Aus dem Dornröschenschlaf mit Tchaikovskys Sleeping Beauty Waltz
Der Hörführer
The Sleeping Beauty, Op. 66: Act I, No. 6, Waltz

Schön, dass du da bist: Ich bin Tchaikovsky, und das hier ist mein Hörführer zum Sleeping Beauty Waltz. Hier zeige ich dir, wie Violinen, Holzbläser und das helle Glitzern des Glockenspiels im Dreivierteltakt ineinandergreifen, damit du beim Hören genau verfolgen kannst, wer im Orchester gerade den Ton angibt. Hier auf der Seite verraten dir meine Kollegen und ich außerdem, woran du unsere Musik sofort erkennen kannst – teste es direkt im Trainer .
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Wer im Orchester den Blumenkranz hält
Wenn du meinen Sleeping Beauty Waltz hörst, achte zuerst auf die Violinen, denn sie tragen die große, schwebende Hauptmelodie wie auf Händen durch den Saal. Damit ihnen dabei nicht die Puste ausgeht, liefern die tiefen Streicher, die Fagotte und die vier Hörner das gleichmäßige Fundament im Dreivierteltakt. Besonders hübsch wird es, wenn Flöten, Oboen, Klarinetten und das Englischhorn kleine Antworten dazwischenrufen oder das Glockenspiel zusammen mit Triangel und Tamburin ein helles Glitzern über die Musik streut. Für die großen, festlichen Momente habe ich außerdem Kornette, Trompeten, Posaunen, Tuba und kräftiges Schlagwerk bis hin zur großen Trommel parat, die klingen, als würden sämtliche Palasttüren gleichzeitig auffliegen.Ein Geburtstagstanz mit vielen Spitznamen
In meiner Partitur für das Ballett The Sleeping Beauty, Op. 66 trägt das Stück als sechste Nummer im ersten Akt eigentlich nur den schlichten Namen Waltz. Auf der Bühne feiern die Dorfbewohner und die Jugend des Hofes in dieser Szene den sechzehnten Geburtstag von Princess Aurora. Weil die Tänzer dabei nach den Ideen von Ballettmeister Marius Petipa bunte Blumenkränze durch die Luft schwingen, kennt man die Musik heute überall als Garland Waltz oder Grande valse villageoise. Ein schlichtes Nummernschild reicht für das Inhaltsverzeichnis, aber ein blumiger Spitzname bleibt beim Publikum eben doch viel leichter im Gedächtnis.Ein musikalisches Sandwich in fünf Teilen
Für den Aufbau habe ich keine verkopfte Sonate und kein endloses Rondo gewählt, sondern eine große dreiteilige Tanzform nach dem Muster A-B-A mit einer Einleitung davor und einer Coda zum Abschluss. Man kann sich das Ganze wie einen gut geplanten Festabend vorstellen: Erst werden die Gäste begrüßt, dann folgt der Haupttanz, zwischendurch gibt es eine leichtere Abwechslung, danach kehrt der große Walzer zurück, und am Ende brennt das Feuerwerk. Insgesamt umfasst mein Walzer genau 297 Takte in B-Dur mit der Tempobezeichnung Allegro, Tempo di Valse, sodass die Musik vom ersten bis zum letzten Ton ordentlich vorwärtsdrängt. Schauen wir uns diese fünf Abschnitte jetzt einfach der Reihe nach an, damit du beim Hören immer genau weißt, an welcher Stelle des Festes du dich gerade befindest.Abschnitt 1: Erst mal feierlich anklopfen
Alles beginnt mit einer schwungvollen Orchestereinleitung, die im Ballettsaal sofort für Ruhe und gespannte Aufmerksamkeit sorgt. Die Bläser und Streicher setzen kräftige Akkorde, als würde der Zeremonienmeister dreimal mit dem Stab auf den Boden klopfen, um die Geburtstagsgesellschaft für Princess Aurora aufzustellen. Noch wird nicht richtig getanzt, sondern die Musik holt tief Luft und baut eine freudige Erwartung auf das auf, was gleich folgt. Nach wenigen Takten gleitet diese Eröffnung dann nahtlos in das schwingende Begleitmuster über, das den eigentlichen Walzer in Bewegung setzt.Abschnitt 2: Die große Runde mit Ohrwurmgarantie
