Zwei Jahrzehnte Anlauf mit Brahms' Symphony No 1
IV. Adagio - Più andante - Allegro non troppo, ma con brio

Symphony No. 1 in C minor, Op. 68

Brahms präsentiert einen Hörführer zu IV. Adagio - Più andante - Allegro non troppo, ma con brio aus Symphony No 1
Ich bin Johannes Brahms, und ich erkläre dir jetzt den Satz IV. Adagio - Più andante - Allegro non troppo, ma con brio aus meiner Symphonie Nr. 1. Du hörst, wie sich das düstere c-Moll der langsamen Einleitung über einen Posaunenchoral und ein hymnisches Thema zu einem C-Dur-Jubel aufhellt, und genau dieser Weg aus dem Dunkel ins Licht macht den Satz lohnend. Unsere Stücke zu erkennen, sobald sie erklingen, lernst du hier auch von meinen Kollegen und mir, und  ein Versuch im Trainer  zeigt dir gleich, wie weit du schon bist.
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Die Posaunen haben endlich ihren Auftritt

Ich rate dir, beim Hören zuerst auf die Posaunen zu achten, denn sie spielen in meiner ganzen Symphonie nur in diesem letzten Satz. Drei Sätze lang warten sie still im Hintergrund, und wenn sie endlich einsetzen, merkst du sofort, dass jetzt etwas Besonderes beginnt. Die Pauke und die Streicher geben dem Satz sein Fundament und seine Spannung, während Holzbläser und Hörner immer wieder Farbe und Wärme hineinbringen. Wenn du dir nur zwei Dinge merken willst, dann den Klang der Posaunen und das Gefühl, dass sich die Musik Schritt für Schritt aus dem Dunkel ins Helle hocharbeitet.

Drei Wegweiser statt einer Überschrift

Der Satz trägt diesen langen Titel, weil er sich unterwegs mehrfach verwandelt und ich dir mit jedem Tempowort sagen wollte, wo du gerade stehst. Adagio heißt langsam und ruhig, Più andante bedeutet etwas gehender, und Allegro non troppo, ma con brio heißt lebhaft, aber nicht übertrieben, und mit Schwung. Das Più allegro, das ich ebenfalls in die Noten geschrieben habe, verrät dir, dass die Musik zum Schluss noch einmal schneller wird. So kannst du schon vor dem ersten Ton ablesen, dass hier ein Weg von schwer und langsam zu hell und beschwingt vor dir liegt.

Eine Form, die sich nicht in die Schublade stecken lässt

Die Form dieses Satzes hat mir Kopfzerbrechen bereitet, denn ich wollte keine Schablone, sondern einen Weg, der sich wie eine einzige große Steigerung anfühlt. Ob man das am Ende Sonate, Rondo oder etwas ganz Eigenes nennt, überlasse ich den Theoretikern, denn für dein Hören zählt etwas Einfacheres: Es beginnt in c-Moll mit einer langsamen Einleitung und endet in C-Dur. Dazwischen liegen vier Abschnitte, die ich nach meinen Tempoangaben ordne, nämlich Adagio, Più andante, Allegro non troppo, ma con brio und Più allegro. Ich gehe sie jetzt einen nach dem anderen mit dir durch, und du wirst merken, wie jeder den nächsten vorbereitet.

Abschnitt 1: Dunkle Wolken ohne Eile

Das Adagio beginnt in c-Moll, langsam und schwer, und es klingt, als müsste die Musik erst mühsam einen Weg durch dichten Nebel suchen. Von Heiterkeit ist hier noch keine Spur, im Gegenteil, die Anspannung der Sätze davor bleibt deutlich spürbar. Du hörst Töne, die sich vortasten, stocken und wieder ansetzen, als wüsste ich selbst noch nicht, wohin die Reise geht. Lass dir ruhig Zeit damit, denn dieses Zögern ist Absicht und macht den späteren Durchbruch erst groß.

Abschnitt 2: Der Ruf von den Bergen

Mit dem Più andante kommt Bewegung in die Einleitung, und der Nebel beginnt sich langsam zu lichten. In dieser Einleitung erklingt der Alphornruf, von dem ich dir schon erzählt habe, und er wirkt wie ein weiter Blick, nachdem man lange nichts gesehen hat. Danach folgt der Choral der Posaunen, feierlich und ruhig, und es ist der Moment, auf den du so lange gewartet hast. Hier hält die Musik noch einmal inne und sammelt sich, bevor sie Anlauf nimmt.

Abschnitt 3: Eine Melodie zum Mitsummen

Mit dem Allegro non troppo, ma con brio kommt das Hauptthema, breit und hymnenartig, und die Musik steht plötzlich fest auf beiden Beinen. Es erinnert an die Ode an die Freude aus Beethovens Neunter, und auf diesen Vergleich habe ich ziemlich unwirsch reagiert. Hans von Bülow ging 1877 sogar so weit, das ganze Werk „Beethovens Zehnte“ zu nennen, was mir nicht unbedingt geschmeichelt hat. Hör einfach selbst hin, denn das Thema ist schlicht genug, dass du es nach dem ersten Mal fast mitsummen kannst.

Abschnitt 4: Jetzt darf die Sonne scheinen

Das Più allegro treibt die Musik zum Schluss noch einmal schneller voran. Aus dem c-Moll, mit dem alles begonnen hat, wird am Ende strahlendes C-Dur, und genau das ist der Triumph, auf den der ganze Satz zugesteuert ist. Nach dem Ringen, das du eben gehört hast, fühlt sich dieser Schluss an wie ein tiefes Aufatmen. Wenn die letzten Akkorde verklingen, weißt du, dass sich der Weg vom Nebel bis zum Licht gelohnt hat.

Jetzt bist du dran: Play-Taste frei

Jetzt lade ich dich ein, diesen Satz selbst zu erleben: Drück auf Play und lass dich von der Musik mitnehmen. Denk beim Hören ruhig an das, was wir besprochen haben, an den Nebel am Anfang, den Choral der Posaunen und das Thema zum Mitsummen. Du musst dafür nichts wissen und nichts verstehen, es reicht, wenn du dich auf den Weg einlässt. Ich hoffe, dass dich diese Reise durch meinen Finalsatz so packt, wie sie mich beim Schreiben gepackt hat.
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Damit endet unser Gang durch das Finale, das ich in dunklem c-Moll beginne und in strahlendem C-Dur zu Ende führe. Wenn du den Satz noch einmal hörst, achte darauf, wie lang der Weg vom zögernden Anfang bis zu diesem hellen Schluss eigentlich ist. Mir bedeutet dieser Weg besonders viel, denn ich habe für ihn sehr lange gebraucht. Hat es dir Freude gemacht, mehr über den vierten Satz Adagio - Più andante - Allegro non troppo, ma con brio aus meiner Symphonie Nr. 1 zu erfahren? Vielleicht hörst du die Musik jetzt mit etwas anderen Ohren als vorhin. Meine Symphonie Nr. 1 hat noch viel mehr zu bieten, als in dieser Hörführung Platz hatte. Es gibt noch Geschichten zu entdecken, kleine Einzelheiten in den anderen Sätzen und manches, was erst beim zweiten oder dritten Hören auffällt. Klick dich doch einfach durch die Links, die du hier findest, und geh auf eigene Faust weiter auf Entdeckungsreise durch meine Symphonie Nr. 1.