dem zwei sehr unterschiedliche Themen aufeinandertreffen. Dazu kommt eine Kadenz, also eine Stelle, an der das Klavier ganz allein im Rampenlicht steht. Ich zeige dir das jetzt Abschnitt für Abschnitt, damit du immer weißt, wo wir gerade sind.Abschnitt 1: Der Gast, der nur einmal klingelt
Ich eröffne den Satz mit einem Motiv aus vier Noten im Horn, und die Akkorde danach setzen dazu wie Ausrufezeichen. Diese Einleitung steht in Des-Dur, während das Stück eigentlich in b-Moll zu Hause ist, und deshalb klingt alles zugleich strahlend und ein wenig fremd. Das Hornmotiv kehrt später nicht mehr zurück, was ich selbst ungewöhnlich finde, aber es hat seinen großen Moment, und der genügt ihm. Achte darauf, wie breit und gelassen das Tempo hier ist, denn so viel Ruhe wirst du in diesem Satz nicht mehr oft bekommen.Abschnitt 2: Die Krawatte kommt ab
Mit dem "Allegro con spirito" wird es plötzlich lebhaft, und aus dem Festakt wird ein Tanz. Das Hauptthema ist eine ukrainische Volksweise, die ich von einem Straßensänger gehört habe und die mir nicht mehr aus dem Kopf ging. Ich habe sie nicht feierlich verpackt, sondern ihr Schwung und Wärme gelassen, damit man den Straßenton noch hört. Hier sind wir endlich im Kern des Stücks, in b-Moll, und die Stimmung hat von Würde auf Temperament umgeschaltet.Abschnitt 3: Das schüchterne Thema
Nach dem kräftigen Hauptthema folgt das Gegenstück, und es könnte kaum verschiedener sein. Mein zweites Thema ist zart, beinahe schüchtern, und zuerst übernehmen es die Holzbläser. Es singt leise und wirkt, als wollte es sich nach dem Trubel erst vorsichtig umsehen, bevor es etwas sagt. Dieser Wechsel von Kraft und Zärtlichkeit ist das eigentliche Drama des Satzes, und du musst nur genau hinhören, wann die Stimmung kippt.Abschnitt 4: Das Klavier macht sich breit
Im weiteren Verlauf bekommt das Klavier immer mehr Raum, und es zeigt dabei alle Seiten, die es hat. Mal spielt es anmutige, leichte Figuren, mal greift es zu Doppeloktaven, bei denen die Hände ordentlich arbeiten müssen. Dann folgt die Kadenz, in der das Orchester schweigt und der Pianist allein erzählt, was er auf dem Herzen hat. Wenn der Solist dort gleichzeitig wuchtig und fein klingt, dann hast du genau das gehört, was ich mir für dieses Konzert vorgestellt habe.Jetzt bist du dran
Jetzt lade ich dich ein, den ersten Satz, Allegro non troppo e molto maestoso, selbst zu erleben. Drück auf Play und lass dich einfach von der Musik tragen, ohne dass du irgendetwas richtig machen musst. Vielleicht denkst du beim Hören an das, was wir besprochen haben, an die vier Hornnoten, das schüchterne zweite Thema und das Klavier, das am Ende allein spricht. Ich hoffe, dass dich diese Reise durch meinen Satz so mitreißt, wie sie mich beim Schreiben mitgerissen hat.---
Das war er also, der erste Satz meines Piano Concerto No 1, vom Hornmotiv am Anfang bis zum Klavier, das am Ende noch einmal alles zeigt. Wenn du jetzt mit etwas Ruhe zurückblickst, merkst du vielleicht, wie viel in diesem Allegro non troppo e molto maestoso steckt: die große Einleitung, die nie wiederkehrt, die Volksweise vom Straßensänger und das scheue zweite Thema in den Holzbläsern. Hat dir dieser Hörführer zum ersten Satz, dem Allegro non troppo e molto maestoso aus meinem Piano Concerto No 1, gefallen? Ich hoffe, du hörst die Musik jetzt mit anderen Ohren und entdeckst bei jedem Mal ein neues Detail. Und es gibt noch viel mehr, was du an diesem Konzert erkunden kannst, denn der zweite Satz und das Finale haben ihre ganz eigenen Geschichten. Klick einfach auf die Links, die ich dir hier bereitgelegt habe, und geh auf weitere Entdeckungsreise durch mein Piano Concerto No 1.
