Höllisch charmant bei Mozarts Don Giovanni
Die Handlung in Kürze
Don Giovanni, K. 527, opera in two acts (1787)

Ich bin Wolfgang Amadeus Mozart, und hier erzähle ich dir die Handlung meines Don Giovanni. Du erlebst, wie ein einziger Tag, der nachts mit einem Duell beginnt, einen Verführer bis an einen Tisch bringt, an dem ihn ein steinerner Gast erwartet. Auf dieser Seite üben meine Kollegen und ich mit dir, unsere Stücke sofort zu erkennen, und ob das schon klappt, zeigt dir ein Versuch im Trainer .
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Ein Tag, ein Toter und eine Einladung, die man besser ausgeschlagen hätte
Stell dir einen einzigen Tag vor, an dem ein Mann bei einem Duell tötet, eine Braut zu verführen versucht und am Ende eine Statue zum Abendessen einlädt. So spielt sich mein Don Giovanni ab, und seinen vollen Titel will ich dir nicht vorenthalten: Il dissoluto punito ossia Don Giovanni, auf Deutsch „Der bestrafte Wüstling oder Don Giovanni“. Lorenzo Da Ponte nannte das Stück ein dramma giocoso, eine Mischung aus ernsten und komischen Rollen, während ich es in meinem eigenen Verzeichnis schlicht als opera buffa eingetragen habe. Ich stelle dir zuerst die Figuren vor und führe dich dann Akt für Akt durch die Handlung, und ich verrate dir jetzt schon, dass der Abend für Giovanni nicht gut ausgeht.Die Hauptfiguren: Ein Verführer und sein Gefolge
Don Giovanni ist der Titelheld, ein unverschämt charmanter Frauenheld, der jedes Hindernis mit Charme, Witz oder dem Degen beiseiteschiebt, weder Reue noch Angst kennt und damit die ganze Handlung antreibt, bis ihn am Ende genau diese Furchtlosigkeit ins Verderben stürzt und er sich dabei für unantastbar hält.Leporello ist Giovannis Diener und zugleich sein nervöser Zuschauer, der Schmiere steht, ständig murrt und schimpft, aber trotzdem immer wieder mitmacht, und der mit seiner berühmten Liste der Eroberungen seines Herrn für die komischsten Momente und für ein bisschen gesunden Menschenverstand sorgt.
Donna Anna ist die Tochter des Commendatore, und nach der Nacht, in der ihr Vater stirbt, lebt sie nur noch für Rache, wobei das Libretto absichtlich offenlässt, was in jener Nacht genau zwischen ihr und Giovanni geschehen ist und warum sie so handelt, wie sie handelt.
Don Ottavio ist Annas Verlobter, ein höflicher und verlässlicher Mann, der ihr Rache für den Tod ihres Vaters verspricht, sie bei jedem Schritt begleitet und im Lauf des Tages immer wieder zeigt, dass Treue ein ebenso starker Antrieb sein kann wie Leidenschaft.
Die Hauptfiguren: Wer ihm im Weg steht
Donna Elvira ist eine Frau, die Giovanni einst geheiratet und dann verlassen hat, und sie jagt ihm nun zwischen Wut und Zuneigung hinterher, kreuzt immer wieder seinen Weg und bringt ihn mit ihrer Hartnäckigkeit mehr als einmal in Verlegenheit, obwohl ihr Herz ihn nicht ganz loslässt.Zerlina ist eine junge Braut, die ausgerechnet an ihrem Hochzeitstag von Giovanni umworben wird und zwischen seinen Versprechungen und ihrem Verlobten Masetto schwankt, und sie ist dabei weder naiv noch schwach, sondern einfach ein Mensch, dem jemand sehr geschickt zu schmeicheln versteht.
Masetto ist Zerlinas Bräutigam, ein einfacher, ehrlicher Kerl, der misstrauisch wird, sobald Giovanni seiner Braut zu nahe kommt, und der dafür bitter bezahlt, wie sich im zweiten Akt zeigt, denn seine Eifersucht ist berechtigt, aber seine Mittel gegen den Verführer sind sehr begrenzt.
