Vom Trauermarsch zum Liebesbrief bei Mahlers Symphony No 5
III. Scherzo

Symphony No. 5 in C-sharp minor

Mahler präsentiert einen Hörführer zu III. Scherzo aus Symphony No 5
Ich bin Gustav Mahler und führe dich jetzt durch das III. Scherzo meiner Symphony No 5. Du hörst, wie nach zwei ernsten Sätzen plötzlich Ländler und Walzer in kräftigem D-Dur auftauchen, und dieser jähe Stimmungswechsel trägt dich durch die rund 18 Minuten des Satzes. Wenn du ausprobieren möchtest, ob du ein Stück sofort erkennst,  öffne einfach den Trainer , denn genau das üben meine Komponistenkollegen und ich hier mit dir.
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So hörst du dieses Scherzo, ohne Noten lesen zu müssen

Setz dich bequem hin, denn der dritte Satz meiner Symphony No 5 dauert ungefähr 18 Minuten und steht als zweiter Teil des Werks ganz für sich allein. Achte vor allem auf das Horn, das hier so wichtig ist, dass der Spieler oft vor das Orchester treten darf, damit man ihn auch wirklich sieht. Um ihn herum spielen Streicher, Holzbläser und die übrigen Blechbläser, und du musst keinen davon einzeln erkennen, denn sie reichen sich die Melodien weiter wie Tanzpartner, die ständig wechseln. Wenn du einmal den Faden verlierst, such einfach wieder das Horn, denn es führt dich zuverlässig durch den Satz.

Ein Scherz, der 18 Minuten dauert

Ich habe diesen Satz Scherzo genannt, weil die Stimmung nach den ersten beiden Sätzen kräftig kippen sollte. Zuerst kamen der Trauermarsch und der Sturm, und jetzt folgen Ländler und Walzer, also Tänze, bei denen man eher mit dem Fuß wippt, als die Stirn zu runzeln. Das Wort verspricht Leichtigkeit, und ich halte das Versprechen auch, nur eben mit Schwung, denn über dem Satz steht „Kräftig, nicht zu schnell“. Ein Scherz ist bei mir also kein leises Kichern, sondern ein derber Spaß, bei dem der Tisch ruhig ein wenig wackeln darf.

Ein Wiedersehen mit Tanzmusik

Die Form für dieses Scherzo zu finden war ein kleines Abenteuer für sich. Der Satz ist rondoartig gebaut: Ein Hauptgedanke kehrt immer wieder zurück, und dazwischen treten andere Tänze auf. Diese Tänze sind der Ländler und der Walzer, und sie sorgen dafür, dass du nie das Gefühl hast, auf der Stelle zu treten. Ich zeige dir die Abschnitte hier nur im Überblick, denn gleich gehen wir sie einzeln durch.

Abschnitt 1: Das Horn tritt auf, und alle schauen hin

Der Satz beginnt in D-Dur, und schon beim ersten Thema spürst du, dass hier jemand mit gutem Schritt und frischer Laune unterwegs ist. Das Horn meldet sich dabei immer wieder zu Wort, mal als Rufer, mal als Mitspieler, und der Rest des Orchesters antwortet ihm. Das Tempo ist genau so, wie ich es über die Noten geschrieben habe: kräftig, aber nicht gehetzt. Merk dir dieses Thema gut, denn es ist die Heimat, in die der Satz später immer wieder zurückkehrt.

Abschnitt 2: Der Ländler kommt gemütlich um die Ecke

Nach dem ersten Auftritt wird die Musik bodenständiger, und der Ländler stampft mit schweren, behaglichen Schritten herein. Du erkennst ihn daran, dass die Melodie breiter wird und fast ein wenig ländlich schunkelt. Die Stimmung wechselt dabei spürbar, weg vom Schwung des Anfangs, hin zu etwas Warmem und Derbem, das nach einer Tanzfläche im Dorf klingt. Dass der Satz so plötzlich von der Strenge der ersten beiden Sätze in diese Tanzwelt hinüberwechselt, gehört zu dem scharfen Stimmungsumschwung, den ich mit diesem Satz wollte.

Abschnitt 3: Der Walzer dreht sich dazu

Danach beginnt der Walzer, und die Musik fängt an, sich im Dreivierteltakt zu drehen. Die Streicher tragen jetzt vieles von dem, was vorher das Horn gesagt hat, und sie tun es mit einer Eleganz, die den Ländler fast ein bisschen schüchtern aussehen lässt. Achte darauf, wie die Stimmung zwischen Übermut und leiser Wehmut hin- und herschwankt, so als ließe sich der Spaß nie ganz unbeschwert genießen. Genau dieses Schwanken macht den Satz zu mehr als einer bloßen Tanzmusik.

Abschnitt 4: Das Thema kommt heim, als wäre nichts gewesen

Zuletzt kehrt das Hauptthema vom Anfang zurück, und du erkennst es sofort wieder, weil du es ja jetzt gut kennst. Es kommt aber nicht ganz unverändert zurück, denn Ländler und Walzer haben Spuren hinterlassen, und die Instrumente bringen ihre Erinnerungen an die Tänze mit. Das Horn hat noch einmal sein Auftreten, und das Orchester treibt die Musik zum Schluss immer ungestümer voran. So schließt sich der Kreis, und du hast gehört, wie ein einziger Gedanke durch viele Stimmungen wandert und doch derselbe bleibt.

Vorhang auf, Musik ab

Jetzt lade ich dich ein, dieses Scherzo selbst zu erleben. Drück auf Play und lass dich von der Musik mitnehmen, ganz ohne Eile und ohne schlechtes Gewissen, wenn du nicht jede Note einordnen kannst. Denk beim Hören ruhig an das, worüber wir gesprochen haben: das Horn, den Ländler, den Walzer und das Thema, das nach Hause kommt. Ich hoffe, die Reise durch mein Scherzo packt dich so, wie sie mich gepackt hat, als ich es geschrieben habe.
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Jetzt ist der letzte Ton des Scherzos verklungen, und vielleicht spürst du noch ein wenig Schwung in den Beinen. Nach dem Trauermarsch und dem Sturm des zweiten Satzes steht dieses Scherzo ganz allein als zweiter Teil meiner Symphony No 5. Ich wollte, dass man dort nach all dem Schweren erst einmal frei durchatmen kann. Ländler und Walzer ziehen in D-Dur durch rund 18 Minuten, und das Horn tritt dabei so selbstbewusst hervor, dass der Spieler oft vor das Orchester treten darf. Wenn du beim Hören gemerkt hast, wie sich die Stimmung so deutlich dreht, dann hast du den Kern dieses Satzes schon im Ohr. Hat dir der Hörführer zum III. Scherzo aus der Symphony No 5 gefallen? Ich würde mich freuen, wenn du beim nächsten Hören das eine oder andere wiedererkennst, was wir hier gemeinsam entdeckt haben. Meine Fünfte hat nämlich noch viel mehr zu bieten, als in einem einzigen Satz Platz findet. Da wartet zum Beispiel das Adagietto, das ich meiner Alma gewidmet habe, und das Rondo-Finale, das später auf dieses Adagietto zurückgreift. Und auch die Geschichte, wie das Ganze 1904 in Köln zum ersten Mal erklang, lohnt einen eigenen Blick. Klick dich deshalb gern durch die Links hier auf der Seite, und entdecke weiter, was in meiner Symphony No 5 noch alles steckt. Ich bin gespannt, welcher Satz dich als Nächstes mitnimmt.