Nachtschwärmen mit Chopins Nocturne in E flat major
Der Hörführer

Nocturne in E-flat major, Op. 9 No. 2

Chopin präsentiert einen Hörführer zu Nocturne in E flat major
Ich bin Frédéric Chopin, und das hier ist der Hörführer zu meinem Nocturne in E flat major. Du erfährst, worauf du achten kannst, wenn sich die Melodie am Ende vom Takt löst, in einer kurzen Kadenz verklingt und ruhige Akkorde das Stück beschließen. Auf dieser Seite bringen dir meine Komponistenkollegen und ich bei, unsere Stücke zu erkennen, sobald sie erklingen, und ob dir das gelingt, kannst du  im Trainer testen .
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Hinsetzen, zuhören, nichts verpassen

Für mein Nocturne in E flat major brauchst du kein Vorwissen, nur ein paar ruhige Minuten und zwei offene Ohren. Gespielt wird allein auf dem Klavier, aber die beiden Hände haben ganz verschiedene Aufgaben: Die linke begleitet in sanften, wiegenden Wellen, und die rechte singt die Melodie. Konzentrier dich am besten nur auf diese Melodie, denn sie ist die Hauptfigur, und alles andere ist ihre Bühne. Achte darauf, wie sie immer wiederkommt und sich dabei jedes Mal ein wenig anders kleidet, dann hast du das Wichtigste schon verstanden.

Warum Nocturne und nicht Frühstücksmusik

Der Titel verrät dir, zu welcher Stunde ich mir das Stück vorstelle: spät am Abend, wenn es im Haus still wird und niemand mehr etwas von dir will. Die Tonart ist Dur, aber ganz unbeschwert ist die Musik nicht, denn ein Hauch von Melancholie bleibt, so wie die Gedanken manchmal nachts noch beim Tag verweilen. Eine Melodie, die eher flüstert als ruft, passte deshalb besser zu dieser Überschrift als jedes laute Stück. Dass ausgerechnet dieses Nachtstück später eines meiner bekanntesten werden sollte, hätte ich mir damals kaum ausgemalt.

Ein Bauplan mit mehr Wiederholungen als ein Stundenplan

Bei der Form wollte ich etwas Schlichtes: eine abgerundete zweiteilige Form. Nennen wir den Hauptgedanken A und den Mittelteil B, dann läuft es so ab: A, A, B, A, B, A, und zum Schluss folgt noch eine Coda. Das klingt nach viel Hin und Her, fühlt sich aber an wie ein Spaziergang um denselben See, bei dem nur das Licht ein wenig wechselt. Ich nehme dich jetzt mit durch die einzelnen Abschnitte, damit du bei jedem weißt, wo du gerade bist.

Abschnitt 1: Die Melodie betritt leise den Raum

Am Anfang erklingt das A ganz schlicht, ohne Schmuck und ohne Eile, im ruhigen Gehtempo des Andante. Hier lernst du die Melodie kennen, und es lohnt sich, sie dir gut zu merken, denn du wirst ihr noch oft begegnen. Die Stimmung ist warm und gelassen, mit einem leisen Schatten von Wehmut im Hintergrund. Es passiert noch nichts Aufregendes, und genau das ist Absicht: Du sollst erst einmal ankommen.

Abschnitt 2: Dieselbe Melodie, jetzt im Festtagsgewand

Wenn das A zum zweiten Mal kommt, erkennst du es sofort wieder, nur trägt es jetzt feine, geschwungene Verzierungen. Das ist, als würde ein Sänger dieselbe Zeile wiederholen und dabei jedes Mal ein paar zusätzliche Töne hinzufügen, nur weil er es kann. Zwischen den Wiederholungen führt eine sanft absteigende Passage in der Dominanttonart, also in einer Tonart, die dich behutsam zurück zur Heimat leitet. Die Stimmung bleibt dabei zärtlich, sie wird nur ein bisschen reicher und verspielter.

Abschnitt 3: Ein kurzer Ausflug und die Heimkehr

Mit dem B bekommst du einen Mittelteil, der dem Hauptgedanken gegenübersteht und die Musik für einen Moment in eine andere Richtung lenkt. Danach kehrt A zurück, dann noch einmal B und zum Schluss ein letztes Mal A, und jedes Wiedersehen mit der Melodie fühlt sich vertrauter an. Von Mal zu Mal wird sie mit mehr Verzierungen ausgeschmückt, sodass du den Eindruck bekommst, sie werde mit jeder Runde freier und selbstsicherer. Die Stimmung schwankt dabei zwischen Trost und leiser Sehnsucht, ohne dass sie jemals richtig dunkel würde.

Abschnitt 4: Das Licht wird gedimmt

Am Ende steht die Coda, ein kurzer Nachklang, in dem sich die Musik langsam verabschiedet. Es gibt eine kleine Kadenz, einen frei fließenden Lauf, und im vorletzten Takt steht senza tempo, also ohne festes Tempo, damit die Musik ausatmen darf. Dann folgen ruhige Akkorde in der Grundtonart, die wie ein sanftes Nicken wirken: So, das war es. Wenn du an dieser Stelle selbst ein bisschen langsamer atmest, hat das Stück seinen Zweck erfüllt.

Jetzt bist du dran, der Rest ist ein Knopfdruck

Jetzt lade ich dich ein, mein Nocturne in E flat major selbst zu erleben, und dafür musst du nur auf Play drücken. Lass dich einfach von der Musik tragen und denk beim Zuhören ruhig an das, was wir besprochen haben. Achte auf die Melodie, auf ihre Wiederkehr und auf die Verzierungen, die mit jeder Runde dazukommen. Ich hoffe, dass dich die Reise durch dieses Stück so berührt, wie sie mich beim Komponieren berührt hat.
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Am Ende verklingt mein Nocturne in E flat major ganz leise, mit einer kurzen Kadenz und ruhigen Akkorden, so als würde jemand das Licht langsam herunterdrehen. Vielleicht klingt die Melodie bei dir noch nach, und mit ihr dieser Hauch von Wehmut, der mitten in der Dur-Tonart bleibt. Hat dir dieser Hörführer zu meinem Nocturne in E flat major gefallen? Ich hoffe, du hast beim Zuhören ein paar Dinge bemerkt, die dir vorher nicht aufgefallen sind. Es gibt nämlich noch mehr an diesem kleinen Stück zu entdecken, als in so wenigen Takten auf den ersten Blick Platz zu haben scheint. Wenn du Lust hast, weiterzustöbern, dann klick auf die Links hier auf der Seite, und du kannst mein Nocturne in E flat major noch ein Stück genauer kennenlernen. Ich wünsche dir dabei viel Freude und noch viele ruhige Minuten mit guter Musik.