Der Commendatore ist Donna Annas Vater, der sich Giovanni in den Weg stellt und das Duell mit dem Leben bezahlt, doch damit ist er noch lange nicht fertig, denn als Statue kehrt er zurück und wird zum unheimlichsten Gast, den ein Abendessen je hatte.
Erster Akt: Ein Duell, ein Racheschwur und eine sehr lange Liste
Ein Duell im Dunkeln: Leporello hält vor dem Haus des Commendatore Wache, während Giovanni maskiert Donna Anna nachstellt, und als ihr Vater ihn stellt, tötet Giovanni ihn im Duell und flieht, womit die Oper schon in den ersten Minuten zeigt, wie ernst und gefährlich diese Geschichte ist.Ein Schwur nach der Tat: Donna Anna lässt sich von ihrem Verlobten Don Ottavio versprechen, den unbekannten Täter zu bestrafen, und damit steht gleich am Anfang fest, dass Giovanni nicht nur Verführer, sondern auch Gejagter ist, der sich ab jetzt vor Rache in Acht nehmen müsste.
Elvira stellt ihn zur Rede: Donna Elvira, die er einst geheiratet und verlassen hat, taucht unvermittelt auf und konfrontiert ihn wütend, und so merkt man, dass Giovannis Vergangenheit ihn einholt und jede seiner Eroberungen irgendwo ein Echo hinterlässt, das nicht verstummen will.
Die berühmte Liste: Leporello trägt der verärgerten Elvira den Katalog der Eroberungen seines Herrn vor, darunter 640 in Italien, 231 in Deutschland, 100 in Frankreich, 91 in der Türkei und 1.003 in Spanien, und das Publikum begreift, dass Giovanni längst ein Zahlenspiel statt einer Liebesgeschichte lebt.
Erster Akt, zweiter Teil: Eine Hochzeit, die niemand ungestört feiert
Ein Verführer auf der Hochzeit: Bei der Hochzeit von Zerlina und Masetto versucht Giovanni, die Braut für sich zu gewinnen, und er tut es mit so viel Selbstverständlichkeit, dass man fast vergisst, wie dreist das ist, mitten auf dem Fest ihres Bräutigams.Das Duett Là ci darem la mano: Im ersten Akt lockt Giovanni Zerlina mit diesem Duett, in dem er sie zu seinem Schloss einlädt, sie zwischen ihm und Masetto hin und her gerissen ist und die beiden Stimmen, anfangs getrennt, am Ende in gemeinsamer Harmonie zusammenfinden.
Ein Ball mit unliebsamen Gästen: Auf Giovannis Ball erscheinen drei maskierte Gäste, nämlich Anna, Ottavio und Elvira, nehmen die Masken ab und klagen ihn vor allen an, und der Gastgeber, der eben noch den ganzen Abend bestimmt hat, steht plötzlich im Mittelpunkt eines Skandals.
Giovanni entkommt: Trotz der Anklage gelingt ihm die Flucht, und so endet der erste Akt mit einem Verfolgten, der nichts bereut, während seine Gegner jetzt wissen, wer der gesuchte Täter ist, und die Frage offen bleibt, wie lange er diesem Spiel noch entgehen kann.
Zweiter Akt: Vertauschte Mäntel und eine freche Einladung
Der Mantelwechsel: Giovanni und Leporello tauschen Mantel und Hut, damit Giovanni dem Dienstmädchen der Elvira nachstellen kann, und das scheinbar harmlose Verwechslungsspiel, das daraus entsteht, macht den Anfang des zweiten Akts wunderbar komisch, hält aber unter der Oberfläche schon die nächste Gefahr bereit.Prügel für Masetto: In Leporellos Kleidung verprügelt Giovanni den armen, ehrlichen Masetto, und diese Szene zeigt, dass sein Spiel längst nicht mehr nur charmant ist, denn wer sich so mühelos hinter einer fremden Identität versteckt, spürt kaum noch, was er anderen antut.
