Wehmut im Cello-Klang bei Elgars Cello Concerto in E minor, Op. 85
IV. Allegro
Cello Concerto in E minor, Op. 85

Ich bin Edward Elgar, und ich erkläre dir jetzt den vierten Satz meines Cello Concerto in E minor, Op. 85, das Allegro. In gut elf Minuten, dem längsten Satz des Konzerts, hörst du, wie sich die Musik aus raschem Schwung am Ende in ein ruhiges Adagio zurückzieht. Auf dieser Seite lernst du mit meinen Komponistenkollegen, Stücke schon beim Erklingen zu erkennen, und wenn du Lust hast, kannst du dich gleich im Trainer versuchen .
---
Wer hier zuerst das Wort ergreift
Hör bei diesem Satz zuerst auf das Solocello, denn es ist die Hauptperson und redet fast ununterbrochen. Die Streicher des Orchesters tragen es wie ein fester Untergrund, während Flöten, Oboen, Klarinetten und Fagotte der Musik immer wieder eine andere Farbe geben. Wenn Hörner, Trompeten und Posaunen dazukommen, wird es laut und festlich, und die Pauke unterstreicht das mit ihrem Grollen. Du musst nichts Besonderes wissen, achte einfach darauf, wann das Cello führt und wann das Orchester kurz das Steuer übernimmt.Warum hier so eilig?
Ich habe diesen Satz schlicht Allegro genannt, und das heißt auf Italienisch so viel wie lebhaft und zügig. Nach den ruhigen Sätzen davor sollte die Musik wieder Schwung bekommen, und der Titel sagt dir gleich, in welche Richtung es geht. Trotzdem ist es der längste Satz des Konzerts, mit rund 11½ Minuten, denn ich wollte hier alles zusammenführen, was ich noch zu sagen hatte. Das Allegro ist also kein kurzer Sprint, sondern eher ein ausgedehnter Spaziergang im flotten Tempo.Eine Form ohne Schild an der Tür
Bei der Form dieses Satzes habe ich lange überlegt, und ich verrate dir gleich, dass ich kein Lehrbuchetikett daraufkleben möchte. Als Wegweiser dienen mir die Tempoangaben, die sich im Lauf des Satzes ändern: Allegro, Moderato, Allegro, ma non troppo, Poco più lento und zuletzt Adagio. Daraus ergeben sich fünf Abschnitte, und ich möchte sie dir der Reihe nach vorstellen. Merk dir einfach, dass die Musik an jedem dieser Punkte ihre Gangart und oft auch ihre Stimmung wechselt.Abschnitt 1: Der Start mit Schwung
Der Satz beginnt mit dem Allegro, und das Cello setzt sofort mit einem kräftigen, entschlossenen Thema ein. Die Stimmung ist selbstbewusst und unternehmungslustig, fast so, als hätte das Cello die Trübsal der Sätze davor abgeschüttelt. Das Orchester antwortet energisch, und du spürst, dass hier etwas in Bewegung kommt. Hör darauf, wie das Cello schnelle Läufe spielt und trotzdem immer singt, statt nur zu rennen.Abschnitt 2: Kurz Luft holen
Mit dem Moderato nehme ich das Tempo zurück, und die Musik wird gemäßigter und ruhiger. Das Cello hat nun mehr Raum, um zu singen, und die Melodien klingen weicher und nachdenklicher. Es ist wie ein Moment, in dem man auf einer Wanderung stehen bleibt und den Blick über die Landschaft schweifen lässt. Achte darauf, wie sich die Farben des Orchesters hier verändern, denn die Stimmung wird merklich wärmer.Abschnitt 3: Der zweite Anlauf
Dann kehrt das Allegro zurück, diesmal mit dem Zusatz ma non troppo, was so viel heißt wie lebhaft, aber nicht zu sehr. Das ist ein Hinweis an die Spieler, den Schwung zu behalten und trotzdem nicht zu hetzen. Die Musik wirkt dadurch gelassener und zugleich gewichtiger, als hätte sie unterwegs etwas dazugelernt. Hör, wie das Cello und das Orchester sich jetzt mehr Zeit nehmen, ihre Gedanken zu entfalten.Abschnitt 4: Ein Schritt langsamer
Beim Poco più lento wird die Musik noch ein Stück langsamer, und der Ton wird spürbar ernster. Das Cello klingt hier eher nach innerem Selbstgespräch als nach Auftritt vor Publikum. Die Bewegung wird ruhiger, und man merkt, dass sich etwas dem Ende zuneigt. Wenn du genau hinhörst, erkennst du, wie die Spannung langsam aus der Musik weicht und etwas Wehmut zurückbleibt.Abschnitt 5: Der letzte Atemzug
Das Adagio bildet den Schluss und ist die langsamste Angabe des ganzen Satzes. Hier klingt die Musik getragen und ernst, und die Munterkeit vom Anfang ist fast vergessen. Für mich ist das der Moment, in dem das ganze Konzert noch einmal zur Ruhe kommt und seine eigentliche Stimmung zeigt. Bleib also bis zum letzten Ton dabei, denn gerade die Schlussminuten sind wichtig.Jetzt bist du dran
Nun lade ich dich ein, das Allegro selbst zu erleben, also drück auf Play und lass dich von der Musik mitnehmen. Vielleicht denkst du beim Hören an die fünf Abschnitte, die wir gemeinsam durchgegangen sind. Du musst nichts mitzählen oder erkennen, es reicht, wenn du dich treiben lässt. Ich hoffe, die Reise durch mein Allegro macht dir so viel Freude, wie sie mir beim Komponieren gemacht hat.---
Ich hoffe, dir hat der Hörführer zum vierten Satz, dem Allegro aus meinem Cello Concerto in E minor, Op. 85, gefallen. Mit seinen gut elf Minuten ist dieser Satz der längste des Konzerts, und vielleicht hörst du ihn jetzt ein wenig anders als beim ersten Mal. Am Ende, im Adagio, kehrt die Musik noch einmal zur Ruhe zurück, und genau das macht für mich den Abschied in diesem Werk aus. Es gibt aber noch viel mehr zu entdecken, denn dieses Konzert hat neben diesem Satz noch einige Geschichten und Seiten, die ich dir gern zeigen möchte. Du kannst zum Beispiel erfahren, wie die Uraufführung im Oktober 1919 verlief und wie das Stück im Lauf der Jahre immer beliebter wurde. Klick dich einfach durch die Links hier auf der Seite, und entdecke weiter, was mein Cello Concerto in E minor, Op. 85 noch alles zu erzählen hat. Vielleicht hörst du das Konzert danach noch einmal von vorn und bemerkst Dinge, die dir vorher entgangen sind.
