Schlaflose Nächte mit Bachs Goldberg Variations
Die schönsten Momente
Goldberg Variations, BWV 988

Ich bin Johann Sebastian Bach, und hier erzähle ich dir von den schönsten Momenten meiner Goldberg Variations. Du hörst, wie jede dritte Variation ein Kanon ist, in dem eine Stimme der anderen nachläuft und der Abstand zwischen beiden wächst, vom Einklang bis zur None. Meine Kollegen und ich zeigen dir auf dieser Seite, wie du unsere Stücke erkennst, sobald sie erklingen, und du kannst das gleich im Trainer ausprobieren .
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Ein Weihnachtsbaum in G-Dur
Ich beginne mit einer Sarabande in G-Dur im Dreivierteltakt, und ihre Melodie ist so reich verziert, dass sie aussieht wie ein Weihnachtsbaum, den jemand ein bisschen zu liebevoll geschmückt hat. Das eigentliche Geheimnis liegt aber darunter, denn der Bass aus zweiunddreißig Noten ist die Grundlage für alle dreißig Variationen, die danach kommen.
Die schwarze Perle lässt sich Zeit
Ich schreibe hier ein langsames Stück in g-Moll, das in meinem eigenen Exemplar mit adagio überschrieben ist und in der Regel das längste der ganzen Sammlung bleibt, so gemütlich, wie jemand eine sehr lange Treppe hinaufgeht. Die Melodie windet sich in vielen kleinen, schnellen Noten und chromatischen Schritten dahin, und Wanda Landowska nannte das Stück später „the black pearl“.
Alle reden durcheinander
Ich setze an das Ende der Variationen, wo man eigentlich noch einen strengen Kanon erwartet, ein Quodlibet, in dem zwei Volkslieder munter mitmischen, nämlich „Kraut und Rüben“ und „Ich bin solang nicht bei dir g'west“. Das Ganze ist ein heiteres Potpourri und klingt, als hätte man bei einer Familienfeier jedem Gast das Wort erteilt, bevor danach die Aria da capo wieder Ruhe einkehren lässt.
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Am Ende der Goldberg Variations kehrt die Aria noch einmal zurück, genau so, wie sie am Anfang erklungen ist. Aber nach dreißig Variationen hört man sie anders, so wie man ein Zimmer anders ansieht, wenn man lange unterwegs war und wieder zur Tür hereinkommt. Hat es dir Freude gemacht, die schönsten Momente der Goldberg Variations mit mir zu entdecken? Ich hoffe, dass dir der Bass aus zweiunddreißig Noten, die schwarze Perle und das fröhliche Durcheinander am Schluss im Ohr geblieben sind. Damit ist die Geschichte dieses Werks aber noch lange nicht zu Ende erzählt. Es gibt noch viel mehr zu hören, zum Beispiel die Kanons, die in jeder dritten Variation stecken und Schritt für Schritt weiter auseinanderrücken. Und in meinem eigenen Exemplar, das man 1974 gefunden hat, stehen vierzehn weitere Kanons über den Bass der Aria. Auch die Aufnahmen lohnen einen Vergleich, denn Glenn Gould hat das Werk 1955 und noch einmal 1981 eingespielt, und man hört, wie sich der Blick auf dieselben Noten mit den Jahren verändern kann. Wenn du Lust hast, weiterzuhören, dann klick einfach auf die Links, die ich dir hier bereitgelegt habe. Dort findest du Aufnahmen und mehr Hintergründe, und vielleicht entdeckst du dabei eine Variation, die ich dir noch gar nicht gezeigt habe. Nimm dir Zeit dafür, denn dieses Werk wird bei jedem Hören ein bisschen reicher.
