Fanfaren am Nil bei Verdis Aida
Die Hintergründe

Aida, opera in four acts (1871)

Verdi erzählt die Hintergründe zu Aida
Ich bin Giuseppe Verdi, und das hier ist die Vorgeschichte meiner Oper Aida. Du erfährst, wie der Krieg zwischen Frankreich und Preußen und die Belagerung von Paris meine Arbeit aufhielten, sodass Aida weder zur Eröffnung des Opernhauses in Kairo noch zu der des Suezkanals fertig wurde. Auf dieser Seite bringe ich dir gemeinsam mit meinen Mitkomponisten bei, unsere Stücke schon beim ersten Takt zu erkennen, also  probier den Trainer aus , wenn du magst.
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Ein Brief mit einer hübschen Zahl

Am Anfang steht ein Angebot, das man nicht jeden Tag bekommt: Ismail Pasha, der Khedive von Ägypten, wollte eine Oper von mir. Dafür bot er mir 150.000 Francs, und das war damals eine Summe, bei der selbst ein sturer Bauernsohn ins Rechnen kam. Ich hatte zu dieser Zeit eigentlich keine große Lust, schon wieder eine Oper zu schreiben. Ich habe zuerst Nein gesagt, und doch ließ mich die Sache nicht mehr los.

Erst Nein, dann Ja

Ich habe das Angebot zuerst abgelehnt, ganz höflich und ohne große Begründung. Dann aber kam eine Geschichte aus dem alten Ägypten auf meinen Tisch, und die gefiel mir mehr, als ich zugeben wollte. Wer sie ursprünglich vorgeschlagen hat, weiß man übrigens nicht ganz sicher: Meist wird sie dem Ägyptologen Auguste Mariette zugeschrieben, einige Forscher denken aber an Temistocle Solera. Jedenfalls sagte ich schließlich zu, und das Honorar war für einen Komponisten damals das höchste, das je gezahlt worden war.

Eine Oper, die zu spät zur Party kam

Das Opernhaus in Kairo wurde am 1. November 1869 eröffnet, und zwar mit meinem Rigoletto, nicht mit Aida. Auch die Eröffnung des Suezkanals fand ohne meine neue Oper statt, die ich damals noch gar nicht begonnen hatte. Man erzählt sich gern, Aida sei genau für diese Feste geschrieben worden, aber das stimmt nicht. Ich bin also gleich bei zwei großen Einweihungen als Nachzügler erschienen, was bei einer Oper über einen Triumphzug eine gewisse Ironie hat.

Drei Männer und ein Libretto

Ein Libretto entsteht selten an einem einzigen Schreibtisch, und bei Aida waren es gleich mehrere. Mariette bereitete den Stoff aus der Antike vor, und Camille du Locle, der Direktor der Opéra-Comique, schrieb daraus einen Entwurf in französischer Prosa. Antonio Ghislanzoni goss das Ganze dann in italienische Verse, die man singen kann. Ich saß dazwischen, schickte Wünsche hin und her und bestand darauf, dass jede Szene genau so dramatisch wird, wie ich sie im Kopf hatte.

Der Krieg funkt dazwischen

Im August 1870 habe ich mit der Komposition begonnen, und eigentlich sollte die Uraufführung schon im Januar 1871 stattfinden. Dann brach der Deutsch-Französische Krieg aus, und Paris wurde belagert. Die Belagerung von Paris hielt die Produktion auf, und was in einem Krieg stecken bleibt, kommt bekanntlich nicht nach Kairo. So musste die Premiere verschoben werden, und ich hatte immerhin etwas mehr Zeit, an der Musik zu feilen.

Premiere ohne den Komponisten

Am 24. Dezember 1871 war es endlich so weit, und Aida erklang zum ersten Mal im Khedivial-Opernhaus in Kairo. Giovanni Bottesini stand am Dirigentenpult. Ich selbst war nicht dabei. Ich habe die Uraufführung meiner eigenen Oper also nur aus der Ferne erlebt und auf Nachrichten gewartet.

Mailand will auch

Für mich war die Aufführung in Italien mindestens so wichtig wie die in Kairo, und sie folgte am 8. Februar 1872 an der Scala in Mailand. Damit war die Oper auch in meiner Heimat angekommen. Danach ging es schnell: Innerhalb von fünf Jahren wurde Aida in den Hauptstädten Europas gespielt und sogar in New York. Eine Oper, die für einen Hof am Nil gedacht war, hatte plötzlich ein Publikum auf der ganzen Welt.

Der Ton, der verschwinden soll

In Celeste Aida im ersten Akt steht am Ende ein hohes B, und ich habe dazu die Anweisung geschrieben, es ganz leise zu singen und im Klang verklingen zu lassen. Für Tenöre ist das eine der gemeinsten Aufgaben, die es gibt, denn ein hoher Ton ist leichter laut als leise. Deshalb habe ich eine Alternative erlaubt: den Ton voll zu singen, dann die Worte vicino al sol eine Oktave tiefer zu wiederholen und leise zu enden. Viele Sänger greifen dankbar danach, und ich kann das gut verstehen.

Heimweh am Fluss

Im dritten Akt singt Aida die Arie O patria mia, und die Szene spielt am Ufer des Nils. Aida ist eine Prinzessin, die als Gefangene in Ägypten lebt, und diese Arie ist ihr Heimweh in Musik. Ich lasse sie dort ganz allein stehen, und so bleibt es nicht lange, denn in der Dunkelheit nähert sich jemand, mit dem sie nicht gerechnet hat. Wer das ist und was er von ihr verlangt, verrate ich hier nicht.

Eine Banda auf der Bühne

Im Triumphal March im zweiten Akt spielt nicht nur das Orchester im Graben, sondern auch eine Banda direkt auf der Bühne. So wirkt es, als zöge das Heer wirklich an dir vorbei, und der Klang kommt von allen Seiten. Dabei ist Aida trotz dieses Pomps eine Oper in vier Akten, die vor allem von drei Menschen erzählt: von Aida, von Radamès und von Amneris. Wie das für sie ausgeht, sage ich nicht, nur so viel: Es ist eine Geschichte, bei der man am Ende lieber leise ist.
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Nun hast du gesehen, wie aus einem Angebot aus Ägypten meine Oper Aida geworden ist. Ich selbst war bei der Uraufführung im Dezember 1871 in Kairo gar nicht dabei, und so musste ich mich lange Zeit mit Berichten aus der Ferne begnügen. Umso mehr freut es mich, dass du jetzt mit mir auf diesen Weg zurückgeblickt hast. Hat dir die Geschichte hinter Aida gefallen? Mir bedeutet es viel, wenn jemand sich die Zeit nimmt, hinter die Kulissen eines Stücks zu schauen, denn die Musik klingt danach oft ein wenig anders. Und dabei haben wir noch längst nicht alles angeschaut, was in dieser Oper steckt. Es gibt noch viele Seiten an Aida zu entdecken, zum Beispiel die Menschen auf der Bühne mit ihren Stimmen und ihren Konflikten oder die Arien und Chöre, die sich nach dem ersten Hören so schnell nicht mehr vergessen lassen. Wenn du neugierig geworden bist, klicke einfach auf die Links, die ich dir hier bereitgelegt habe. Dort kannst du weiterhören, weiterlesen und dir deinen eigenen Weg durch diese Oper suchen.