Summen im Schnelldurchlauf mit Rimsky-Korsakovs Flight of the Bumblebee
Die Hintergründe
Flight of the Bumblebee

Ich bin Rimsky-Korsakov, und hier erzähle ich dir die Vorgeschichte zu meinem Flight of the Bumblebee. Du erfährst, wie meine Hummel im November 1900 am Solodovnikov Theatre in Moskau zum ersten Mal auftrat, umgeben von Bühnenbildern des Malers Mikhail Vrubel. Auf dieser Seite zeigen dir meine Kollegen und ich, wie du unsere Stücke beim Hören erkennst, und am besten probierst du das gleich im Trainer aus .
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Die Hummel macht sich selbstständig
Ich muss gleich etwas geraderücken: Den Flight of the Bumblebee habe ich 1900 nicht als Konzertstück geschrieben, sondern als Zwischenspiel für meine Oper The Tale of Tsar Saltan. Er war also als kleine Nummer in einem langen Opernabend gedacht und nicht als Hauptdarsteller. Dass er heute so oft allein im Konzertsaal erklingt, ohne die Oper drumherum, war für ihn nicht vorgezeichnet. Man könnte sagen, die Hummel hat sich irgendwann einfach selbstständig gemacht.Ein Dichter bekommt eine Oper statt einer Torte
Der Anlass für das Ganze war ein runder Geburtstag, denn 1899 und 1900 schrieb ich die Oper passend zum hundertsten Geburtstag von Pushkin. Als Vorlage diente mir sein Gedicht von 1831, das genauso heißt wie die Oper. Das Textbuch dazu verfasste Vladimir Belsky, der aus dem Gedicht eine Handlung für die Bühne machte. Zum Hundertsten schenkt man einem Dichter eben keine Torte, sondern lieber ein paar Stunden Musik.Ein Professor mit schnellen Fingern im Kopf
Geboren wurde ich 1844 in Tikhvin, und als ich den Hummelflug schrieb, war ich schon seit 1871 Professor am St. Petersburg Conservatory. Dazu kam, dass mir seit etwa 1890 eine Angina pectoris zu schaffen machte. Man sollte meinen, dass ein Mann mit diesem Alltag eher gemächliche Stücke schreibt. Ausgerechnet er hat dann das Stück erfunden, das Pianisten und Geiger regelmäßig ins Schwitzen bringt.Premiere in Moskau, mit Kulissen von einem Maler
Uraufgeführt wurde die Oper samt Zwischenspiel am 3. November 1900 im Solodovnikov Theatre in Moskau, nach dem damaligen russischen Kalender war es der 21. Oktober. Am Pult stand Mikhail Ippolitov-Ivanov, der das Orchester durch den Abend führte. Für die Bühnenbilder sorgte Mikhail Vrubel, ein Maler, der dem Märchen sichtbar Farbe gab. Ich fand es immer schön, wenn bei einer Premiere nicht nur die Ohren, sondern auch die Augen etwas zu tun hatten.Hummel, nicht Biene
Im Russischen heißt das Stück Polyot shmelya, und shmel bedeutet Hummel, nicht Honigbiene. Der Titel bezieht sich also auf den Prinzen in seiner Hummelgestalt, nicht auf ein Insekt im Allgemeinen. Das ist mir wichtig, denn eine Hummel ist rundlicher und brummiger, und genau das hört man in dem ständigen, leicht ungeschickt wirkenden Schwirren. Eine Biene hätte vermutlich ein anderes Stück bekommen, vielleicht mit mehr Ordnung.Der Platz im Stück ist genau festgelegt
Im dritten Akt steht das Zwischenspiel zwischen der ersten und der zweiten Szene. Das Publikum hört also zuerst die Musik vom Flug und erlebt danach, was der Prinz am Ziel findet. So wird aus der Musik eine kleine Brücke, die zwei Orte der Geschichte miteinander verbindet. Brücken sind meistens kurz, und diese Hummel hat auch wirklich keine Zeit zu verlieren.Die Sache mit der Opuszahl
Wer nach einer Opuszahl für den Hummelflug sucht, wird nicht fündig, denn das Stück hat keine eigene. Manchmal liest man Op. 57 im Zusammenhang mit meiner Oper, aber das ist ein Irrtum. Diese Nummer gehört zu einer eigenen Orchestersuite, die ich aus der Oper zusammengestellt habe. Gedruckt wurde die Partitur der Oper bei Bessel in St. Petersburg, und um 1901 erschien dazu ein Klavierauszug mit den Gesangsstimmen.Zehn Finger, eine Hummel
Um 1929 hat Rachmaninoff den Hummelflug für Klavier bearbeitet. Damit bekam ein Stück, das ich für ein ganzes Orchester gedacht hatte, plötzlich einen einzelnen Pianisten als Hauptperson. Seitdem müssen zehn Finger allein erledigen, wofür ich ursprünglich viele Streicher und Bläser vorgesehen hatte. Das ist zugleich ein hübsches Kompliment an die Musik, weil sie auch in dieser kleinen Besetzung noch summt.Von der Oper in die weite Welt
Heute gehört der Hummelflug zu den bekanntesten klassischen Stücken überhaupt, vor allem weil er so oft in Filmen, Sendungen und Werbung auftaucht. Auch eine Swingband hat sich seiner angenommen, die von Harry James, doch ob die Aufnahme 1940 oder 1941 entstand, darüber sind sich die Quellen nicht einig. Eine Untersuchung von Spotify aus dem Jahr 2021 fand mehr als tausend Aufnahmen des Stücks. Für ein Zwischenspiel, das nur den Weg zum nächsten Bild füllen sollte, ist das eine beachtliche Flugstrecke.Und was wurde aus dem Komponisten?
Mir selbst blieb nach der Premiere noch einige Zeit, und sie war nicht ruhig. 1905 wurde ich vom Conservatory entlassen, weil ich mich auf die Seite protestierender Studenten gestellt hatte. Noch im selben Jahr nahm man mich wieder auf, doch 1906 ging ich in den Ruhestand, und am 21. Juni 1908 starb ich. Die Hummel dagegen fliegt bis heute weiter, und ich bin ganz froh, dass sie dabei nie Pause macht.---
Jetzt, wo die Hummel ihren Weg vom Opernabend bis in so viele Konzertsäle gefunden hat, frage ich dich: Hat es dir Freude gemacht, etwas über die Entstehung meines Flight of the Bumblebee zu erfahren? Ich finde es immer noch erstaunlich, dass aus einem kleinen Zwischenspiel, das einen Prinzen im Flug zu seinem Vater begleiten sollte, ein Stück geworden ist, das so viele Menschen kennen. Und doch ist das längst nicht alles, denn es gibt rund um diese Hummel noch einiges zu entdecken. Man kann zum Beispiel hören, wie andere Musiker das Stück auf ihre Weise spielen, oder sich fragen, was sich verändert, wenn die Töne plötzlich von einem ganz anderen Instrument kommen. Wenn du neugierig geworden bist, dann klick einfach auf die Links hier auf der Seite, und lass dich weiter in die Welt dieses Stücks tragen. Ich wünsche dir viel Vergnügen dabei.
