Auf sanften Wellen mit Bachs Cello Suite No 1 in G Major Prelude
Der Hörführer
Cello Suite No. 1 in G major, BWV 1007: I. Prélude

Ich bin Johann Sebastian Bach, und das hier ist der Hörführer zum Prelude der Cello Suite No 1 in G Major. Du hörst, wie ein einzelnes Cello ganz allein aus aufgefächerten Akkorden ein weites, klingendes Gebäude baut, und du lernst, worauf du dabei achten kannst. Dass du ein Stück schon beim Hören erkennst, bringen dir hier auch meine Komponistenkollegen und ich bei, und im Trainer kannst du es ausprobieren .
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Zuhören ohne Eintrittskarte
Setz dich bequem hin und mach dir keine Sorgen, dass du etwas verpassen könntest, denn für dieses Prelude brauchst du kein Vorwissen. Hör nicht auf eine Melodie zum Mitsummen, sondern auf das gleichmäßige Wogen der Töne, das wie ein ruhiger Fluss unter allem liegt. Achte darauf, wie sich die Farbe des Klangs verändert, obwohl das Muster fast gleich bleibt, und wie du manchmal glaubst, ein zweiter Spieler sei dazugekommen, obwohl da nur ein Cello spielt. Wenn du dazu eine Aufnahme suchst, ist die von Pablo Casals ein guter Anfang, denn er hat als Erster alle sechs Suiten eingespielt, und zwar zwischen 1936 und 1939.Warum auf dem Umschlag Prelude steht
Prelude heißt schlicht Vorspiel, und genau das ist es: der erste von sechs Sätzen der Suite, der die Tür aufmacht, bevor die anderen hereinkommen. Eine Suite ist eine Folge von Sätzen, die zusammengehören, und die meisten davon sind Tänze wie die Allemande oder die Gigue. Das Prelude dagegen tanzt nicht, es klingt eher, als würde jemand die Finger lockern und dabei ganz nebenbei schon Musik machen. Deshalb habe ich ihm diesen Namen gegeben: Es richtet uns in G-Dur ein, damit wir wissen, wo wir sind, bevor die Reise weitergeht.Ein einziges Muster, ein Fluss
Die Wahl der Form war ein kleines Abenteuer für sich, denn ich wollte hier keine große Architektur bauen. Stattdessen habe ich ein einziges Muster aus aufgefächerten Akkorden genommen und es durch das ganze Stück wandern lassen, ohne dass es je abreißt. Du kannst dir das Prelude in vier Abschnitte teilen: das Ankommen, das Abschweifen, das Spannen und das Heimkehren. Ich führe dich gleich durch jeden einzelnen, und du wirst merken, dass die Übergänge fließen, weil hier niemand Wegweiser aufgestellt hat.Abschnitt 1: Ankommen ohne Eile
Gleich zu Beginn stehst du fest in G-Dur, und das Cello zieht seine Wellen in einem ruhigen, unaufgeregten Gang. Alles klingt offen und warm, so als würde man dir die Tür aufhalten und sagen, du hättest Zeit. Hier bekommst du das Muster, auf das du dich in den nächsten Minuten verlassen kannst, und deshalb lohnt es sich, ihm genau zuzuhören. Die Stimmung ist heiter und gelassen, und noch deutet nichts darauf hin, dass ich dich später ein Stück vom Weg abbringen werde.Abschnitt 2: Der Spaziergang, der sich verläuft
Nach dem ersten Ankommen beginnt das Muster, in andere harmonische Gegenden auszuweichen, und die Farben des Klangs wechseln von hell zu schattig und wieder zurück. Das Tempo bleibt gleichmäßig, aber die Stimmung wird suchender, fast fragend, als würde das Cello nach dem Heimweg tasten. Manche Wendungen klingen für einen Moment fremd, und gerade das macht sie spannend, denn dein Ohr will wissen, wohin die Reise geht. Du musst keine Tonarten benennen können, es genügt, wenn du spürst, dass sich der Boden unter den Füßen leise verschiebt.Abschnitt 3: Der Kessel kurz vor dem Pfeifen
Jetzt wird es ernst, denn unten bleibt ein tiefer Ton fast an derselben Stelle liegen, während darüber die Töne kreisen und sich nach oben schrauben. Das klingt, als würde jemand Wasser aufsetzen und sehr genau wissen, dass es gleich zu pfeifen beginnt. Die Spannung wächst mit jeder Welle, und du wartest darauf, dass sich etwas löst, ohne dass ich dir verrate, wann. Hier erzähle ich mit Tönen, was man mit Worten kaum sagen kann: dass Erwartung manchmal schöner ist als die Erfüllung, bis die Erfüllung dann kommt.Abschnitt 4: Endlich wieder zu Hause
Dann löst sich die Spannung, und das Cello führt dich in großen, weiten Bewegungen zurück in die Tonart, in der wir angefangen haben. Die Wellen werden breiter, der Klang öffnet sich, und es fühlt sich an, als würde nach einem langen Weg endlich die vertraute Haustür aufgehen. Am Ende steht ein voller, ruhiger G-Dur-Klang, der nichts mehr beweisen muss. So hast du in wenigen Minuten eine ganze Geschichte erlebt, von der Gelassenheit über die Unruhe bis zur Heimkehr, und das mit einem einzigen Instrument.Jetzt bist du dran
Jetzt lade ich dich ein, das Prelude aus meiner Cello Suite No 1 in G Major selbst zu erleben. Drück auf Play und lass dich einfach von der Musik tragen. Denk beim Hören ruhig an das, was wir besprochen haben, und achte auf die vier Abschnitte, die ineinander übergehen. Ich hoffe, dass dich die Reise durch dieses Prelude genauso begeistert, wie sie mich beim Schreiben begeistert hat.---
Ich hoffe, du hast beim Lesen dieses Hörführers zum Prelude der Cello Suite No 1 in G Major etwas Neues entdeckt, und es hat dir Freude gemacht. Hat dir der Hörführer zum Prelude der Cello Suite No 1 in G Major gefallen? Ein einzelnes Cello, das nur Akkorde auffächert, und doch bleibt man beim Zuhören immer wieder hängen – so ein schlichtes Stück verrät nie alles auf einmal. Ich habe es vor gut dreihundert Jahren geschrieben, und es klingt für mich noch immer so, als würde es jedes Mal ein bisschen anders mit dir sprechen. Es gibt noch vieles am Prelude der Cello Suite No 1 in G Major zu entdecken, zum Beispiel die übrigen fünf Sätze der Suite oder die Frage, auf welchem Instrument ich es mir eigentlich vorgestellt habe. Darüber weiß man nämlich nichts Sicheres, und das macht die Sache für mich eher reizvoll als ärgerlich. Wenn du Lust hast, weiterzustöbern, dann klick einfach auf die Links hier auf der Seite. Sie führen dich zu weiteren Aufnahmen und Hintergründen rund um das Prelude der Cello Suite No 1 in G Major. Nimm dir Zeit, hör noch einmal hinein, und lass dich von diesem einen Cello begleiten, wohin es dich auch führt.