Auf dem Friedhof: Zwischen den Gräbern lädt Giovanni die Statue des Commendatore spöttisch zum Abendessen ein, und zur Überraschung aller nimmt die Statue die Einladung an, wodurch sich die Oper mit einem Schlag von der Verwechslungskomödie in eine Geistergeschichte verwandelt, aus der es kein Zurück mehr gibt.
Tafelmusik mit Selbstzitat: Beim Abendessen spielt ein Orchester auf der Bühne Melodien aus Una cosa rara von Martín y Soler, aus Sartis Fra i due litiganti und aus meinem eigenen Non più andrai aus Figaro, eine kleine Verbeugung, die zeigt, wie unbeschwert Giovanni noch tafelt, kurz bevor es ernst wird.
Zweiter Akt, zweiter Teil: Das letzte Abendessen
Der steinerne Gast kommt: Die Statue erscheint beim Essen, singt Don Giovanni! A cenar teco m'invitasti, also „Du hast mich zum Abendessen eingeladen“, und lädt ihn ihrerseits ein, was die ausgelassene Stimmung in einen Moment verwandelt, in dem plötzlich niemand mehr lacht.Giovanni gibt nicht nach: Die Statue verlangt, dass Giovanni bereut, und er reicht ihr die Hand, spürt eine plötzliche Kälte und weigert sich trotzdem, umzukehren, was ihn für mich zu einer erstaunlichen Figur macht, denn sein Stolz ist größer als seine Angst.
Hinab in die Hölle: Dämonen tragen Giovanni in die Hölle, und dass ich seine Verdammnis auf der Bühne zeige, war im 18. Jahrhundert für eine Oper selten, während die Tonart d-Moll hier für Tod und Gericht steht, genau wie schon im ersten Donnerschlag der Ouvertüre.
Die Moral: Die übrigen Figuren verkünden ihre Pläne für die Zeit nach Giovanni und singen im Schlussensemble die Moral, dass dies das Ende des Bösewichts ist, und so lässt sich der ganze Titel der Oper, Il dissoluto punito, als erfüllt betrachten, ohne dass ich ihn lange erklären müsste.
Was nach dem letzten Akkord geschah
Uraufgeführt wurde die Oper nach den meisten Quellen am 29. Oktober 1787 im Nationaltheater in Prag, dem heutigen Ständetheater, und Luigi Bassi sang dabei die Titelrolle. In meinem Werkverzeichnis ist die Ouvertüre am 28. Oktober 1787 als vollendet eingetragen, und die Geschichte erzählt, ich hätte sie die ganze Nacht davor geschrieben, aber das bleibt eine Anekdote. Am 7. Mai 1788 gab es in Wien eine überarbeitete Fassung, in der ich neue Arien eingefügt hatte. Und Chopin schrieb 1827 sogar seine Variationen über Là ci darem la mano, Op. 2, was zeigt, wie lange dieses Duett die Menschen nicht mehr losgelassen hat.---
Am Ende bleibt von Giovanni ein einziger Tag, an dem sich sein ganzes Leben zusammendrängt, und doch lässt mich dieser Mann bis heute nicht los. Er weigert sich bis zuletzt zu bereuen, obwohl die Statue ihn dazu auffordert, und ich frage mich immer noch, ob man ihn dafür bewundern oder bedauern soll. Die anderen Figuren singen danach die Moral von der Geschichte, aber ob das wirklich das letzte Wort ist, darfst du ganz allein entscheiden. Hat dir die Handlung meines Don Giovanni gefallen? Es gibt nämlich noch viel mehr zu entdecken, zum Beispiel die Frage, was in jener Nacht zwischen Giovanni und Donna Anna wirklich geschah, denn das lässt das Libretto absichtlich offen. Auch die Musik hat ein Nachleben, denn Chopin schrieb 1827 Variationen über Là ci darem la mano, und ich selbst habe die Oper im Mai 1788 für Wien noch einmal mit neuen Arien überarbeitet. Wenn du neugierig geworden bist, dann klick dich einfach durch die Links unten, und lass dich weiter in die Welt von Don Giovanni hineinführen.