Im ersten Hauptteil, dem A-Teil, übernehmen die Streicher das Kommando und stimmen in warmem B-Dur jene weit geschwungene Melodie an, die das Herz des ganzen Stücks bildet. Der Dreivierteltakt hat hier einen so natürlichen, wiegenden Zug, dass man fast vergisst, wie viel genaue Arbeit in einer scheinbar so mühelosen Linie steckt. Jahrzehnte später hat Walt Disney genau dieses Thema für seinen Film Sleeping Beauty aus dem Jahr 1959 übernommen und daraus das Lied Once Upon a Dream gemacht. Bei mir gehört die Melodie aber noch ganz dem vollen Orchester, das sie immer reicher ausschmückt und mit hellem Blech und Schlagwerk zu einem ersten strahlenden Höhepunkt führt.Abschnitt 3: Flinke Füße und glitzernde Tupfer
Für den mittleren B-Teil wechsle ich die Stimmung und lasse die weiche, breite Gesangslinie für einen Moment hinter mir. Stattdessen wird die Musik hier deutlich leichtfüßiger und verspielter, während die Holzbläser wie die kleine Piccoloflöte und das glitzernde Glockenspiel eigene Akzente setzen. Auf der Bühne kann man sich hier wunderbar vorstellen, wie die Tänzer ihre Blumenkränze zu immer neuen, flinken Mustern verflechten, statt sich nur im großen Kreis zu drehen. Nach diesem spritzigen Zwischenspiel sammeln die Instrumente langsam wieder ihre Kräfte, um den Bogen zurück zum vertrauten Hauptthema zu schlagen.Abschnitt 4: Das Wiedersehen mit dem Hauptthema
Wenn der A-Teil zurückkehrt, fühlt sich das an, als würde man auf einem vollen Ballsaal plötzlich einem guten alten Freund begegnen. Die große Walzermelodie in B-Dur erklingt noch einmal in ihrer ganzen Pracht, und weil dein Ohr sie nun schon kennt, kannst du jetzt wunderbar auf die Nebenstimmen der Hörner und Holzbläser achten. Im Vergleich zum etwas luftigeren Mittelteil wirkt dieser Abschnitt wieder herrlich satt und rund, als hätte sich das gesamte Orchester noch einmal untergehakt. So dreht sich der Tanz ein zweites Mal durch den Raum, bis alles bereit ist für den großen Schlussspurt.Abschnitt 5: Das große Finale ohne Schwindelgefühl
Den Abschluss bildet die Coda, in der ich noch einmal alle Register ziehe, damit der Walzer nicht einfach leise ausläuft, sondern mit einem echten Ausrufezeichen endet. Hier dürfen Trompeten, Kornette, Posaunen und Tuba zusammen mit Pauken, Becken, kleiner Trommel und großer Trommel zeigen, wie viel festliche Kraft in diesem Orchester steckt. Das Tempo bleibt schwungvoll bis zum Schluss, während sich die Motive überschlagen und die Tänzer auf der Bühne in ihre letzte, große Aufstellung wirbeln. Mit ein paar kräftigen, strahlenden Schlägen fällt schließlich der musikalische Vorhang, und man möchte am liebsten sofort wieder von vorn anfangen.Jetzt bist du an der Reihe
Jetzt lade ich dich herzlich ein, meinen Sleeping Beauty Waltz selbst anzuhören. Drück einfach auf Start und lass dich mitten hineinziehen in dieses festliche Treiben. Behalte beim Hören gern ein paar unserer Beobachtungen im Hinterkopf, vom glitzernden Glockenspiel bis zur Rückkehr der großen Melodie. Ich hoffe, die Reise durch meinen Sleeping Beauty Waltz macht dir genauso viel Freude wie mir damals, als ich ihn im Sommer 1889 auf meinem Landsitz in Frolovskoye vollendet habe!---
Hat es dir Freude gemacht, gemeinsam mit mir genau hinzuhören, wie die einzelnen Instrumente in meinem Sleeping Beauty Waltz ineinandergreifen? Hinter diesem Walzer stecken natürlich noch viele weitere spannende Geschichten und besondere musikalische Momente, die wir uns anschauen können. Klick dich einfach durch die Links hier auf der Seite, wenn du noch tiefer in meinen Sleeping Beauty Waltz eintauchen möchtest.
