Heimweh nach Böhmen mit Dvořáks Symphony No 9
I. Adagio, Allegro molto

Symphony No. 9 in E minor, Op. 95 ("From the New World")

Dvořák präsentiert einen Hörführer zu I. Adagio, Allegro molto aus Symphony No 9
Ich bin Antonín Dvořák, und ich erkläre dir jetzt den Satz I. Adagio, Allegro molto aus meiner Sinfonie Nr. 9. Du hörst, wie die Hörner mein Hauptthema anstimmen, und es lohnt sich, es hier gut kennenzulernen, denn im Finale kehrt es wieder. Probier doch  eine Runde im Trainer  aus, denn meine Kollegen und ich bringen dir hier auch bei, unsere Stücke beim Hören wiederzuerkennen.
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Wer hier was zu sagen hat

Wenn du diesen Satz zum ersten Mal hörst, achte am besten auf vier Dinge, dann verlierst du nie den Faden. Zuerst stimmen die Streicher und die Holzbläser einen ruhigen Choral an, der klingt wie ein Gebet im Halbdunkel. Dann kommen die Hörner, die später mein Hauptthema tragen, und dazwischen schiebt die Pauke ihre drei Töne, die du schon beim zweiten Mal wiedererkennen wirst. Und wenn eine Soloflöte ihr Thema spielt, denken manche Hörer an das Lied Swing Low, Sweet Chariot, ich selbst sage aber, dass ich eigene Themen erfunden habe.

Der Name ist eine Gebrauchsanweisung

Den Titel dieses Satzes habe ich nicht lange gesucht, denn er sagt einfach, wie schnell die Musik gespielt werden soll. Adagio bedeutet langsam und Allegro molto sehr lebhaft, und weil der Satz beides enthält, stehen beide Angaben im Namen, genau in der Reihenfolge, in der du sie hörst. Ich schrieb ihn in New York, und mir war wichtig, dass man erst in Ruhe ankommt, bevor die eigentliche Reise losgeht. Das ist ein bisschen wie am Bahnsteig: Man möchte vorher wissen, ob der Zug gemächlich anrollt oder gleich davonfährt.

Ein Satz mit Vorraum

Bei der Form musste ich mich entscheiden, und ich habe mich für die Sonatenform entschieden, die ich mit einer langsamen Einleitung beginne. Dort herrscht das Adagio im 4/8-Takt, danach beginnt das Allegro molto im 2/4-Takt, und die Grundtonart bleibt e-Moll. Du hörst also eine Einleitung, dann das Hauptthema, ein zweites Thema samt Schlussgedanken, eine Durchführung, in der alles durcheinandergewirbelt wird, und zuletzt die Wiederkehr der Themen. Ich gehe diese Stationen jetzt eine nach der anderen mit dir durch, damit du unterwegs immer weißt, wo wir gerade sind.

Abschnitt 1: Leise anklopfen

Die Einleitung ist ein Adagio, und sie beginnt so leise, dass man erst einmal gar nicht weiß, was daraus werden soll. Zuerst erklingt der Choral in den Streichern, dann antworten die Holzbläser, und die Stimmung ist ernst und ein wenig geheimnisvoll. Plötzlich fährt ein Horn mit einem Ausbruch dazwischen, und die Pauke antwortet mit ihrem Motiv aus drei Tönen. Das ist die Ruhe vor dem Sturm, und wer genau hinhört, spürt schon hier, dass sich etwas aufbaut.

Abschnitt 2: Das Horn gibt den Ton an

Jetzt wechselt das Tempo zum Allegro molto, und der Takt wird zum 2/4-Takt, der viel mehr nach vorn drängt. Das Hauptthema spielen die Hörner, und es hat etwas Entschlossenes, das einen sofort mitnimmt. Die Tonart bleibt dabei e-Moll, deshalb klingt alles dunkel gefärbt, aber nicht traurig, sondern voller Spannung. Merk dir diese Melodie gut, denn sie ist der Faden, an dem ich den ganzen Satz aufhänge.

Abschnitt 3: Die Flöte singt dazwischen

Nach dem energischen Anfang beruhigt sich die Musik, und das Klangbild wird heller und leichter. Hier hörst du die Soloflöte mit ihrem Thema, und ich verrate dir gern, dass über dessen Verwandtschaft mit Swing Low, Sweet Chariot bis heute gestritten wird. Der Schlussgedanke dieses Teils erinnert dann an ein afroamerikanisches Spiritual, und das hat einen guten Grund: Mein Student Harry T. Burleigh, ein schwarzer Sänger, hatte mir solche Lieder vorgesungen. Ich habe aber keine fertigen Melodien übernommen, sondern eigene Themen geschrieben, die den Geist dieser Musik einfangen sollten.

Abschnitt 4: Die Themen im Schleudergang

Nun beginnt die Durchführung, und hier nehme ich meine Themen auseinander und setze sie neu zusammen. Das Hauptthema taucht in anderen Instrumenten und in anderen Tonarten auf, und die Stimmung wechselt zwischen Unruhe, Kampf und kurzen Momenten des Aufatmens. Du musst gar nicht jede Wendung verstehen, es genügt, wenn du die bekannten Melodien wie alte Bekannte in fremder Kleidung erkennst. Dieser Teil ist der dramatische Kern des Satzes, und alles läuft darauf hinaus, dass die Themen am Ende wieder nach Hause finden.

Abschnitt 5: Alte Bekannte kommen heim

Zum Schluss kehren die Themen zurück, und jetzt erkennst du sie sofort wieder, auch das Horn mit seiner entschlossenen Melodie. Der Satz bleibt in e-Moll, und er endet mit der Energie, die er von Anfang an in sich trug. Wenn du genau aufpasst, begegnest du dem Thema dieses Satzes übrigens im Finale noch einmal, denn dort erinnere ich an Themen aus den früheren Sätzen. So ist der erste Satz nicht nur ein Anfang, sondern auch ein Versprechen für das, was noch kommt.

Jetzt bist du dran

Nun lade ich dich ein, den ersten Satz meiner Sinfonie selbst zu erleben. Drück auf den Startknopf und lass dich einfach von der Musik tragen, am besten ohne Ablenkung. Denk beim Hören ruhig an das, was ich dir erzählt habe, an den Choral, die drei Paukentöne und das Thema der Hörner. Ich würde mich freuen, wenn du die Reise durch diesen Satz so spannend findest wie ich, als ich ihn geschrieben habe.
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Das war er also, der erste Satz meiner Sinfonie Nr. 9, vom leisen Adagio bis zum Allegro molto, das sich Schritt für Schritt aufbaut. Hat dir der Hörführer zu diesem Satz gefallen, und hast du beim Hören schon etwas wiedererkannt? Vielleicht klingt beim nächsten Mal der Choral am Anfang anders, weil du nun weißt, wie die Hörner und die drei Paukentöne darauf antworten. Es gibt in dieser Sinfonie noch viel mehr zu entdecken, denn drei weitere Sätze warten darauf, von dir gehört zu werden. Im Largo singt das Englischhorn seine Melodie, im Scherzo wird getanzt, und im Finale tauchen Themen aus den früheren Sätzen wieder auf. Ich schrieb dieses Werk in New York, und ich finde es immer wieder schön, wenn Menschen so viele Jahre später noch etwas darin hören, das ihnen vertraut ist. Klick deshalb gern auf die Links hier auf der Seite, um noch tiefer in meine Sinfonie Nr. 9 einzutauchen. Ich wünsche dir dabei viel Freude, und vielleicht hörst du die Sinfonie nun mit anderen Ohren.