Schritte zum Traualtar mit Wagners Bridal Chorus
Die Hintergründe

Treulich geführt, WWV 75

Wagner erzählt die Hintergründe zu Bridal Chorus
Ich bin Richard Wagner, und hier erzähle ich dir die Hintergrundgeschichte zu meinem Bridal Chorus. Du erfährst gleich, warum ich nach dem Aufstand in Dresden fliehen musste und diesen weltberühmten Hochzeitschor bei seiner Uraufführung im Jahr 1850 nicht einmal selbst im Theater miterleben konnte. Falls du unsere Stücke schon bei den ersten Tönen erkennen möchtest, helfen meine Kollegen und ich dir hier auf der Seite gern dabei –  probier unseren Trainer einfach aus .
---

Ein Hochzeitslied mit kurzem Haltbarkeitsdatum

Du kennst meinen Bridal Chorus sicher aus Filmen oder von echten Trauungen, bei denen alle gerührt zum Taschentuch greifen. Eigentlich heißt das Stück bei mir Treulich geführt und eröffnet den dritten Akt meiner Oper Lohengrin. Wenn heutige Brautpaare wüssten, was in meiner Geschichte direkt nach diesem Gesang passiert, würden sie sich wohl schleunigst nach einer anderen Musik umsehen. Kaum haben sich die Gäste nämlich verabschiedet, bricht die Braut Elsa ihr einziges Versprechen, fragt ihren Mann Lohengrin nach seinem verbotenen Namen und seiner Herkunft, und die Ehe ist noch in derselben Nacht für immer vorbei.

Vom königlichen Pult auf die Barrikaden

Geschrieben habe ich sowohl den Text als auch die Musik für die gesamte Oper zwischen 1845 und 1848 in Dresden. Damals hatte ich dort eigentlich eine recht ordentliche Anstellung als Königlich Sächsischer Hofkapellmeister, schrieb dieses Werk aber ganz ohne einen Auftrag vom Hof oder vom Theater. Leider kam mir bei den Vorbereitungen für die Aufführung mein politisches Temperament dazwischen, weil ich mich radikalen linken Ideen anschloss. Im Jahr 1849 mischte ich beim Dresdner Maiaufstand mit, was meinen Arbeitgebern verständlicherweise gar nicht gefiel und die geplante Produktion vor Ort sofort beendete.

Steckbrieflich gesucht in die Schweiz

Nach dem gescheiterten Aufstand in Dresden stellte man einen Haftbefehl gegen mich aus, sodass ich meine Koffer sehr eilig packen musste. Statt meine neue Oper gemütlich vom Dirigentenpult aus zu leiten, floh ich ins politische Exil nach Zürich in die Schweiz. So saß ich also mit einer fertigen Partitur im Gepäck hinter der sicheren Grenze fest und durfte keinen Fuß mehr auf deutschen Boden setzen. Wer im eigenen Land auf der Fahndungsliste steht, hat es eben schwer, dort persönlich für festliche Hochzeitsstimmung im Opernhaus zu sorgen.

Ein Freund springt für mich ein

Zum Glück ließ mich mein treuer Freund Franz Liszt in dieser verfahrenen Lage nicht hängen und nahm sich meines verwaisten Werkes an. Er brachte die Oper am 28. August 1850 mit der Staatskapelle Weimar am Großherzoglichen Hoftheater in Weimar zur Uraufführung. Das Datum hatte er sich ganz bewusst ausgesucht, um damit den Geburtstag von Johann Wolfgang von Goethe zu ehren. Obwohl es bei dieser ersten Aufführung beim Gesang und auf der Bühne noch merklich wackelte, trat meine Musik von dort aus ihren großen Zug durch ganz Europa an.

Elf Jahre Wartezeit für den eigenen Schöpfer

Für mich selbst hatte dieser Erfolg in den 1850er Jahren allerdings einen ziemlich bitteren Beigeschmack. Weil ich wegen meines Exils weiterhin nicht einreisen durfte, konnte ich bei der Premiere in Weimar nämlich nicht im Saal sitzen. Während mein Freund Theodor Uhlig schon 1851 den Klavierauszug und ein Jahr später Breitkopf & Härtel in Leipzig die volle Partitur herausbrachten, kannte ich das Ganze nur vom Papier. Erst im Jahr 1861 in Wien sah ich endlich mit eigenen Augen eine vollständige Aufführung meiner Oper auf einer Bühne, also elf Jahre nach allen anderen.

Ein adeliger Trend setzt sich durch

Dass mein Chor überhaupt aus dem Opernhaus in die echten Kirchen wechselte, verdanke ich einer prominenten Hochzeit im Januar 1858. Damals heiratete Victoria, Princess Royal, ihren preußischen Prinzen Frederick William of Prussia und ließ sich zu meinen Klängen begleiten. Wenn der Hochadel so etwas vormacht, wollen es die Bürgerlichen natürlich sofort genauso haben, als ob ein kleines Stück Königshaus auf die eigene Feier abfärben würde. Im englischsprachigen Raum verpasste man meiner Melodie im Laufe der Zeit dann gleich mehrere Spitznamen wie Wedding March oder schlicht Here Comes the Bride.

Verwechslungsgefahr auf der Orgelbank

In den Kirchen spielt heute meistens eine einzelne Orgel meine Melodie, obwohl ich sie ursprünglich für einen großen Chor mit Orchester und zusätzlicher Bühnenmusik angelegt habe. Außerdem werfen viele Leute mein Stück in B-Dur ständig mit dem berühmten Wedding March in C-Dur von Felix Mendelssohn aus A Midsummer Night's Dream in einen Topf. Dabei haben wir uns die Arbeit bei heutigen Hochzeiten eigentlich ganz brüderlich und ordentlich aufgeteilt. Ich bringe die Braut zu Beginn der Zeremonie sicher nach vorne, und der Kollege Mendelssohn spielt das frisch vermählte Paar am Ende wieder zur Tür hinaus.
---
Hat dir dieser kleine Blick hinter die Kulissen meines Bridal Chorus gefallen? Hinter dieser berühmten Musik steckt aber noch einiges mehr, das wir uns gemeinsam anschauen können. Klick dich einfach durch die Links hier auf der Seite, wenn du meinen Bridal Chorus noch von einer anderen Seite kennenlernen möchtest.