Höllisch charmant bei Mozarts Don Giovanni
Die Hintergründe
Don Giovanni, K. 527, opera in two acts (1787)

Ich bin Wolfgang Amadeus Mozart, und hier erzähle ich dir die Vorgeschichte meines Don Giovanni. Du erfährst, wie ich die Oper im Sommer 1787 in Wien begann, in Prag beendete und dort selbst dirigierte, bis das Publikum mit donnerndem Applaus antwortete. Hier bringen dir meine Kollegen und ich außerdem bei, unsere Stücke zu erkennen, sobald du sie hörst, und das kannst du gleich ausprobieren, indem du den Trainer öffnest .
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Wieder mit Da Ponte an einem Tisch
Ich fange mit meinem Textdichter an, denn ohne Lorenzo Da Ponte gäbe es diese Oper nicht. Er hatte mir schon das Libretto zu Le nozze di Figaro geschrieben, und die Zusammenarbeit lief so gut, dass wir es gleich noch einmal miteinander versuchten. Dieses Mal sollte es eine Oper in zwei Akten werden, gesungen auf Italienisch, wie es damals für solche Stücke üblich war. Wenn zwei Leute sich beim Arbeiten so gut verstehen, muss man sie nur machen lassen, und genau das haben wir getan.Ein Held mit sehr langer Vorgeschichte
Die Figur des Don Giovanni habe ich nicht erfunden, sie ist viel älter als ich. Schon 1630 hat der Spanier Tirso de Molina ein Theaterstück über einen skrupellosen Verführer geschrieben, es heißt El burlador de Sevilla y convidado de piedra. Manche denken bei so einem Frauenhelden sofort an Casanova, aber die Oper beruht nicht auf ihm, denn die Legende gab es lange vor ihm. Sie wanderte durch halb Europa und wurde unterwegs immer wieder neu erzählt, bis sie bei Da Ponte und mir ankam.Viele Köche, ein Rezept
Wir waren nicht die Einzigen, die sich an diesem Stoff versucht haben. Molière hatte 1665 eine Komödie darüber geschrieben, Goldoni 1736 ein Theaterstück, und Giovanni Bertati und Giuseppe Gazzaniga brachten 1787 ihren Don Giovanni Tenorio heraus. Da Ponte hat sich bei diesen Vorlagen umgesehen, wie man sich eben in einer gut gefüllten Speisekammer umsieht. Was er daraus gemacht hat, war aber etwas ganz Eigenes, und ich konnte es kaum erwarten, Töne dazu zu finden.Ein Titel, der schon viel verrät
Der vollständige Titel lautet Il dissoluto punito ossia Don Giovanni, auf Deutsch ungefähr: Der bestrafte Wüstling oder Don Giovanni. Da Ponte nannte das Stück ein dramma giocoso, also eine Mischung aus ernsten und komischen Rollen. In meinem eigenen Werkverzeichnis steht dagegen schlicht opera buffa, und ich muss zugeben, dass keines von beiden das Ganze vollständig beschreibt. Ob am Ende wirklich bestraft wird und wie das aussieht, möchte ich dir hier noch nicht verraten.Von Wien nach Prag im Gepäck
Ich habe die Oper im Sommer 1787 in Wien begonnen und Anfang Oktober in Prag fertiggestellt. Uraufgeführt wurde sie am 29. Oktober 1787 im Nationaltheater, das heute Ständetheater heißt. Einige Quellen nennen übrigens den 28. Oktober, so genau hat man das nicht überliefert. Fest steht nur, dass Prag an diesem Abend Zeuge von etwas ganz Besonderem wurde.Die Ouvertüre in letzter Minute
Über die Ouvertüre erzählt man sich eine schöne Geschichte, und ich betone: Es ist eine Anekdote. Danach soll ich sie erst in der Nacht vor der Premiere geschrieben haben, während die Kerzen langsam herunterbrannten. Tatsächlich steht in meinem Verzeichnis, dass ich sie am 28. Oktober 1787 abgeschlossen habe, also wirklich knapp vor dem großen Abend. Ob ich dabei die ganze Nacht durchgearbeitet habe, weiß heute niemand mehr genau.Ein Abend mit Donnerhall
