Ein leiser Abschied bei Tchaikovskys Symphony No 6
III. Allegro molto vivace

Symphony No. 6 in B minor, Op. 74 ("Pathétique")

Tchaikovsky präsentiert einen Hörführer zu III. Allegro molto vivace aus Symphony No 6
Ich bin Tchaikovsky, und ich erkläre dir jetzt den dritten Satz meiner Symphony No 6, das Allegro molto vivace. Du hörst einen scherzohaften Marsch in G-Dur, der so schwungvoll vorwärtsdrängt, dass man fast vergisst, wie ruhig und schwer das Finale danach wird. Von meinen Kollegen und mir lernst du hier auf der Seite, unsere Stücke zu erkennen, sobald sie erklingen, also  teste dich im Trainer .
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Ein Marsch, bei dem man nicht stolpert

Bevor du auf Play drückst, sage ich dir, worauf du achten kannst: Du musst nichts über Musik wissen, hör einfach darauf, wie sich die Instrumente die Arbeit teilen. Die Streicher sind der Motor, sie huschen und wirbeln am Anfang so flink dahin, dass man fast Lust bekommt, die Füße mitzubewegen. Flöten, Oboen und Klarinetten setzen dazu kleine helle Farbtupfer, und wenn die Trompeten und Posaunen einsetzen, merkst du, dass aus dem Huschen ein richtiger Marsch wird. Pauke, Becken und große Trommel hebe ich mir für die lauten Momente auf, und sobald sie dabei sind, weißt du, dass es ernst wird.

Warum dieser Satz so heißt, wie er heißt

Allegro molto vivace habe ich über den Satz geschrieben, weil ich dir damit gleich sagen wollte, dass es jetzt sehr schnell und sehr lebendig zugeht. Nach dem sanft schwankenden Walzer davor sollte dieser Satz wie ein Ruck wirken, und mit G-Dur klingt er dazu erst einmal hell und zuversichtlich. Diese Helligkeit ist Absicht, denn ich habe in einem Brief an meinen Neffen Vladimir Davydov geschrieben, dass am Ende kein lautes Allegro stehen soll, sondern ein langes, langsames Adagio. Also gebe ich dir vorher noch einmal alles an Schwung und Glanz mit, damit die Stille danach umso mehr auffällt.

Scherzo mit Stiefeln

Die Form für diesen Satz zu finden war ein kleines Abenteuer, denn Spiel und Marsch sollten in einem Satz zusammenpassen. Herausgekommen ist ein scherzoartiger Marsch im Viervierteltakt, also etwas Verspieltes, das trotzdem im Gleichschritt geht. Wenn du ihn dir als Weg vorstellst, dann beginnt er leise und flink, wird immer kräftiger und mündet in einen großen Auftritt des ganzen Orchesters. Diese Etappen schauen wir uns jetzt eine nach der anderen an, und du wirst sie beim Hören schnell wiedererkennen.

Abschnitt 1: Es raschelt im Unterholz

Gleich zu Beginn huscht es leise und blitzschnell durch die Streicher und Holzbläser, als würden viele kleine Füße über raschelndes Laub laufen. Das Tempo ist von der ersten Sekunde an hoch, aber die Lautstärke bleibt zurückhaltend, und genau das macht neugierig. Die Stimmung ist hell und beinahe schwerelos, und G-Dur gibt dem Ganzen ein freundliches Gesicht. Du hörst hier noch keinen Marsch, sondern nur das Vorspiel, in dem die Musik Anlauf nimmt.

Abschnitt 2: Der Marsch kommt um die Ecke

Dann taucht aus dem Flirren allmählich ein fester Rhythmus auf, bei dem du ohne Mühe im Viervierteltakt mitklopfen kannst. Die Melodie klingt entschlossen und beinahe fröhlich, und die Bläser übernehmen jetzt mehr und mehr das Wort. Das Tempo bleibt rasant, aber die Musik bekommt Gewicht, so als würde aus einem Spaziergang eine Parade. Hier wechselt die Stimmung zum ersten Mal von Spiel zu Selbstbewusstsein, und das ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg dieses Satzes.

Abschnitt 3: Alle wollen mitmarschieren

Nun wird die Musik Welle für Welle lauter, und immer mehr Instrumente schließen sich dem Marsch an. Trompeten und Posaunen glänzen, die Pauke grollt, und du spürst, wie sich die Spannung Takt für Takt verdichtet. Die Stimmung kippt dabei von Übermut in etwas Triumphales, das fast zu strahlend ist, um ganz unschuldig zu sein. Gerade diese Überhöhung gehört zu meinem Plan, denn aus Jubel kann in meiner Symphonie sehr schnell etwas anderes werden.

Abschnitt 4: Der große Auftritt und was danach kommt

Am Schluss hält das ganze Orchester zusammen, auch Becken und große Trommel sind dabei, und der Satz endet mit einem Glanz, der dich mitreißen soll. Viele im Publikum wollen an dieser Stelle am liebsten sofort applaudieren, so überzeugend klingt dieses Ende. Aber du weißt nun, dass dieser Jubel nicht das letzte Wort hat, denn danach folgt kein lautes Finale, sondern das langsame Adagio lamentoso in h-Moll. So erzählt der Satz mit Tempo, Lautstärke und Klangfarbe, wie hell es werden kann, bevor es still wird.

Jetzt bist du dran

Nun lade ich dich ein, diesen Satz selbst zu erleben, denn Worte sind nur der Wegweiser und die Musik ist der Weg. Drück auf Play und lass dich einfach mittragen, vom ersten Huschen bis zum strahlenden Schluss. Vielleicht denkst du beim Hören an das, was wir besprochen haben, an den Weg vom leisen Flirren zum großen Marsch. Ich hoffe, du erlebst meinen Allegro molto vivace mit der gleichen Begeisterung, mit der ich ihn damals geschrieben habe.
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Ich hoffe, es hat dir Freude gemacht, mehr über den dritten Satz, das Allegro molto vivace, aus meiner Symphony No 6 zu erfahren. Wenn du jetzt beim Hören merkst, wie dieser Marsch in G-Dur vorwärtsdrängt, dann hat sich der Hörführer für dich gelohnt. Danach folgt kein lauter Jubel, sondern das lange, langsame Finale, so wie ich es mir schon im Februar 1893 in meinem Brief an Vladimir Davydov vorgestellt hatte. Gerade dieser Gegensatz macht den Satz im Rückblick so nachdenklich. Von dieser Symphonie gibt es noch viel mehr zu entdecken, zum Beispiel die Geschichte hinter dem Beinamen „Pathétique“ oder die Stimmung der anderen Sätze. Klick dich gern durch die Links, die ich dir hier bereitgestellt habe, und tauche weiter in meine Symphony No 6 ein. Vielleicht hörst du sie beim nächsten Mal noch einmal ganz anders.