Jazz im Konzertsaal bei Gershwins Rhapsody in Blue
Die Hintergründe

Rhapsody in Blue

Gershwin erzählt die Hintergründe zu Rhapsody in Blue
Ich bin George Gershwin, und hier erzähle ich dir die Vorgeschichte meiner Rhapsody in Blue. Du erfährst, wie aus einem abgelehnten Auftrag im Januar 1924 in nur wenigen Wochen ein Stück entstand, das bis heute jeder kennt. Wenn du magst, lernst du bei uns übrigens, mit meinen Komponistenkollegen zusammen, Stücke sofort zu erkennen, und am besten gehst du gleich  zum Trainer .
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Ein Anruf, auf den ich keine Lust hatte

Paul Whiteman, ein Bandleader mit großem Orchester und noch größerem Ehrgeiz, wollte ein Konzert nur mit Jazz veranstalten. Der Abend sollte "An Experiment in Modern Music" heißen, und von mir wünschte er sich ein Stück, das fast wie ein Klavierkonzert wirkt. Ich habe zuerst abgelehnt, weil mir schlicht die Zeit fehlte. Man sagt ja, wer zu allem Ja sagt, hat bald keinen Kalender mehr, und meiner war schon ziemlich voll.

Die Zeitung wusste es vor mir

Am 4. Januar 1924 stand in der New-York Tribune, ich sei schon eifrig an einem Jazzkonzert am Arbeiten. Das war völlig falsch, denn ich hatte noch keine einzige Note geschrieben. Whiteman ließ dann einfließen, dass sein Konkurrent Vincent Lopez sich die Idee schnappen könnte. Das hat gewirkt, und ich habe zugesagt, auch wenn ich mich ein bisschen vorgeführt fühlte.

Ein Komponist mit vollem Terminkalender

Zu der Zeit steckte ich mitten in den Proben zu einer Broadway-Show namens Sweet Little Devil. Den Tag verbrachte ich also im Theater, und die Rhapsodie musste sich mit den übrigen Stunden begnügen. Rückblickend finde ich es erstaunlich, dass ausgerechnet ein Stück, das so selbstverständlich klingt, in so einer Hektik entstanden ist. Vielleicht hat gerade das Tempo dieser Wochen ihm den Schwung gegeben.

Die Idee fährt mit dem Zug

Später habe ich erzählt, dass mir der Aufbau des Stücks auf einer Zugfahrt nach Boston eingefallen ist. Das Rattern der Schienen habe ich dabei gewissermaßen mitgehört, und als ich ankam, hatte ich nach meinen Worten einen klaren Plan für das Ganze. Der Biograf Isaac Goldberg hat diese Geschichte 1931 aufgeschrieben, und bestätigt hat sie bis heute niemand außer mir. Es ist also eine schöne Erzählung, und ich lasse sie gern so stehen, wie sie ist.

Ein Titel mit Gemäldeblick

Eigentlich wollte ich das Stück American Rhapsody nennen. Mein Bruder Ira ging dann in eine Ausstellung mit Bildern von Whistler und kam mit einem besseren Vorschlag zurück. So wurde daraus Rhapsody in Blue, ein Name, der eher nach Farbe als nach Musik klingt. Ich finde das passend, denn das Stück malt ja tatsächlich mit Klängen.

Fünf Wochen und ein Helfer

Bis zur Uraufführung blieben mir ungefähr fünf Wochen. Ich habe Ferde Grofé die Noten Stück für Stück weitergereicht, und er hat sie für das Orchester eingerichtet. Fertig war er am 4. Februar 1924, auch wenn in Goldbergs Bericht von nur zehn Tagen die Rede ist, und wie schnell er wirklich arbeitete, erzählen die Quellen unterschiedlich. Eines steht jedenfalls fest: Die Orchestrierung stammt nicht von mir, und ich bin Grofé dafür noch heute dankbar.

Ein langer Abend im Aeolian Hall

Am 12. Februar 1924 war es so weit, im Aeolian Hall in New York. Das Programm hatte 26 Nummern, und meine Rhapsodie kam als vorletzte, direkt vor einem Marsch von Elgar. Ich saß am Klavier, und Whiteman dirigierte seine Palais Royal Orchestra. Wer so lange im Saal ausgeharrt hatte, bekam also zum Schluss gleich zwei Höhepunkte hintereinander.

Der Solist macht es spannend

Meinen Klavierpart hatte ich für den Abend nicht vollständig aufgeschrieben. An manchen Stellen habe ich einfach aus dem Augenblick heraus gespielt. Deshalb weiß heute niemand genau, wie die allererste Aufführung geklungen hat, nicht einmal ich könnte es Note für Note sagen. Das ist ein ungewöhnliches Geheimnis für ein Stück, das inzwischen so viele Menschen im Ohr haben.

Applaus ja, Gewinn nein

Das Publikum war begeistert, nur Whiteman hat an dem Konzert Geld verloren. Die Kritiker waren sich uneins: Olin Downes lobte, wie eigenständig das Stück sei. Lawrence Gilman dagegen nannte es "derivative" und "stale", also abgeleitet und abgestanden. Ich habe gelernt, dass dasselbe Stück am selben Abend gefeiert und verrissen werden kann.

Vom Konzertsaal bis ins Flugzeug

Im Juni 1924 erschien das Werk bei Harms, und Whiteman machte es zu seinem Erkennungsstück. Seine Aufnahme von 1927 verkaufte sich rund eine Million Mal, und Grofé schrieb später weitere Fassungen, von denen die von 1942 die übliche im Konzertsaal wurde. Woody Allen hat die Musik 1979 in Manhattan verwendet, Disney in Fantasia 2000, und ab 1987 begleitete sie sogar die Werbung von United Airlines. Mein Bleistiftmanuskript liegt übrigens heute in der Library of Congress, und ich finde es tröstlich, dass es dort so gut aufgehoben ist.
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Wenn ich heute auf die Geschichte meiner Rhapsody in Blue zurückschaue, wundere ich mich immer noch, wie aus einer Zusage, die ich zuerst gar nicht geben wollte, ein Stück für die Ewigkeit geworden ist. Im Februar 1924 saß ich in der Aeolian Hall am Klavier, und ein Teil meines Solos existierte nur in meinem Kopf und unter meinen Fingern. Deshalb weiß bis heute niemand genau, wie dieser allererste Abend wirklich geklungen hat, und ich finde, dass dieses kleine Geheimnis gut zu dem Stück passt. Danach hat die Rhapsody ihren eigenen Weg genommen: Die Aufnahme von 1927 wurde etwa eine Million Mal verkauft, und mein Bleistiftmanuskript wird inzwischen in der Library of Congress aufbewahrt. Das hätte ich mir an jenem hektischen Januartag, an dem ich kaum Zeit hatte, nie träumen lassen. Hat es dir Freude gemacht, die Geschichte hinter der Rhapsody in Blue kennenzulernen? Ich hoffe es sehr, denn es gibt an diesem Stück noch viel mehr zu entdecken, etwa wie Ferde Grofé meine Klavierideen für das Orchester eingekleidet hat oder wo man die Musik später überall wiederhören konnte. Klick dich gern durch die Links hier auf der Seite und such dir heraus, was dich neugierig macht. Vielleicht hörst du die Rhapsody danach mit anderen Ohren, und das würde mich ehrlich freuen.