Hoch zu Ross mit Wagner: Ride of the Valkyries
Die Hintergründe
Ride of the Valkyries, WWV 86B

Ich bin Richard Wagner, und das hier ist die Vorgeschichte zu meiner Ride of the Valkyries. Du erfährst, wie meine Walküre 1870 in München auf die Bühne kam, weil König Ludwig II. es unbedingt wollte, während ich dagegen war und nicht einmal hinfuhr. Wenn du eines unserer Stücke hörst, sollst du es erkennen, und das üben meine Kollegen und ich hier mit dir, also probier den Trainer aus .
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Eine Melodie ohne Text
Am 23. Juli 1851 schrieb ich das Hauptthema auf und gab ihm gleich den Namen Walkürenritt. Das war ziemlich verkehrt herum, denn den Text zur Walküre dichtete ich erst im Juni 1852. Ich hatte also das Galoppieren im Ohr, noch bevor ich wusste, wer da eigentlich alles reitet und was sie singen. So geht es mir öfter: Die Musik kommt zuerst, und die Worte laufen hinterher.Ein Komponist ohne Heimat
Als ich an der Walküre arbeitete, lebte ich im Exil in Zürich, weil der Dresdner Aufstand von 1849 gescheitert war. Geld hatte ich dabei selten, und ich lebte vor allem von der Unterstützung meiner Freunde und Gönner. Einer von ihnen war Otto Wesendonck, der mir in dieser Zeit wirklich den Rücken freihielt. Dass ausgerechnet ein Stück voller wilder Reiterinnen in so einer ruhigen Schweizer Stube entstand, finde ich bis heute ein bisschen komisch.Das Jahr der großen Gedanken
Im Mai 1854 war das Rheingold fertig, und im Juni begann ich mit der Musik zur Walküre. In diesem Jahr stieß ich auch auf die Philosophie Schopenhauers, die mich lange nicht mehr losließ. Außerdem entwickelte sich meine Beziehung zu Mathilde Wesendonck, und das war für meinen Kopf nicht gerade beruhigend. Wer sich fragt, woher in dieser Musik so viel Spannung kommt: Ein bisschen davon stammt sicher aus dieser unruhigen Zeit.Kein Auftrag, nur ein Riesenplan
Niemand hatte mir das Stück bestellt, und einen besonderen Anlass gab es auch nicht. Ich dachte den Ring des Nibelungen als ein einziges großes Drama, und der Walkürenritt war darin nur ein Baustein. Nach einem ersten Entwurf im Jahr 1854 hatte ich die ganze Oper Ende März 1856 instrumentiert. Dass einer dieser Bausteine einmal berühmter werden sollte als mancher ganze Abend, hätte ich damals nicht gedacht.Nicht der Anfang, sondern der Schwung nach der Pause
Viele halten den Walkürenritt für den Beginn der Oper, aber er eröffnet den dritten und letzten Akt der Walküre. Die Walküre ist der zweite der vier Abende im Ring, und bis dahin ist schon einiges geschehen. Außerdem ist das Stück keine reine Orchestermusik, denn die Walküren singen ihren Schlachtruf mit. Wer also nur das Orchesterstück aus dem Konzert kennt, hört die halbe Wahrheit.Eine Premiere ohne mich
Am 26. Juni 1870 wurde die Walküre in München uraufgeführt, am Königlichen Hof- und National-Theater unter Franz Wüllner. Dazu kam es nur, weil König Ludwig II. von Bayern darauf bestand, und ich war damit gar nicht einverstanden. Ich fuhr deshalb nicht hin und sah mir meinen eigenen Walkürenritt zum ersten Mal nicht von der Bühne aus an. Gehört hat man ihn in München also sechs Jahre früher als bei den Festspielen in Bayreuth.Ärger mit dem Verleger
Schon im Januar 1871 wollte man den Walkürenritt einzeln aufführen, und ich nannte das eine ausgesprochene Indiskretion. Trotzdem wurde das Stück in Leipzig gedruckt und verkauft, und ich beschwerte mich bei meinem Verleger Schott. Es störte mich, dass ein Stück, das zu einer Handlung gehört, plötzlich wie ein loses Blatt herumwanderte. Heute sehe ich es gelassener, denn aus einem verbotenen Stück ist ein sehr beliebtes geworden.Bayreuth und die Stoppuhr
Am 14. August 1876 erklang die Walküre in Bayreuth unter Hans Richter, bei den ersten Ring-Zyklen der ersten Festspiele. In der Oper dauert der Walkürenritt etwa acht Minuten, im Konzert kann er dagegen auf drei Minuten schrumpfen. Das ist, als würde man eine lange Wanderung auf den Gipfelblick zusammenkürzen, und man bekommt trotzdem das Wichtigste. Welche Fassung dir besser gefällt, musst du selbst herausfinden, ich mag beide.Vom Berggipfel auf die Leinwand
Das Stück wanderte schon früh ins Kino, zum Beispiel in The Birth of a Nation von 1915 und später in 8 1/2. Sogar in dem Zeichentrickfilm What's Opera, Doc? von 1957 taucht es auf, und dort muss es für die ganze große Oper herhalten. Das passt, denn wenn jemand etwas besonders Opernhaftes zeigen will, greift er sehr oft zu meinem Walkürenritt. Er gehört neben dem Brautchor aus dem Lohengrin zu dem, was man von mir am häufigsten kennt.Wenn Musik zur Waffe wird
In Apocalypse Now von 1979 spielt das Stück über Lautsprecher, während Hubschrauber ein Dorf angreifen. Schon im Juni 1941 legte eine deutsche Wochenschau meine Musik über Flugzeuge, die sich Kreta näherten. Ich finde es bedrückend, wie leicht sich so mitreißende Musik für Gewalt einspannen lässt. Wenn du sie das nächste Mal hörst, denk daran, dass sie ursprünglich nur dazu da war, acht Walküren auf einen Berggipfel zu bringen.---
Wenn ich heute zurückschaue, staune ich selbst, wie weit diese Melodie gekommen ist. Sie begann als eine Notiz im Jahr 1851 und wurde später zu dem Ritt, den so viele Menschen sofort erkennen. Hat dir die Geschichte hinter meiner Ride of the Valkyries gefallen? Mich freut es immer, wenn jemand ein Stück nicht nur hört, sondern auch ein wenig von dem Weg kennt, der zu ihm geführt hat. Dabei gibt es noch viel mehr zu entdecken, denn dieser Ritt hat auch abseits der Oper eine lange Reise hinter sich, bis hin zum Kino. Wenn du Lust hast, weiterzustöbern, dann klick einfach auf die Links hier in der Nähe. Dort findest du weitere Wege, um meine Ride of the Valkyries noch besser kennenzulernen.