Bei der Premiere stand ich selbst am Pult und habe das Orchester dirigiert. Den Don Giovanni sang Luigi Bassi, und der charmante Schurke fand sofort sein Publikum. Das Publikum spendete donnernden Applaus, und ich gestehe, dass mir dieser Abend noch lange im Ohr geblieben ist. Für einen Komponisten gibt es wenig Schöneres, als einen Saal voller Menschen zu sehen, die gerade etwas Neues erlebt haben.Alles an einem einzigen Tag
Die Handlung spielt innerhalb eines einzigen Tages, und in dieser kurzen Zeit passiert erstaunlich viel. Es geht um Liebe, Eifersucht und Rache, und vor allem um einen Mann, der einfach nicht aufhören kann. Sein Diener Leporello führt sogar genau Buch: 640 Eroberungen in Italien, 1.003 in Spanien und viele weitere in anderen Ländern. Wie das ausgeht und warum an einer Stelle plötzlich eine Statue mitspielt, das bleibt vorerst mein Geheimnis.Musik aus der Hosentasche
Beim Abendessen im zweiten Akt lasse ich ein Orchester auf der Bühne spielen, das bekannte Melodien zum Besten gibt. Eine stammt aus Una cosa rara von Martín y Soler aus dem Jahr 1786, eine aus Fra i due litiganti von Sarti, und eine dritte kennst du vielleicht: Non più andrai aus meinem eigenen Figaro. Das war eine kleine Verbeugung vor den Kollegen und ein Augenzwinkern für alle, die gut zugehört haben. Das Publikum damals kannte diese Stücke, und ich glaube, es hat sich über das Wiedererkennen sehr gefreut.Nach der Premiere ging es weiter
Mit der Prager Fassung war die Sache für mich noch nicht ganz erledigt, denn ich habe die Oper für Wien überarbeitet. Dort wurde sie am 7. Mai 1788 gegeben, mit neuen Arien. Andere Komponisten haben sich später ebenfalls von meiner Musik inspirieren lassen, Chopin zum Beispiel schrieb 1827 seine Variationen über Là ci darem la mano, Opus 2. Und noch ein Tipp zum Schluss: Hör am Ende des zweiten Akts genau hin, denn dort spielen zum ersten und einzigen Mal drei Posaunen mit.---
Damit sind wir am Ende meiner Geschichte über den Don Giovanni angekommen, und ich blicke selbst gern darauf zurück. Aus einer alten spanischen Legende ist im Herbst 1787 in Prag eine Oper geworden, die bis heute nichts von ihrer Spannung verloren hat. Besonders freut es mich, dass am Ende der donnernde Klang vom Anfang wiederkehrt und den Abend wie ein großer Bogen zusammenhält. Hat es dir Freude gemacht, etwas über die Entstehung des Don Giovanni zu erfahren? Ich hoffe es sehr, denn mit dem, was ich dir erzählt habe, ist noch längst nicht alles gesagt. Man kann zum Beispiel darüber nachdenken, was in jener Nacht mit Donna Anna wirklich geschehen ist, denn das Libretto lässt es bewusst offen. Auch die Fassung, die ich im Mai 1788 für Wien überarbeitet habe, mit ihren neuen Arien, ist einen genaueren Blick wert. Und wenn du neugierig bist, wie die Musik im Einzelnen klingt, dann klick dich einfach durch die Links hier auf der Seite. Dort kannst du den Don Giovanni weiter erkunden, in deinem eigenen Tempo und so lange du magst. Ich würde mich freuen, wenn du dabei das eine oder andere entdeckst, das dich beim nächsten Hören noch mehr berührt.
